Darum gehts
- Fremdenfeindliche Parolen bei Zürcher Public Viewing der Eishockey-WM
- Fans sangen zur Melodie von «L'amour toujours» ausländerfeindliche Sprüche
- Vorfall weckt Erinnerungen an ähnlichen Vorfall in Sylt (D)
«Ausländer raus! in Zürich: Sylter Skandal-Hit wird zum Eishockey-WM-Publikumsmagnet», titelt der deutschsprachige russische Staatssender RT DE am Sonntagabend. Nachdem die Eishockey-WM am Wochenende mit einer leicht enttäuschenden Silbermedaille für die Schweiz geendet hatte, macht in den Social Media ein Video die Runde, auf dem Eishockeyfans im offiziellen Zürcher Public Viewing bei der Swiss Life Arena fremdenfeindliche Parolen singen.
Zur Melodie des Songs «L'amour toujours» des italienischen DJs Gigi D’Agostino (58) grölen sie «Ausländer raus», manche singen auch «Deutschland den Deutschen». Aufgenommen wurde das Video am vergangenen Samstag, als die Schweizer Nationalmannschaft im Halbfinal gegen Norwegen gewann.
Der russische Staatssender bezeichnet den Song als «unverwüstlichen Soundtrack der Begeisterung» und schreibt in einem Artikel dazu salopp: «Was in Deutschland als Tabu gilt, ist hier Teil der WM-Atmosphäre.» Im Artikel spielt der Sender auch auf das «Timing» an, das «kaum passender» sein könne, und meint damit die «Keine 10-Millionen-Schweiz»-SVP-Initiative, über die das Schweizer Stimmvolk in rund zwei Wochen entscheidet.
Vorfall weckt Sylt-Erinnerungen
Dass der besagte Song von DJ Gigi D’Agostino für ausländerfeindliche Parolen missbraucht wird, ist nicht neu. Die Szenen aus Zürich erinnern an den Rassismus-Eklat auf der Nordseeinsel Sylt (D) im Mai 2024.
Ein Video in den Social Media zeigte damals junge Leute im Nobelort Kampen beim Feiern. Auch sie sangen zur Melodie von «L'amour toujours» die Parolen «Deutschland den Deutschen, Ausländer raus.» Ein junger Mann zeigte dabei sogar den Hitlergruss, wofür er später eine Geldstrafe von 2500 Euro bezahlen musste.
Das Video aus dem Zürcher WM-Public-Viewing hat Daniel Stricker (55) veröffentlicht, der während der Corona-Pandemie als Skeptiker schweizweit Bekanntheit erlangte. Am Sonntag postete er die Aufnahme auf seinen Social-Media-Kanälen.
Stricker beteuert: «Ich habe das Video zugespielt bekommen und mir die Echtheit von zwei unabhängigen Quellen bestätigen lassen.» Zum Inhalt des Videos meint er: «Ich liebe die Redefreiheit auch dann, wenn mir das Gesagte nicht gefällt.»
«Mass-voll!»-Mitglieder mittendrin
Ist das Video tatsächlich echt, oder handelt es sich um einen Fake? Auf Blick-Nachfrage bestätigen mehrere Mitglieder der Organisation «Mass-voll!», die ebenfalls anwesend waren, dass diese «fraglichen Sprüche» tatsächlich vor Ort gefallen seien.
Auf Blick-Anfrage sagt «Mass-voll!»-Präsident Nicolas Rimoldi (31): «Wir haben das umgehend im Team und mit den anwesenden Leuten besprochen.» Er betont, dass die Mitglieder lediglich die Melodie mitgejohlt hätten.
Eines der Mitglieder vor Ort war der Vizepräsident Sandro Subotic (21). Er sagt: «Als Partei und insbesondere als Politiker bin ich mir natürlich sehr bewusst, dass solche Vorfälle ein schlechtes Licht auf uns werfen können. Gerade deshalb bin ich bei derartigen Angelegenheiten äusserst vorsichtig.»
DJ Simon, der während des Vorfalls im Public Viewing auflegte, sagt gegenüber Blick, dass er hinter dem DJ-Pult keine ausländerfeindlichen Worte aus dem Publikum gehört habe. Er vermutet, dass es sich bei den Parolen-Singenden um eine kleinere Gruppe gehandelt haben könnte, die sich neben der Person befand, die das Video aufnahm. «Falls ich etwas gehört hätte, hätte ich selbstverständlich gleich das Lied abgebrochen und etwas anderes gespielt», so DJ Simon.
Der Veranstalter sagt auf Anfrage: «Die 2026 IIHF WM verfolgt eine strikte Nulltoleranzpolitik gegen Rassismus und jegliche Form von Diskriminierung.» Vom Rassismus-Eklat habe man keine Kenntnis.