Darum gehts
- Zürcher Influencer Travis the Creator steht wegen schwerer Sexualdelikte vor Gericht
- Sechs Frauen treten als Privatklägerinnen auf, Vorwürfe massiv
- Staatsanwaltschaft fordert sechs Jahre Haft und zwölf Jahre Landesverweis
Travis the Creator (30) posiert gerne mit berühmten Fussballern. Auf Instagram zeigt sich der Zürcher Influencer lachend auf einer Party mit dem Engländer Jude Bellingham (22). Auf einem anderen Bild guckt er mit dem Brasilianer Vinicius Junior (25) cool in die Kamera. Beide spielen bei Real Madrid, dem spanischen Rekordmeister. Im spanischen Marbella schmeisst Travis auch Partys für die Reichen. Er hatte auf Instagram früher fast 50'000 Follower.
Richtig bekannt wurde der gebürtige Ghanaer aber nicht wegen Fotos mit Fussballstars, Partys oder Instagram-Reichweite. Sondern wegen eines Falls, der in den Medien breit kursierte: Travis soll Sexualverbrechen an jungen Frauen begangen haben.
«Tagi» machte Fall öffentlich
Nach einer mehrjährigen Recherche machte der «Tages-Anzeiger» die Hintergründe publik. Der Ghanaer habe Modeshootings organisiert und den Frauen so Karrierehoffnungen gemacht. Dabei sei es aber zu Missbrauch gekommen.
Wegen dieser Missbrauchsvorwürfe steht Travis ab Montag vor dem Zürcher Bezirksgericht. Die Vorwürfe sind massiv: mehrfache Vergewaltigung, mehrfache sexuelle Nötigung.
In der Anklageschrift der Zürcher Staatsanwaltschaft steht, wie sich die vorgeworfenen Taten abgespielt haben sollen: Bei einem Unterwäsche-Fotoshooting im Jahre 2017 in der Stadt Zürich fordert Travis eine Frau auf, sich auf den Rücken zu legen. Sie tut es. Travis dringt mit zwei Fingern in sie ein und leckt sie anschliessend im Intimbereich, so die Anklage. Die junge Frau sagt «Nein» und mehrmals, er solle damit aufhören. Travis macht weiter.
Eine weitere Frau drängte er 2017 gegen ihren Willen zu Geschlechtsverkehr. Die Situation sei von der Frau «nicht gewollt» gewesen, die überrumpelte Frau in einer Schockstarre.
Anklage: Sex wider Willen
Ein weiterer Fall soll sich 2018 abgespielt haben – in einer Gemeinde im Kanton Zürich. Travis und eine andere Privatklägerin treffen sich, um ein künftiges Shooting oder Model-Casting zu besprechen. Der Beschuldigte legt sich neben die Frau, fasst sie an, heisst es in der Anklage. Die Frau sagt «Nein». Travis zieht ihre Unterhose runter und hält die Frau fest. Gemäss Anklage hat die Frau mindestens 20 Mal «Nein» zu seinen Handlungen gesagt. Der gebürtige Ghanaer lässt sich nicht abhalten. Er zog seine Hosen runter und «drang wie in einem Rausch ohne Kondom vaginal in die Geschädigte ein», so die Staatsanwaltschaft.
Die Fälle sind unerträglich zum Lesen. Die mutmasslichen Opfer sind sechs junge Frauen. Bei fünf von ihnen geht es um Vergewaltigung oder sexuelle Nötigung. Gemäss der erwähnten Recherche des «Tages-Anzeigers» nur die Spitze des Eisbergs: Total 34 Frauen werfen dem Influencer Übergriffe vor.
Travis bestreitet Vorwürfe
In der Folge zeigen einige den Influencer an. Die Staatsanwaltschaft erhebt Anklage. Travis The Creator beteuert, er sei unschuldig: Er habe sexuelle Handlungen nur einvernehmlich durchgeführt. Am 24. März 2025 hätte es am Bezirksgericht Zürich zum Prozess kommen sollen. Jedoch musste dieser verschoben werden: Das Arztzeugnis eines spanischen Psychiaters hatte Travis eine Verhandlungs-Unfähigkeit attestiert.
Klar ist: Travis The Creator wurde schon einmal wegen Schändung verurteilt, nachdem er einer Frau seinen Penis ungefragt in den Mund geschoben hatte. Die Verurteilung wurde gar vom Bundesgericht bestätigt.
Die Prozess-Verschiebung im Frühling war umstritten: Die Junge SVP des Kantons Zürich tobte. Präsidentin Naemi Dimmeler (25) schrieb damals: «Während Frauen und sogar Mädchen auf Gerechtigkeit warten, kann sich ein verurteilter Sexualstraftäter ungehindert ins Ausland absetzen und sich dem Prozess entziehen. Das ist an Absurdität nicht zu übertreffen.»
Kommt der Influencer diesmal?
Acht Monate sind seit dem ursprünglichen Termin vergangen. Am Montag soll der Prozess endlich stattfinden. «Es sind derzeit keine Anzeichen für ein Nichterscheinen des Beschuldigten ersichtlich», sagt Patrick Strub vom Zürcher Bezirksgericht am Freitag zu Blick.
Zu den Vorwürfen wollte der Angeklagte keine Stellung nehmen. Auch seine Verteidigerin antwortete nicht auf die Blick-Anfrage. Für den Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.
Die Zürcher Staatsanwaltschaft fordert für Travis The Creator eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren und einen Landesverweis von zwölf Jahren. Der Prozess ist auf zwei Tage angesetzt, Montag und Freitag. Blick tickert live aus dem Gerichtssaal.