Darum gehts
- ETH Zürich entsorgt gefährliche Substanz Chlortrifluorid am 7. Juni
- Evakuierung und Strassensperrungen zwischen Leonhardstrasse und Weinbergfussweg geplant
- Einsatz von 10 bis 16.30 Uhr am 7. Juni
Das Gebiet um die ETH war ab Sonntagmorgen grossräumig gesperrt und zahlreiche Einsatzkräfte auf Platz. Wie bereits im Mai angekündigt, wurde an der ETH am Sonntag Chlortrifluorid aus einem früheren Forschungsbestand entsorgt. Die gefährliche chemische Substanz befindet sich in einer Gasflasche.
Wie die Kantonspolizei Zürich kurz nach 16.30 Uhr mitteilt, verlief der Einsatz ohne Zwischenfälle. «Der sorgfältig geplante Einsatz wurde erfolgreich abgeschlossen. Die Gasflasche konnte planmässig umgeladen und abtransportiert werden», heisst es.
Spezialfirma entsorgt Substanz
Die chemische Substanz wurde in einen speziell dafür vorgesehenen Bergebehälter verladen und durch eine Spezialfirma nach Deutschland abtransportiert. Die Firma wurde weiter mit der fachgerechten Entsorgung beauftragt, schreibt die Polizei.
Nach rund sechs Stunden konnten die vorsorglichen Sicherheitsmassnahmen aufgehoben werden. Anwohnerinnen und Anwohner dürfen also wieder in ihre Wohnungen zurückkehren.
Polizei klopfte an Türen
Mit grossem Sicherheitsaufgebot und grossräumiger Evakuierung der umliegenden Wohnungen ging die Aktion los. Bis 10 Uhr mussten die rund 270 Anwohnenden ihre Wohnungen verlassen. Mit Lautsprecherdurchsagen forderte die Polizei die Menschen auf, die Wohnung zu räumen. Später klingelten und klopften sie an allen Wohnungen zur Erinnerung.
Blick-Reporter Pascal Scheiber traf vor Ort einige Betroffene – die nahmen es generell locker. Ein Anwohner sagte lachend zu Polizisten: «Wir haben das ganze Haus offen gelassen, war noch nie so gut bewacht.»
Auch Büsi wird evakuiert
«Ich bin sehr entspannt. Finde es gut, dass die Behörden so vorsichtig mit dieser Entsorgung umgehen. Man weiss nie, was passiert.», sagte Marcus Bauer (48). Zusammen mit seiner Partnerin und Büsi Ola (7) geniesst er einen Tag in Luzern. «Das ist zum Glück nur ein Katzensprung entfernt. Wir gehen dort an den See und geniessen den Sonntag dort.»
Ebenfalls zusammengepackt und bereit für einen Ausflug war auch eine Familie. «Wir gehen nach Neuenburg an eine ‹Herr der Ringe›-Ausstellung.» Auch sie gaben sich entspannt. «Wir haben überhaupt keinen Bammel. Ich denke, das sind einfach Sicherheitsmassnahmen.» Als man von der Evakuierung gelesen hatte, habe man eher gedacht: «Schiisst mi ah.»
«Schade, dass es ein Sonntag sein muss»
Für Lamin Tamson (27) war klar: Die Evakuierung wird genutzt, um zu lernen. «Ich habe sowieso bald Prüfungen», erklärte der Student. Auch ihn nervte die Situation etwas. «Es ist doch schon etwas übertrieben», meinte er. Er wohnt in einer WG in der betroffenen Zone. Einer seiner Mitbewohner sei wandern gegangen.
«Schade, dass es ein Sonntag sein muss. Ich konnte nicht einmal ausschlafen», sagte Elias Buess (36). Er war auch über die Grösse des Einsatzes verwirrt. «So viel Polizei. Es überrascht mich jetzt. Ich komme nicht ganz draus.» Als Entschädigung gabs wenigstens einen Lunchcheck-Gutschein – passend zu Buess' Plan. «Wir gehen jetzt irgendwo etwas essen.»
Strassensperrungen und Einschränkungen im ÖV
Die Substanz war bislang in einem zugangsbeschränkten Labor der ETH Zürich gelagert und wurde früher in der Gesteinsforschung eingesetzt. Zusammen mit der Kantonspolizei Zürich haben Spezialistinnen und Spezialisten des Forensischen Instituts Zürich, von Schutz & Rettung Zürich und der Stadtpolizei Zürich die Lage beurteilt. Die Sicherheitsmassnahmen erfolgten vorsichtshalber.
Während des Einsatzes kam es temporär zu Strassensperrungen, Einschränkungen im öffentlichen Verkehr und Umleitungen für den Individualverkehr. Die Evakuierungszone umfasste das Gebiet zwischen Leonhardstrasse, Tannenstrasse, Universitätsstrasse, Sonneggstrasse und Weinbergfussweg.