Darum gehts
- Die Balintra AG, eine Tochter der UBS, will eine Siedlung in Zürich-Riesbach mit heute 119 Wohnungen auf 300 Wohnungen verdichten
- Mehr als 300 Bewohner fürchten einen Abriss und wehren sich mit einer Petition
- Die UBS sagt: Noch sei nicht entschieden, wie die Siedlung künftig aussehen soll
Im Quartier Weinegg im Zürcher Kreis 8 lebt es sich idyllisch. Mit vielen Grünflächen, Spielplätzen und 30er-Zonen gehört es zu den ruhigsten Wohngegenden der Stadt.
Doch die Bewohnerinnen und Bewohner der Siedlung können die Idylle seit geraumer Zeit nicht mehr unbeschwert geniessen.
Der Grund: Die Besitzerin Balintra AG – ein Immobilienfonds der UBS – möchte die Siedlung erneuern. Die meisten Gebäude wurden 1952 erbaut. Damit stehen bald «sehr umfassende Sanierungen und Investitionen an», teilt die zuständige Verwaltung Livit den Mietern in einem Schreiben mit, das Blick vorliegt. Mit der Umsetzung hat die Besitzerin die Immofirma Halter rund um Chef Balz Halter (64) beauftragt. Bereits im Februar führte das Unternehmen auf dem Grundstück Untersuchungen durch, wie aus dem Schreiben hervorgeht.
Mieter lancieren Petition
Betroffen sind die Häuser mit den Adressen Im Walder 4-18 und 9-17 sowie Niederhofenrain 2-28. Die Siedlung umfasst 119 Wohnungen und ist für mehr als 300 Menschen das Zuhause.
Die Anwohner zählen eins und eins zusammen: Ein führendes Immobilienunternehmen, das das Areal unter die Lupe nimmt. Verdichtungspläne auf neu 300 Wohnungen und ausgeschriebene Objekte, die nur noch befristet bis Frühling 2028 angeboten werden. Bis die Leerkündigung ins Haus flattert, ist es nur eine Frage der Zeit, sind sie überzeugt.
Ein Zusammenschluss aus Mieterinnen und Mietern hat deshalb die Petition «Stoppt eine weitere Renditemaximierung der UBS!» lanciert. Eine von ihnen ist Sonja H.* (58). Weil sie damit rechnet, bald auf Wohnungssuche gehen zu müssen, will sie anonym bleiben. Gemeinsam mit ihrem Mann lebt sie seit 1993 in der Siedlung, ihre erwachsene Tochter ist mittlerweile ausgezogen. Im Gespräch mit Blick sagt die Zürcherin: «Ich hatte das Gefühl, etwas unternehmen zu müssen. Diese Untätigkeit würde ich sonst nicht aushalten.» Auch sie ist sich sicher: Aufstocken allein wird nicht reichen, um fast dreimal so viele Wohnungen zu realisieren. «Da bleibt nur der Abriss.»
Auch finanziell steht für die Bewohner viel auf dem Spiel. Eine Mieterin bezahlt derzeit für ihre 3-Zimmer-Wohnung mit 75 Quadratmetern 2000 Franken im Monat. Blick weiss: Eine Architektin, die auf dem Grundstück Untersuchungen durchgeführt hat, rechnet damit, dass eine vergleichbare Wohnung nach einer Neuüberbauung monatlich 4000 bis 5000 Franken kosten könnte – also mindestens doppelt so viel.
«Wie das umgesetzt wird, steht noch nicht fest»
Kündigungen ausgesprochen wurden noch keine, betont die UBS auf Anfrage. Wie die Umsetzung erfolgt, stehe noch nicht fest, sagt eine Sprecherin gegenüber Blick. Derzeit befindet sich die Eigentümerin zusammen mit der Stadt Zürich in einer Evaluationsphase. Mehrere Architekturbüros können Ideen einreichen. «Gestützt auf die Vorschläge empfiehlt die Jury dann ein Projekt zur Weiterentwicklung», so die Sprecherin. Offiziell entschieden ist also noch nichts.
In der Petition fordern Sonja H. und ihre Mitstreiter die UBS auf, ganz auf einen Abriss und Neubau zu verzichten. Sollte das nicht möglich sein, verlangen die Betroffenen einen Erhalt der bestehenden Häuser sowie Bauarbeiten in Etappen, faire Mieten und transparente Informationen.
Ihr Anliegen findet weit über die Quartiergrenzen hinaus Unterstützung: In gut zwei Wochen sind 6567 Unterschriften zusammengekommen. Am 21. Oktober will Sonja H. die Petition dem Zürcher Stadtrat Tobias Langenegger (41, SP) und Stadtpräsident Raphael Golta (50, SP) übergeben.
*Name der Redaktion bekannt