Darum gehts
- Der Branchenverband Holzbau Schweiz meldet eine Veruntreuung von 1,6 Mio. Franken
- Im Fokus der Ermittlungen steht die ehemalige Mitarbeiterin Sarah H. zwischen 2022 und 2025 soll das Geld in ihre eigene Tasche geflossen sein
- Im Dezember 2025 hat der Verband Strafanzeige eingereicht; die Zürcher Staatsanwaltschaft ermittelt
Bei der Berufsförderung des Branchenverbands Holzbau Schweiz gibt es ein gewaltiges Loch in der Kasse. Das Geld soll offenbar direkt in die Tasche der Angestellten Sarah H.* geflossen sein. Die Sache blieb über drei Jahre lang unbemerkt.
Holzbau Schweiz ist der Dachverband der heimischen Holzbaubranche und vertritt die Interessen von rund 1000 Betrieben und Zimmereien in der Deutschschweiz und im Tessin. Die Organisation setzt sich unter anderem für die Aus- und Weiterbildung ein. Für seine Mitglieder ist der Verband zudem ein Dienstleister, der sie bei rechtlichen oder technischen Fragen unterstützt.
Schaden von 1,6 Millionen Franken
Blick liegt das interne Schreiben an die betroffenen Mitglieder vor. Darin ist die Rede von einem mutmasslichen «Fall von gravierender Veruntreuung». Die Verantwortlichen gehen von einem Riesenverlust aus: «Der Gesamtschaden aus den Jahren 2022 bis 2025 beläuft sich nach aktuellem Kenntnisstand auf rund 1,6 Millionen Schweizer Franken.»
Über drei Jahre hinweg soll Sarah H. das Geld eingesteckt haben. Der Skandal flog erst bei der Aufarbeitung des Geschäftsjahres 2025 auf. Nach Angaben von Holzbau Schweiz ist die Frau nicht mehr beim Verband angestellt.
Vorstandsmitglied ist «enttäuscht und verärgert»
Die betroffene Stelle des Branchenverbands hat den Vorfall den Behörden gemeldet. Diese haben ein Strafverfahren eingeleitet, wie aus dem Schreiben an die Mitglieder hervorgeht.
Weiter heisst es dort: «Parallel zum Verfahren wurden und werden die bestehenden Prozesse und Kontrollmechanismen überprüft und angepasst.» Um die Buchhaltung der letzten Jahre zu überprüfen, seien zudem ein externes Treuhandbüro sowie eine Anwaltskanzlei beigezogen worden.
Vorstandsmitglied Luca Pagnamenta schreibt im Geschäftsbericht zum Verdacht gegen die ehemalige Mitarbeiterin: «Der gegen Ende des Jahres aufgedeckte Fall von Veruntreuung hat uns alle überrascht, enttäuscht und verärgert.» Überrascht habe ihn das Ausmass, enttäuscht und verärgert der Vertrauensmissbrauch von Sarah H.
Holzbau Schweiz will Vorfall nicht kommentieren
Auf Anfrage von Blick wollte sich Holzbau Schweiz nicht zum konkreten Fall äussern: «Wir möchten uns während der Ermittlungs- und Aufarbeitungsphase nicht an Mutmassungen beteiligen oder Sachverhalte kommentieren, die Gegenstand der laufenden Untersuchungen sind», heisst es.
Als ehemalige Arbeitgeberin sei man «aus datenschutz- und persönlichkeitsrechtlichen Gründen nicht in der Lage, Auskünfte zu einzelnen Personen zu erteilen». Zugleich betont der Dachverband, dass es sich um eine von ihm rechtlich unabhängige Stelle handle.
Untersuchung läuft
Auf Blick-Anfrage bestätigt die Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich ein laufendes Verfahren. Ausgehend von einer Strafanzeige führe man eine Untersuchung gegen Sarah H. wegen des Verdachts auf Veruntreuung.
Weitere Angaben, etwa zum genauen Verwendungszweck des Geldes, machen die Strafverfolger aus Gründen des Untersuchungsgeheimnisses derzeit nicht.
Für die Ex-Angestellte Sarah H. gilt bis zu einem rechtskräftigen Verfahrensabschluss die Unschuldsvermutung.
* Name geändert