Angestellte warten noch auf den Lohn
Restaurant von Zürcher Gastro-Vize pleite – jetzt legt er sein Amt nieder

Anfang Jahr wurde Dirk Hany zum Vizepräsidenten von Gastro Stadt Zürich ernannt. Jetzt tritt er bereits wieder zurück. Hintergrund ist die Pleite seines Restaurants Sinaloa – und ausstehende Löhne, auf die Ex-Angestellte noch immer warten.
Kommentieren
1/6
Tritt nach nur wenigen Monaten als Vize wieder ab: Gastronom Dirk Hany (42).
Foto: Steven Kohl

Darum gehts

  • Dirk Hany tritt als Vizepräsident des Verbands Gastro Stadt Zürich zurück
  • Acht Mitarbeitende verloren nach Konkurs von Hanys Restaurant Sinaloa ihre Stelle und warten teils auf ausstehende Löhne
  • Offene Löhne sollen über Insolvenzentschädigung der Arbeitslosenversicherung bezahlt werden
Nathalie Benn, RIngier
Nathalie BennRedaktorin Wirtschaft

Seit fünf Jahren sitzt Dirk Hany (42) im Vorstand von Gastro Stadt Zürich und vertritt die Interessen der Beizen und Restaurants der Limmatstadt. Erst Anfang Jahr stieg der renommierte Gastronom und Barkeeper zum Vizepräsidenten auf. Jetzt ist damit bereits wieder Schluss: Hany ist sein Amt los, wie das Portal «Inside Paradeplatz» zuerst berichtet hat.

Gegenüber Blick bestätigt der Zürcher seinen Abgang: «Ich habe mich entschieden, als Vizepräsident der Gastro Stadt Zürich zurückzutreten», sagt Hany. Er wolle «ein Zeichen setzen und seiner Verantwortung bewusst Rechnung tragen».

Was der Schweizer Barkeeper des Jahres 2020 damit meint: Gastronom Hany ist mit seinem Restaurant Sinaloa gescheitert. Im Juni musste das mexikanische Lokal nahe der Josefstrasse im Zürcher Kreis 5 Konkurs anmelden. Dabei war die Eröffnung am 19. November 2025 in der Gastroszene gross gefeiert worden: «Ein Highlight auf der Karte ist der Rib-Eye-Hochrücken, serviert mit Knochenmark und Topinambur. Oder die Croquetas mit Oaxaca-Käse, Jalapeño und Aioli», schwärmte etwa das Gastroportal Falstaff.

Ex-Angestellter ging vor den Friedensrichter

Seit fünf Monaten sind die Läden an der Gasometerstrasse 5 unten. Die Nachwirkungen hallen aber bis heute nach: Die acht Mitarbeitenden haben mit dem Konkurs nicht nur ihre Stelle verloren, sondern warten teilweise immer noch auf ihren Lohn. Das sorgt für Unmut: Ein ehemaliger Angestellter leitete rechtliche Schritte ein und zog vor den Friedensrichter, wie Hany gegenüber Blick bestätigt. Dort habe man sich jedoch einigen können.

«Dass wir gewisse Löhne nicht mehr bezahlen konnten, ist korrekt», räumt Hany ein. Die Betroffenen gehen aber nicht leer aus: «Alle werden ihre Löhne erhalten», verspricht der Gastro-Unternehmer. «Nur leider nicht von uns, sondern von der öffentlichen Hand.»

Wird ein Gastronomiebetrieb zahlungsunfähig und kann offene Löhne nicht mehr begleichen, kommt die sogenannte Insolvenzentschädigung zum Zug. Die Leistung der Arbeitslosenversicherung deckt grundsätzlich offene Lohnforderungen für maximal vier Monate vor dem Insolvenzereignis – allerdings nur bis zum gesetzlich versicherten Höchstbetrag. Betroffene müssen ihre Ansprüche bei der zuständigen Arbeitslosenkasse geltend machen.

Die Belegschaft sei stets transparent über die finanzielle Situation des Betriebs informiert worden, betont Hany. «Auch darüber, dass es zum Konkurs kommen könnte.» Zudem habe man den Mitarbeitenden Unterlagen und Informationen mitgegeben, damit sie ihre ausstehenden Löhne bei der Arbeitslosenversicherung einfordern könnten.

«Ich eröffne einen Betrieb nicht aus Leichtsinn»

Die Schliessung des Sinaloa bedauert Hany. «Dass man einen Betrieb so kurz nach der Eröffnung wieder schliessen muss, ist natürlich überhaupt nicht in meinem Sinn. Ich eröffne so einen Betrieb nicht einfach aus Leichtsinn.» Aber die Gastronomie sei ein hartes Pflaster – und mit gewissen Risiken verbunden.

Tatsächlich steht die Branche seit Jahren unter Druck: Hohe Personal- und Betriebskosten, steigende Warenpreise und fehlende Fachkräfte machen vielen Schweizer Wirten zu schaffen. Gemäss der Wirtschaftsauskunftei Crif mussten allein zwischen Januar und September 2026 quer durchs Land 1019 Gastrobetriebe Konkurs anmelden – das sind 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Zu den konkreten Gründen, die zur Schliessung des Sinaloas geführt haben, möchte sich Hany nicht äussern.

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen