«Ich bin voll in die Türe reingekracht»
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Simon Hiltli zu Velo-Abenteuer:«Ich bin voll in die Türe reingekracht»

Simon Hiltli (31) fährt mit Velo und Ski 7216 Kilometer bis nach Kirgistan
«Ich war fast 35 Tage lang im Spital!»

Es war sein grösstes Abenteuer bisher: Simon Hiltli (31) aus Zürich fuhr mit dem Velo bis nach Kirgistan, mit seinen Ski im Gepäck. Mit denen wollte er am Ziel die verschneiten Berge runterfahren. Doch ein Unfall in der Türkei verzögerte die Reise.
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Das grosse Ziel vom Zürcher Simon Hiltli: Ski fahren im über 7000 Kilometer entfernten zentralasiatischen Land Kirgistan.
Foto: Instagram / alpine.joker

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Simon Hiltli radelte 7216 Kilometer von Zürich nach Kirgistan
  • Trotz Nackentrauma und –26 Grad erreichte er sein Ziel
  • Er radelte 400 Kilometer durch die Wüste mit nur 7 Litern Wasser
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Karin FrautschiReporterin Blick

7216 Kilometer, 107 Tage und ein Ziel: Abenteurer Simon Hiltli (31) radelte von Zürich bis nach Kirgistan. «Ich habe mir in den Kopf gesetzt, dass ich dort Ski fahren will», sagt er. Sein Zielort: Jyrgalan, ein kleines Dorf an der Grenze zu China. 

Ende 2025 startet er am Zürcher Bürkliplatz in sein Abenteuer. «Mein Velo und mein Material waren etwa 55 Kilo schwer», sagt er. Mit im Gepäck: seine Skiausrüstung. Diese schleppte er die ganze Reise lang mit, weil er auch unterwegs Ski fahren wollte. Doch Schneemangel auf dem Balkan und ein Unfall in der Türkei machten ihm einen Strich durch die Rechnung. 

Unfall in der Nähe von Istanbul

Hiltli erinnert sich: «Ich fuhr mit etwa 20 km/h eine Strasse entlang, als plötzlich ein Auto aus einer Parklücke fuhr.» Er prallte seitlich gegen das Auto und stürzte.

«Schnell standen rund 20 Personen um uns herum», sagt er. Er sei dann mit dem Unfallauto in ein Spital gefahren worden und eine Person sei die ganze Zeit bei ihm geblieben, um zu übersetzen.

Da die Untersuchungen im Spital keine Auffälligkeiten zeigten, setzte er sich zwei Tage später wieder aufs Velo. Doch sein Zustand verschlechterte sich zunehmend. «Nach einer Woche fühlte ich mich am schlechtesten», so Hiltli.

Rund zehn Tage nach dem Unfall folgte die Diagnose: Nackentrauma. «Ein Physiotherapeut stellte fest, dass bei meiner Halswirbelsäule Wirbel verschoben waren», so der Sportler. Ein herber Rückschlag für den 31-Jährigen: «Alles sank von 100 auf 0. Ich war schnell unterwegs, bin innert 20 Tagen von Zürich bis nach Istanbul gefahren – und dann kam plötzlich dieser Unfall.»

Die Behandlung seines Nackentraumas dauerte über einen Monat.
Foto: Instagram / alpine.joker

Die Erholungsphase nach dem Unfall sei der schwierigste Moment der Reise gewesen. «Ich war fast 35 Tage lang im Spital!», so Hiltli. «Es war Weihnachten, ich war alleine irgendwo in der Türkei und verletzt.»

Extreme Bedingungen

Nach über einem Monat konnte das Veloabenteuer schliesslich weitergehen. Sein Weg führte ihn von der Türkei nach Georgien – und von dort aus ins Flugzeug. Weil die Grenzen zwischen Georgien und Aserbaidschan auf dem Landweg geschlossen waren und eine Route durch Russland oder den Iran aufgrund der politischen Lage nicht infrage kam, blieb nur der Luftweg über das Kaspische Meer nach Kasachstan. 

Diese Route fuhr Hiltli mit seinem Velo während seiner 107-tägigen Reise bis nach Kirgistan.
Foto: Blick Visuals

Nachdem er dort abgekommen war, sanken die Temperaturen auf Minusgrade. Hiltli gibt zu: «Ich habe mich nicht so gut vorbereitet. Wenn ich gewusst hätte, wie kalt es dort ist, hätte ich die Tour wohl nicht im Winter gemacht.»

