Darum gehts
- Ein Wolf riss vermutlich ein Rind auf der Talalp in Lungern OW
- DNA-Analyse soll Verursacher bestätigen
- Bis zu zwei Drittel der Jungtiere könnten laut Jagdgesetz aus Rudel entnommen werden
Am Freitag ging die Meldung über ein totes Rind auf der Talalp im Klein Melchtal in Lungern OW beim gebietszuständigen Wildhüter ein. Die Wildhut begab sich umgehend zusammen mit dem Älpler vor Ort, um den Riss zu begutachten und mögliche Hinweise auf die Beteiligung eines Grossraubtiers zu prüfen. «Aufgrund der vorgefundenen Spuren und des Rissbildes geht die Wildhut mit hoher Wahrscheinlichkeit von einem Wolf als Verursacher aus», schreibt der Kanton am Dienstag in einer Medienmitteilung. Die Wildhut hat DNA-Proben entnommen, die nun untersucht werden.
Die Alp Talalp befinde sich im Territorium des Wolfsrudels Klein Melchtal. Ein Zusammenhang zwischen dem Riss und diesem Rudel könne derzeit nicht ausgeschlossen werden. Die Voraussetzungen für die unmittelbare Anordnung eines Abschusses des schadenstiftenden Tieres sind aus diesem Grund gemäss den geltenden Bestimmungen des eidgenössischen Jagdgesetzes nicht gegeben.
Geht es Jungtieren an den Kragen?
Das Reissen von Rindern gilt als unerwünschtes Verhalten. Zeigt ein Rudel wiederholt ein solches Verhalten, können die Kantone unter den gesetzlichen Voraussetzungen und nach vorheriger Zustimmung des Bundesamts für Umwelt (Bafu) die Wölfe aus dem betreffenden Rudel regulieren.
Weiter können gemäss dem eidgenössischen Jagdgesetz bis zu zwei Drittel der Jungtiere des Rudels entnommen werden. Für das Wolfsrudel im Klein Melchtal liegt nach Angaben des Kantons derzeit noch kein Nachweis von Jungtieren des laufenden Jahres vor. Man beobachtet die Situation weiterhin sehr aufmerksam. Sobald der Nachweis von mindestens zwei Jungtieren erbracht werden kann, kann beim Bafu ein entsprechender Eingriff zur Regulierung des Rudels beantragt werden.