Darum gehts
- Offene Drogenszene an der Zürcher Gessnerallee sorgt für Chaos und Angst
- Stadtpolizei verhängt wöchentlich rund 110 Wegweisungen gegen Drögeler und Dealer
- Trotz Nulltoleranz-Politik bleibt Crack-Krise am Hauptbahnhof ungelöst
Es ist schockierend, was Tele Züri am Mittwoch in einem Beitrag zeigt: Am helllichten Tag wird an der Zürcher Gessnerallee Crack geraucht. Drogendeals werden mitten auf der Strasse abgeschlossen. Und das alles gleich neben dem Gleis 3 am Zürcher Hauptbahnhof.
Neliza Ledesma, die an der Gessneralle ihren Coiffeur-Salon hat, leidet unter der Situation, wie sie Tele Züri sagt. Von morgens bis abends sehe sie Drögeler. «Wir haben deswegen weniger Kundschaft», ärgert sie sich. Dass sich die Situation zunehmend zuspitzt, macht ihr Sorgen.
Stadtpolizei Zürich greift durch – doch reicht das?
Inzwischen haben es sich die Drögeler nämlich schon in Hinterhöfen bequem gemacht. Aufnahmen von Anwohnern zeigen Betten und gebrauchte Spritzen. Coiffeuse Ledesma berichtet, dass erst kürzlich jemand vor der Türe ihres Geschäfts regungslos gelegen habe. Immer wieder findet sie zudem Drogen und Spritzen, die dort hinterlassen wurden. «Ich finds schrecklich.»
Der TV-Sender zeigt im weiteren Verlauf des Beitrags eine Drogenkonsumentin, die sich kaum noch auf den Beinen halten kann und die Passanten anschreit. Um die 110 Wegweisungen soll die Stadtpolizei Zürich mittlerweile pro Woche aussprechen, um die offene Drogenszene zu verhindern.
Die Stadt Zürich verfolgt bei Drogenkonsum und -handel im öffentlichen Raum eine Nulltoleranz-Politik. Die Crack-Krise hat das bislang aber nicht gestoppt. An Brennpunkten wie der Gessnerallee will man verstärkt kontrollieren. Drögeler und Dealer werden verzeigt und erhalten eine Wegweisung.
Szenen wie am Platzspitz
Die aktuellen Szenen erinnern an die offenen Drogenszenen am Platzspitz und am Letten in den 80er und 90er Jahren. Jährlich gab es damals über 400 Drogentote. Der Grossteil davon war noch keine 30 Jahre alt.
Wer dort war, erinnert sich insbesondere an den Gestank. An die Verwahrlosung. An den Dreck. An das Elend. «Überall lagen Nadeln und aufgerissene Fixerutensilien, es war grusig und es war gefährlich», erzählt ein Zeitzeuge Blick.
Am 5. Februar 1992 scheiterte die Schliessung des Platzspitzes, die Süchtigen zogen weiter. An den Letten. Dort wurde alles noch viel schlimmer. Doch am 14. Februar 1995 riegelte die Polizei den stillgelegten Bahnhof mit Stacheldraht ab. Diesmal gelang die Räumung.