Bei –26 Grad radelte er durch das Wüstengebiet des Ustyurt-Naturreservates in Kasachstan. «Es gab Momente, an denen ich das Gefühl hatte, auf einem ganz anderen Planeten zu sein. Es war alles so surreal», sagt er. «Manchmal konnte ich keine längeren Pausen machen, weil sonst das komplette Velo eingefroren wäre.»

Die Planung von Essen und Wasser habe ihn logistisch herausgefordert. Besonders in der Wüste, wo auf 400 Kilometern keine einzige Wasserquelle lag. «Ich musste diese Strecke möglichst schnell bewältigen, damit meine 7 Liter Wasser, die ich dabeihatte, ausreichten.» Hiltli trat dafür so kräftig in die Pedalen, dass er die Distanz in nur 36 Stunden überwand.

Die Minustemperaturen liessen auch seine Atemmaske erfrieren.
Foto: Instagram / alpine.joker

Um beim Ausatmen möglichst wenig Flüssigkeit zu verlieren, trug er teilweise eine Atemmaske, an der die Feuchtigkeit in der Kälte sofort einfror. «Ich produzierte ein halbes Kilo Eis pro Tag und musste die Maske alle paar Stunden enteisen», so Hiltli.

Im Bauch landete, was schnell verfügbar war. «Nach 12 Stunden auf dem Fahrrad gab es manchmal nur Popcorn zum Znacht», sagt er. An anderen Tagen holte er Pizza oder kochte einfache Gerichte auf dem Bunsenbrenner. 

Zweiter Unfall – kurz vor dem Ziel

Aufgeben war für ihn nie eine Option: «Das Motto meiner Reise war: Es geht irgendwie immer weiter.» Selbst ein zweiter Unfall kurz vor dem Ziel konnte seinen Willen nicht brechen.

Auf einer Strasse in Bischkek, der Hauptstadt von Kirgistan, habe plötzlich ein Kleinbus rechts angehalten und die Beifahrertür habe sich geöffnet. «Ich krachte mit dem Velo Vollgas hinein und landete in einem Strassengraben», so Hiltli. Zum Glück ohne Verletzungen, wie sich im Spital herausstellte – diesmal wirklich.

An seinem Gefährt gingen die beiden Crashs und die bereits fast 7000 zurückgelegten Kilometer nicht spurlos vorbei. «Ich weiss nicht, wie mein Velo das alles überlebt hat», sagt Hiltli rückblickend.

Unterwegs sei er mehrmals von Einheimischen mit Essen und Getränken versorgt worden.
Foto: Instagram / alpine.joker

Doch je näher er seinem Ziel kam, desto mehr Probleme tauchten auf. Zum Beispiel brachen einige Speichen seines Vorderrades, die er notdürftig reparierte. «In der Not wird man kreativ», sagt er und fügt an: «Hätte es nicht geklappt, wäre ich die letzten Kilometer zu Fuss gelaufen.»

Endlich auf den Ski

Am 107. Tag der Reise erreichte der Abenteurer endlich sein Ziel – und wurde dort von jubelnden Einheimischen empfangen, die seine Reise über die sozialen Medien mitverfolgt hatten. «Es war ein richtiger Party-Moment», so Hiltli.

Der Moment auf einem Gipfel im Jyrgalan-Tal – mit den Ski – und die Abfahrt waren die Belohnung für die Qualen. «Ich habe Freudentränen vergossen. Wenn du so etwas erlebt hast und zurückdenkst, dann bist du einfach glücklich», sagt er. «Ich habe alles gefühlt, was auf dieser Reise passiert ist.»

Nach 107 Tagen fährt Hiltli endlich Ski in Kirgistan.
Foto: Instagram / alpine.joker

Mittlerweile ist der 31-Jährige zurück in der Schweiz: «Ich war noch nie so fit, aber auch noch nie so innerlich erschöpft.»

Für das nächste Abenteuer tauscht Hiltli sein Velo gegen einen Bürostuhl ein. Er produziert einen Dokufilm über seine Reise, die er selber und mithilfe von lokalen Filmteams aufgezeichnet hat. Die Doku soll im Oktober fertig sein. Bis dahin hat er noch einiges zu tun: «Ich habe über 70 Stunden Filmmaterial.»

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