Darum gehts
- Talia (18) berichtet von Beschimpfung Spuckattacke in Zürich Schwamendingen
- Tiktok-Video erreicht 80’000 Aufrufe, Solidarität in Kommentaren
- Die Polizei hat eine ganz andere Darstellung der Situation
Talia (18) wirkt noch immer aufgewühlt. Am Freitag erlebte sie einen Vorfall, den sie nicht so schnell vergessen kann. Auf Tiktok schildert die 18-Jährige unter Tränen, dass sie Opfer von Rassismus geworden sei.
Doch was ist passiert? Talia erklärt, wie sie am Abend vor der Wohnungstür ihrer Schwester in Zürich Schwamendingen auf diese gewartet habe. Plötzlich habe sie auf dem Balkon über dem Hauseingang Stimmen gehört.
«Ich habe gesehen, dass mehrere Männer dort eine Party feierten. Plötzlich begannen sie herunterzurufen. Sie sagten, ich solle zurück in mein Land gehen», erzählt die junge Muslima mit Kopftuch gegenüber Blick. In der Folge sei es zu wüsten Beleidigungen gekommen. «Sie nannten mich ‹Missgeburt› und spuckten auf mich herunter.»
«Ich habe am ganzen Körper gezittert», erzählt sie. Schliesslich sei ihre Schwester gekommen und habe gemeinsam mit ihrem Schwager die Männer in ihren Zwanzigern zur Rede gestellt. Diese hätten abgestritten, dass die Beleidigungen Talia gegolten hätten.
Anschliessend verständigte die Familie die Polizei. Die Einsatzkräfte seien laut der Betroffenen zu den Männern gegangen, um mit ihnen zu sprechen. Diese hätten die Vorwürfe jedoch bestritten.
«Aussage gegen Aussage»
Gemäss der Schilderung der Frau hätten die Polizisten erklärt, es handle sich um eine «Aussage gegen Aussage»-Situation, weshalb sie keine weiteren Massnahmen ergreifen könnten.
Die Begegnung mit den Beamten habe Talia als «enttäuschend» empfunden. Zudem habe sie den Eindruck gehabt, ihre Wahrnehmung sei von den Einsatzkräften als subjektiv relativiert worden. «Das macht mich wirklich hässig.»
Das Video verbreitete sich am Wochenende innert Stunden auf Social Media. Mittlerweile hat es bereits 80’000 Aufrufe. In den Kommentaren erhält die 18-Jährige viel Solidarität. «Unglaublich, was passiert ist, ich bin sprachlos», heisst es in einem Kommentar. Einige User raten der jungen Frau, sich vom Erlebten nicht unterkriegen zu lassen.
Die Polizei wehrt sich vehement
Auf Anfrage erklärt die Stadtpolizei Zürich: «Mit Erstaunen nehmen wir die geäusserte Kritik zur Kenntnis. Unsere Polizisten sind zum genannten Zeitpunkt ausgerückt und waren rund eine Stunde vor Ort. Es gelang ihnen, die Situation zu beruhigen. Mit sämtlichen involvierten Personen wurde eine Sachverhaltsklärung vorgenommen. Alle Personalien wurden erhoben. Ebenso wurden die Möglichkeiten einer Anzeige eingehend erläutert.» Ebenfalls sei darauf hingewiesen worden, dass auch zu einem späteren Zeitpunkt eine Anzeige erfolgen könne. Bis dato sei das nicht geschehen.
«Den Vorwurf, dass die Polizisten das Ganze nicht ernst genommen und mit anderen involvierten Personen gelacht hätten, weisen wir entschieden zurück.»