«Wir fahren nicht schnell, aber wir kommen überall hin»
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Traktorcowboy Martin Jakober:«Wir fahren nicht schnell, aber wir kommen überall hin»

Mit 25 km/h von Chicago nach Kalifornien
Sechs Schweizer Traktor-Cowboys wollen die Route 66 befahren

Sechs Schweizer Männer wagen ein ungewöhnliches Abenteuer: mit Traktoren auf der Route 66. Die 4000 Kilometer lange Reise durch die USA soll nicht nur ein persönliches Erlebnis sein, sondern auch Spenden für Kinder mit Behinderungen generieren.
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Drei Traktor-Cowboys beim Interview mit Blick, von links nach rechts: Sepp Huber (66) Martin Jakober (40) und Jost Amrhyn (48).
Foto: Florin Schranz

Darum gehts

  • Schweizer Gruppe plant Route-66-Reise mit Traktoren als Symbol für Freiheit
  • Sechs Männer aus verschiedenen Kantonen bilden die selbsternannten Traktor-Cowboys
  • Die 4000-Kilometer-Reise soll einen Monat dauern und 200'000 Franken kosten
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Florin SchranzRedaktor News

Die Route 66 ist mehr als eine Strasse. Sie verbindet Chicago mit Kalifornien, aber auch die Vergangenheit mit der Gegenwart. Früher war sie Versorgungsweg in den «Wilden Westen» der USA, heute ist sie ein touristisches Reiseziel.

Entlang ihrer Kurven stehen verlassene Tankstellen, alte Diners, verblasste Werbetafeln. Aus der Schweiz machen sich nun sechs Männer auf, um die Strasse mit historischen Traktoren zu befahren. 

Sie heissen Martin Jakober (40), Beat Ellenberger (60), Jost Amrhyn (48), Christian Ramseier (54), Sepp Huber (66) und Oswald Tschümperlin (61). Die sechs nennen sich Traktor-Cowboys. Zusammen planen die Kollegen aus verschiedenen Kantonen, die legendären 4000 Kilometer von Chicago bis Kalifornien mit fünf alten Traktoren zu fahren. Mit 25 km/h, teils ohne Dach – und ohne Klimaanlage.

Der Cowboy aus Stalden OW

Eine treibende Kraft ist Martin Jakober aus Stalden OW. Er ist gross, hat einen festen Händedruck, trägt gerne Cowboystiefel und Jeansjacke – fast wie ein waschechter Cowboy. Zusammen mit Ellenberger ist er der Vater der Idee. Die beiden verbindet die Liebe zu Nordamerika und zu Traktoren.

Jakober ist auf einem Bauernhof in Stalden aufgewachsen. Er ist gelernter Landmaschinenmechaniker und Landwirt – und importiert Traktoren aus den USA und Kanada in die Schweiz.

«Jetzt machen wir das – aber richtig!»

«Ich trage die Idee schon lange mit mir herum», sagt Jakober. «Aber erst, als ein Kollege davon sprach, die Route 66 zu befahren, wurde mir klar: Jetzt machen wir das, aber richtig.»

Richtig, das heisst: Martin Jakober, seine Kollegen und Familie setzten sich hin und entwickelten einen Plan. Bereits haben sie ein detailliertes Dossier zusammengestellt. Das Budget beläuft sich auf 200'000 Franken.

Geplant sind Sponsoring-Pakete und eine genaue Route. Ebenfalls gibt es bereits ein kleines Drehbuch für einen Dokumentarfilmer, der die Traktor-Cowboys begleiten will. «Wir lassen uns aber noch offen, wen wir mitnehmen.»

Das Drehbuch zeigt die Vision der Reise: Abends in Bars gehen, Steaks essen, mit Einheimischen reden. Auch auf Social Media soll die Fahrt dokumentiert werden. «Es wird nicht langweilig werden», ist Jakober überzeugt.

«Aufgeben ist keine Option»

Speziell: Die fünf Männer kennen sich nicht alle gut. Zum Teil haben sie sich erst während der Vorbereitungen kennengelernt. Eine wild zusammengewürfelte Truppe also. Angst, sich nicht zu verstehen, haben die Männer aber keine.

Die Gruppe hat nun eine Website gestaltet und sucht nach Sponsoren. Die Männer wollen einen Verein gründen und vier der fünf Traktoren in den USA kaufen. Der fünfte soll von der Schweiz in die USA verschifft werden – da Sepp Huber noch etwas an ihm basteln will.

«Wir sind Mechaniker, wir können vieles selber machen», sagt Jost Amrhyn (48). «Wenn etwas kaputtgeht, wird es schwierig mit Ersatzteilen, aber Aufgeben ist keine Option.»

Fahren, pflanzen, spenden

Der Plan endet nicht auf der Strasse. Nach der Reise wollen die Männer die Traktoren in der Schweiz versteigern und das Geld einer Stiftung spenden, die Kinder mit Behinderung in der Landwirtschaft unterstützt.

Auch an die Umwelt denken sie: Jakober will für jeden gefahrenen Kilometer in der Schweiz einen Baum pflanzen. Im Dossier hat er eine Emissionsrechnung erstellt: Die Tour dürfte demzufolge rund 12,7 Tonnen CO2 verursachen, das langfristig kompensiert werden soll.

Die Fahrt ist für September 2026 geplant und soll einen Monat dauern. Bis dahin wollen die fünf Traktorfahrer nicht nur ihre Fahrzeuge und die Route vorbereiten, sondern auch die Begleitung organisieren. Geplant ist, dass eine Unterstützungsgruppe mitreist: Mechaniker, Freunde und Familie.

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