Darum gehts
- Künftig soll über die Südfassade des Glattzentrums entlang der Autobahn A1 Solarstrom erzeugt werden
- Das neue Konzept soll die 1970er-Jahre-Waschbeton-Ästhetik schützen
- Die Anlage soll rund 400'000 Kilowattstunden Strom pro Jahr zur direkten Eigennutzung liefern
Wer auf der A1 am Glattzentrum in Wallisellen ZH vorbeibraust, blickt bald auf Hunderte Solarzellen. Auf der Südfassade will die Eigentümerschaft künftig Strom produzieren. Das geht aus einer öffentlichen Bauausschreibung auf der Website der Stadt Wallisellen hervor.
Die Solaranlage wandert jetzt an die Wand, wie der «Tages-Anzeiger» und die Plattform Züriunterland24 zuerst berichteten. Das grosse Flachdach bleibt dabei leer: Die Bausubstanz aus den 1970er-Jahren ist zu schwach und sanierungsbedürftig.
Kompromiss nach gescheitertem Projekt
Ein ähnlicher Anlauf war 2023 gescheitert. Der Plan, tiefschwarze Panels direkt auf den hellen Waschbeton der Parkhaus-Brüstungen zu schrauben, rief den Zürcher Heimatschutz und das Bauamt auf den Plan. Denn das 1975 eröffnete Glattzentrum gilt heute laut «Tages-Anzeiger» als «schützenswerter Zeitzeuge der Schweizer Konsumgeschichte».
Jetzt liegt in Wallisellen ein neuer Kompromiss auf: Statt Betonplatten zu verdecken, montiert man 847 transparente Doppelglasmodule auf Metallrahmen direkt vor die Lüftungsschlitze der Parkdecks. Das ergibt von der Autobahn aus ein sauberes horizontales Band, lässt Licht ins Innere und schont die Siebzigerjahre-Ästhetik.
Rund 400'000 Kilowattstunden Strom pro Jahr soll die Konstruktion liefern. Für die energiehungrige Shopping-Mall ist das nur ein Tropfen auf den heissen Stein – jedes Watt wird direkt vor Ort verbraucht. Ob die Sonnenfänger an der Autobahn wie geplant kommen, entscheidet sich bald: Die Planauflage läuft noch bis zum 11. November.
Swiss Life kaufte Mall von der Migros
Das Glattzentrum gehörte bis vor wenigen Jahren der Migros. Die Detailhändlerin war von Beginn an beteiligt und übernahm das Zentrum später vollständig von den einstigen Partnern Globus und Jelmoli. 2020 zog sich der orange Riese schliesslich zurück, um sich auf das Kerngeschäft zu konzentrieren.
Der geplante Verkauf stiess auf grosses Interesse: «Es kommen verschiedene Anrufe rein, unter anderen haben Unternehmer aus den arabischen Staaten Kaufinteresse angemeldet», sagte Glatt-Chef Rageth Clavadetscher (55) damals zu Blick. Ein Mega-Deal machte schliesslich den Versicherer Swiss Life zum neuen Eigentümer des umsatzstärksten Einkaufszentrums der Schweiz.