Darum gehts
- GAV-Verhandlungen für rund 2000 Swissport-Angestellte am Flughafen Zürich sind gescheitert
- Gewerkschaften kritisieren zu tiefe Löhne und fordern bessere Arbeitsbedingungen
- Sie drohen mit Streik im Januar 2027
Die Angestellten des Bodenabfertigers Swissport am Flughafen Zürich sind hässig. Ende Dezember läuft ihr Gesamtarbeitsvertrag (GAV) aus – und die Verhandlungen über einen neuen GAV sind nun offiziell gescheitert. Dies geben die beteiligten Gewerkschaften VPOD, SEV-GATA und der Kaufmännische Verband (kfmv) am heutigen Montag in einer Mitteilung bekannt.
«Swissport war nicht gewillt, ein faires Angebot der Arbeitsbedingungen auszuhandeln», heisst es darin. Nun drohen die Gewerkschaften mit Kampfmassnahmen – bis hin zum Streik. «Die Mitarbeitenden haben die Nase voll von den ungenügenden Lohnangeboten des Arbeitgebers und zeigen sich kampfbereit», schreibt VPOD. Und: «Können sich die Sozialpartner nicht einigen, herrscht ab Januar 2027 ein vertragsloser Zustand.» Damit ende auch die Friedenspflicht.
Heisst: Ab kommendem Januar könnte die Belegschaft auf die Barrikaden gehen und die Arbeit niederlegen. Bereits im Sommer 2022 hatten sich die Swissport-Angestellten nach gescheiterten GAV-Verhandlungen mit einem Streik gewehrt. Rund 200 Mitarbeitende protestierten damals mit Trillerpfeifen und Transparenten am Flughafen Zürich gegen die schlechten Arbeitsbedingungen.
Teuerung frass laut Gewerkschaften Lohnerhöhungen auf
Grund für den jetzigen Streit sind vor allem die Löhne. Die Gewerkschaften forderten über vier Jahre eine Erhöhung um insgesamt 7 Prozent. Swissport habe jedoch für drei Viertel der rund 2000 Beschäftigten lediglich 2,8 Prozent angeboten. Für die übrigen Mitarbeitenden seien höhere Lohnsteigerungen vorgesehen gewesen – allerdings zulasten anderer Funktionen.
Die Gewerkschaften kritisieren, dass die Einstiegslöhne teilweise nur knapp über 4000 Franken liegen. Zudem sei die Teuerung in den vergangenen Jahren nicht vollständig ausgeglichen worden. Die Angestellten hätten dadurch real an Kaufkraft verloren.
Mehr Flexibilität trotz tiefer Löhne
Zusätzlich sorgt die Forderung nach flexibleren Arbeitszeiten für Unmut. Swissport wolle die Jahresarbeitszeit ausdehnen und mehr Schichten mit längeren Arbeitsunterbrüchen einführen. Dabei gehörten unregelmässige Arbeitszeiten, Wochenendschichten und Ruhezeiten von teilweise nur acht Stunden bereits heute zum Alltag.
«Noch mehr Flexibilität bei gleichzeitig sehr tiefen Löhnen ist den Mitarbeitenden nicht mehr zuzumuten», so die Gewerkschaften. Schon bei der letzten GAV-Erneuerung im Herbst 2022 hätten die Angestellten schmerzhafte Zugeständnisse machen müssen. Etwa bei der Abschaffung der Frühpensionierung mit 63 Jahren und einer stärkeren Beteiligung an den Pensionskassenbeiträgen.
«Die Arbeitnehmerverbände sind weiterhin bereit, die Gespräche wieder aufzunehmen» wird in der Mitteilung betont. «Sofern Swissport den Mitarbeitenden ein faires und angemessenes Angebot unterbreitet und bereit ist, die Löhne für alle zeitgemäss zu gestalten.»