Darum gehts
- Am Titlis stürzte am 18. März eine Gondel ab, eine Frau starb
- Betreiber ignorierte 2022 empfohlene Nachrüstung
- Hersteller informierte Kunden, keine behördliche Weisung erfolgt
Nach dem tragischen Gondelunfall am Titlis gerät die Leitung der Titlis Bergbahnen unter Druck. Wie nun bekanntwird, hat der Betreiber eine empfohlene Nachrüstung an der Gondelbahn ausgeschlagen – obwohl der Hersteller Garaventa bereits nach einem ähnlichen Zwischenfall im Jahr 2019 auf ein mögliches Sicherheitsrisiko hingewiesen hatte. So berichtet es der «Tages-Anzeiger».
Beim Unfall am Mittwoch war eine 61-jährige Frau ums Leben gekommen, nachdem sich eine Gondel der Bahn «Titlis Xpress» zwischen Trübsee und Stand vom Seil gelöst hatte und in die Tiefe gestürzt war. Untersuchungen der Staatsanwaltschaft und der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) laufen.
«Keine zwingende sicherheitsrelevante Aufforderung»
Garaventa hatte nach einem fast identischen Vorfall bei der Rotenfluebahn auf dem Mythen im Kanton Schwyz eine technische Anpassung empfohlen, wie «Inside Paradeplatz» berichtet. Damals hatte der Wind eine Gondel so stark seitlich ausschwenken lassen, dass sie an einem Mast hängenblieb und vom Seil gerissen wurde. Der Hersteller informierte laut Titlis-CEO Norbert Patt 2022 alle Kunden über eine mögliche Nachrüstung der betroffenen Kuppelklemme vom Typ DT 108.
Doch die Titlis Bergbahnen verzichteten auf eine Umsetzung. «Es war keine zwingende sicherheitsrelevante Aufforderung zur Nachrüstung», sagte Patt. Deshalb habe man «kein Angebot für eine Umrüstung eingeholt». Zudem habe im Schreiben kein direkter Hinweis auf den Unfall von 2019 gestanden, sodass der Zusammenhang nicht erkannt worden sei.
Ob ein direkter Zusammenhang zwischen den beiden Unfällen besteht, ist derzeit unklar. Patt betont, die Sicherheit habe «oberste Priorität». Eine Nachrüstung wäre nur erfolgt, wenn Behörden sie angeordnet hätten. Doch eine solche Weisung blieb nach dem Mythen-Unfall aus.