Darum gehts
- Seit fast 10 Jahren tobt ein ungewöhnlicher Konflikt in Opfikon ZH
- Im Februar 2024 eskalierte die Situation: Der Buchautor attackierte die IV-Rentnerin
- Gericht verurteilte ihn 2025, 1600 Fr. Entschädigung bleibt jedoch unbezahlt
Seit fast zehn Jahren schwelt im Zürcher Unterland ein ungewöhnlicher Nachbarschaftskonflikt. Strafanzeigen, ein Gerichtsprozess – und sogar der Wegzug einer Partei brachten keinen Frieden.
Die IV-Rentnerin Dina T.* (64) fühlt sich von Nadir K.* (71) bedrängt. K. ist ein tunesischer Akademiker.
«Er ist nicht mehr ganz dicht», sagt Dina T. über ihren Nachbarn zu Blick. Der Rentner sei extrem aufdringlich: «Er schleicht mir seit Jahren nach und macht mir Avancen. Ich will aber nichts von ihm wissen!»
Wie alles begann
Als Dina T. und ihr Mitbewohner Julian B.* 2011 in ihre Mietwohnung einziehen, lebt der Akademiker Nadir K. bereits einen Stock oberhalb. Zunächst sei alles gut gewesen. Doch plötzlich habe Nadir K. ihr gegenüber Annäherungsversuche gestartet, sagt Dina T. Nach dem Auszug seiner Frau sei es extremer geworden. «Er hatte keine Hemmungen. Mir war das unangenehm.» Die Folge: «Ich ging nicht mehr alleine in die Waschküche.»
Die Fronten verhärten sich. Dina T. erzählt von sexuellen Belästigungen durch Nadir K. und von Schikanen durch dessen Familienangehörige, die sich zunehmend auch in den Konflikt eingemischt hätten.
Dina T. fühlt sich in ihrem eigenen Zuhause kaum noch sicher. Eine anonyme Attacke gegen ihren Hund Giorgi (9) verstärkt dieses Gefühl: Laut der 64-Jährigen lagen eines Tages mutmassliche Giftköder vor ihrer Wohnungstür, die Giorgi gesundheitlich stark schadeten. Wer dahintersteckt, weiss sie bis heute nicht.
Eklat vor Briefkasten
Im Februar 2024 eskaliert der jahrelange Konflikt: Nadir K. steht vor dem Hauseingang, als die IV-Rentnerin mit Hund Giorgi rauswill. «Plötzlich schlug er auf den Briefkasten ein, dann verpasste er meinem Hund Tritte in den Bauch», sagt Dina T.
Als sie sich schützend vor ihr Tier stellt, attackiert der Nachbar die IV-Rentnerin: «Er krallte sich mit einer Hand in meine Brust und riss mich zur Seite. Mit seiner anderen Hand, in der er einen Schlüsselbund hielt, schlug er mir mehrmals auf den Kopf.» Dann folgen heftige Worte: «Er spuckte mich an und sagte: ‹Du stinkst wie ein Hund. Niemand will mit einem stinkenden Hund ficken.›»
Mitbewohner Julian B. beobachtet die Szene und alarmiert die Polizei. Dina T. zeigt Nadir K. an. Im Gespräch mit Blick berichtet sie von den gesundheitlichen Folgen des Angriffs: Prellungen am Kopf und eine Halswirbelverstauchung. «Die Schmerzen waren ganz schlimm!», so Dina T.
Gericht verurteilt Akademiker
Der Briefkasten-Zoff landet vor Gericht: Die Staatsanwaltschaft klagt Nadir K. wegen einfacher Körperverletzung, Tätlichkeit und Beleidigung an. Gemäss Unterlagen, die Blick vorliegen, bestreitet der Akademiker bei Polizei und Staatsanwaltschaft alle Vorwürfe. Es steht Aussage gegen Aussage.
Das Bezirksgericht Bülach spricht Nadir K. im Frühling 2025 dennoch schuldig. Allerdings nur für die Tätlichkeiten, weil sich diese mit ärztlichen Dokumenten beweisen lassen: also die Prellungen und die Halswirbelverstauchung.
Die IV-Rentnerin ist unzufrieden mit dem Urteil. Nur: «Ich hatte kein Geld, um in Berufung zu gehen.» Nadir K. wiederum erhebt zwar Einsprache – lässt die Frist für eine schriftliche Begründung aber verstreichen.
Kein Geld, kein Kommentar
Im November 2025 wird das Urteil rechtskräftig. Demnach muss K. seinem Opfer Dina T. 1600 Franken Prozessentschädigung zahlen. Laut der Frau ist aber bis heute kein Geld eingegangen.
Mittlerweile sei sie im Besitz eines Schuldscheins – und der ausstehende Betrag sei wegen der Zinsen weiter angestiegen. «Nadir K. sagt, er habe kein Geld.»
Entschädigung hin oder her: Dina T. geht es schlecht. «Der Konflikt belastet mich sehr – gesundheitlich und finanziell.» Laut eigenen Angaben belaufen sich ihre Gesundheitskosten mittlerweile auf fast 20'000 Franken. Dazu kämen Ausgaben für ihren Anwalt.
Und Nadir K.? Der Erziehungswissenschaftler will sich auf Blick-Anfrage weder zu den Vorwürfen noch zu seiner Sicht äussern.
Hausterror geht weiter
Im Mai dieses Jahres schöpft Dina T. Hoffnung. «Die Hausverwaltung hat meinem Nachbarn die Wohnung gekündigt. Er musste ausziehen.» Der Akademiker wohnt nun ein paar Gemeinden entfernt.
Gebracht habe dies aber wenig, sagt T. «Nadir K. terrorisiert mich weiter.» Ihr Ex-Nachbar komme täglich mit dem Velo am Block vorbei – und halte manchmal sogar an.
Dina T. hat sich schon überlegt, umzuziehen. Bloss: Als IV-Rentnerin sei die Suche nach einer neuen Wohnung schwierig. Dina T. hofft deshalb, dass sie bald das Geld von Nadir K. erhält und er ihre Wohnadresse zukünftig meidet. Immerhin: «Im Innern des Hauses fühle ich mich wieder frei. Jetzt läuft mir endlich niemand mehr in die Waschküche nach.»
* Namen geändert