Zürcherin (14) gesteht Lüge über sexuellen Missbrauch – Psychiater Frank Urbaniok warnt
«Seit Jahren eine Zunahme von Falschbeschuldigungen»

Nach 599 Tagen Haft gesteht eine Zürcherin, die Missbrauchsvorwürfe gegen ihre Eltern waren gelogen. Psychiater Frank Urbaniok spricht über die Mechanismen hinter Falschbeschuldigungen und appelliert an die Justiz für ergebnisoffene Verfahren.
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Frank Urbaniok (63) warnte schon vor Jahren: Falschbehauptungen nehmen zu.

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Zürcherin gesteht 2026, Eltern 2014 fälschlich des Missbrauchs beschuldigt zu haben
  • Eltern sassen 599 Tage unschuldig in Haft nach falschem Urteil
  • Psychiater Urbaniok: Fehlurteile durch Justizfehler und Opferkultur in sozialen Medien
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Pauline BouillonRedaktorin News Desk

Eine 14-Jährige beschuldigt ihre Mutter und ihren Stiefvater der körperlichen und sexuellen Gewalt. Zwei Gerichte befinden die Eltern für schuldig. Nun gesteht die mittlerweile volljährige Zürcherin: Das war alles gelogen!

Der forensische Psychiater Frank Urbaniok (64) erklärt, wie Falschbeschuldigungen entstehen und weshalb die Justiz ergebnisoffen und differenziert handeln muss. Besonders bei Sexualdelikten beobachtet er seit Jahren eine Zunahme von Falschbeschuldigungen.

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Der Fall der 14-Jährigen aus Zürich ist eine «absolute Ausnahme»!

Ein Mädchen (14) erfindet einen Missbrauch. Zwei Gerichte verurteilen die Mutter und den Stiefvater. Erst nach 599 Tagen Haft gesteht die Zürcherin ihre Lüge. Diesen Fall hat kürzlich der «Tages-Anzeiger» aufgedeckt.

Ein solches Geständnis sei eine «absolute Ausnahme», sagt Urbaniok im Gespräch mit Blick. «Das absolut Häufigste ist, dass es gar nicht aufgedeckt wird», sagt der Experte über Falschbeschuldigungen. Laut Urbaniok gestehen viele nicht, weil sie subjektiv von ihrer Darstellung überzeugt sind.

Bei Falschbeschuldigungen fühlen sich die Beschuldiger häufig im Recht. Man müsse «zwischen gezielten Lügen, gefühlten Wahrheiten und False Memories unterscheiden», betont Urbaniok. Besonders bei den letzten beiden seien Jugendliche häufig vertreten.

Dass das Mädchen seine eigenen Eltern belastet, sei typisch: «Besonders bei Kindern und Jugendlichen sind es häufig die Eltern, Stiefeltern, Verwandte oder Bekannte», erklärt der Psychiater.

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Warum wird den falschen Opfern geglaubt?

Urbaniok erinnert sich an die Zeit, in der Opfern nicht geglaubt wurde: «Das war fürchterlich.» Aufgrund von Sensibilisierung habe sich das inzwischen geändert. Urbaniok warnt aber zugleich: «Jetzt kommen die Dogmatiker und Trittbrettfahrer, die es überdrehen.»

Und weiter: «Die Falschbeschuldigten sind ungeliebte Opfer. Sie passen nicht in den Zeitgeist und ins gängige Narrativ.» Man müsse sich nicht für eine Opferseite entscheiden, sagt der Experte. «Es geht immer um Differenzierung. Es ist kein Entweder-oder, sondern ein Sowohl-als-auch.»

Fälschlicherweise werde behauptet, es gebe die Falschbeschuldigungen kaum bis gar nicht, dabei nehmen sie tatsächlich zu. «In der Praxis sorgt das dafür, dass eine Schieflage entsteht. Das Bewusstsein, dass dem nicht so ist, fehlt zum Teil in der Öffentlichkeit, den Medien und der Justiz.» Daher appelliert Urbaniok für mehr Bewusstsein über das Ausmass von Falschbeschuldigungen.

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Wie kommt es zu Fehlverurteilungen?

Als möglichen Einfluss nennt Urbaniok die Opferkultur in sozialen Medien und die gesellschaftliche Stimmung. «Sie sind Trigger, die die Opferkultur promoten.»

Neben der anfänglichen Beschuldigung spielen auch die Justiz und die Behörden eine entscheidende Rolle. «Die Justiz tut sich oft schwer damit, Fehler einzugestehen», bemängelt Urbaniok. «Das ist eine Haltung, die Korrektur von Fehlern erschwert bis unmöglich macht.» Das könne bis hin zu einem «Justizskandal» reichen.

«Manche Staatsanwälte wollen sich bei solchen Anschuldigungen nicht dem Shitstorm aussetzen und bringen den Fall lieber zur Anklage», führt Urbaniok aus. Er betont aber: «Es gibt die Polizisten und Staatsanwälte, die es richtig machen und ergebnisoffen arbeiten.»

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Fazit

Fehlurteile seien katastrophal, sowohl für die Justiz als auch für die Gesellschaft, sagt der Experte. «Fehlurteile können sein: Eine Tat wird nicht geahndet und Menschen werden verurteilt, die unschuldig sind.» Man müsse beides verhindern. «Wenn man gut, richtig, sorgfältig und ergebnisoffen arbeitet, reduziert man beide Fehler.»

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