USZ-Herzklinik-Skandal
Behörde prüfte Maisanos Cardioband nur halbbatzig

Im Herzskandal am Zürcher Unispital zeigen SRF-Recherchen: Swissmedic bewilligte den ersten Einsatz des ungetesteten Cardiobands, ohne Hersteller oder Spital Fragen zur Sicherheit zu stellen.
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Neue Details zum Herzskandal am Unispital Zürich.
Foto: Keystone

Darum gehts

  • Swissmedic bewilligte den ersten Cardioband-Einsatz am Zürcher Unispital ohne Sicherheitsfragen
  • Herzchirurg André Plass nannte den ersten Cardioband-Eingriff 2016 bei SRF eine Katastrophe
  • Im Zürcher Herzskandal starben über 70 Menschen zu viel, zehn Todesfälle werden untersucht
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Mattia JutzelerRedaktor News

Anfang Mai erschütterte der Herzskandal am Zürcher Unispital die Schweiz. Insgesamt starben über 70 Menschen zu viel. Im Fokus der Ermittlungen steht der ehemalige Chef der Herzchirurgie, Francesco Maisano, und ein von ihm mitentwickeltes Cardioband.

Da dieses Cardioband vor seinem ersten Einsatz nie getestet wurde, musste das Spital beim Heilmittelinstitut Swissmedic eine Ausnahmebewilligung einholen. Recherchen von SRF zeigen jetzt: Die Aufsichtsbehörde bewilligte den experimentellen Eingriff und stellte dabei weder dem Hersteller noch dem Spital Fragen zur Sicherheit des Produkts. Die Behörde wollte scheinbar «in diesem Fall nicht zu ‹penetrant› sein», wie interne E-Mails der Behörde zeigen.

Eingriff war «eine Katastrophe»

In mehreren Fällen führte das Cardioband zu Komplikationen bei Patienten. Etwa 2016, als es zum ersten Mal zum Einsatz kam und vom Unispital noch als «sichere Behandlungsmethode» bezeichnet wurde. Das Cardioband konnte die Herzklappen der betroffenen Patientin jedoch nicht richtig abdichten. Zudem kam zu einem technischen Fehler, weshalb während der Operation ein zweites Cardioband über das erste gelegt werden musste.

Herzchirurg André Plass nennt den Eingriff von 2016 gegenüber SRF «eine Katastrophe». Das hätte «zu keinem Zeitpunkt am Menschen implantiert werden dürfen», führt er weiter aus. Die Zürcher Oberstaatsanwaltschaft untersucht im Rahmen des Herzskandals aktuell zehn verdächtige Todesfälle.

Swissmedic rechtfertigt sich in einer Stellungnahme gegenüber dem Fernsehsender. Unter Zeitdruck sei es «sehr schwierig, die Voraussetzungen einer Ausnahmebewilligung umfassend zu prüfen», heisst es. Letztlich würde den Arzt oder die Ärztin «die Verantwortung für den Einsatz eines Produkts ohne Konformitätsnachweis in einer medizinischen Notfallsituation treffen».

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