Darum gehts
- Tödlicher Unfall bei Escholzmatt LU: Tobias T. (†33) stirbt am Samstagmorgen
- Unfallverursacher (20) verlor Kontrolle nach Überholmanöver, Ermittlungen laufen
- Hornschlittenclub trauert: Verstorbenes Mitglied war zweifacher Vater und Maurer
Es ist ein Riesenknall, der am Samstagmorgen etwas ausserhalb von Escholzmatt LU die Anwohner an ihre Fenster lockt. Der Anblick auf der Hauptstrasse ist ein Schock: Zwei dunkle Autos sind frontal ineinander gekracht. Später steht fest: Ein Mann ist verstorben. Dieser sass im korrekt fahrenden Auto.
Jetzt zeigen Recherchen von Blick: Beim Verstorbenen handelt es sich um Tobias T.* (†33). Der zweifache Familienvater war über die Region hinaus bekannt. «Er war ein junger, begeisterter Hornschlittler», trauert Michael Felder (39), Präsident des Hornschlittenclubs Klusen, im Gespräch mit Blick. «Er und sein Kollege, der auch immer auf dem Schlitten sass, feierten viele Erfolge.» Und man habe diese auch gefeiert. Er weiss: Das Feiern «wird wahrscheinlich nie mehr so sein, wie es einmal war».
Der Klubpräsident fuhr nur wenige Minuten hinter dem Auto, in dem Tobias T. mit drei Klubkameraden sass. «Wir wollten eigentlich miteinander ans letzte Hornschlittenrennen dieser Saison nach Grindelwald BE», sagt Felder.
Was der Klubpräsident da nicht weiss: Beinahe gleichzeitig fährt am Samstag um 7.15 Uhr ein Autofahrer von Escholzmatt in Richtung Schüpfheim LU. Beim Weiler Lehn verliert er laut Luzerner Polizei «nach einem Überholmanöver die Herrschaft über sein Fahrzeug», gerät ins Schlingern und kollidiert «mit einem korrekt entgegenkommenden Auto».
Im korrekt fahrenden Auto sass Tobias T. mit seinen Klubfreunden. «Wir sind dann mit anderen Kollegen an die Unfallstelle herangefahren», sagt Michael Felder. «Mit Schrecken» hätten sie dann feststellen müssen, dass ihre Klubkameraden in einen Unfall verwickelt waren. Felder: «Es war kein schöner Anblick, dies anzuschauen und mitzuerleben.» Es seien bereits einige Personen da gewesen und hätten erste Hilfe geleistet. «Sie haben das sehr gut gemacht und sehr gut zu unseren Leuten geschaut.»
«Keine Kollegen mehr in Lebensgefahr»
Felder und seine Kollegen können auch mit den verletzten Kumpels reden: «Sie waren ansprechbar. Wir halfen, für sie zu schauen, bis die Einsatzkräfte eintrafen.» Der Fahrer sei eingeklemmt gewesen. «Die anderen waren draussen und in Seitenlage.» Doch für Tobias T. kommt jede Hilfe zu spät. Einziger Trost für Felder: «Soweit ich weiss, ist niemand von unseren Kollegen mehr in Lebensgefahr.»
Der Mann, der überholte, wurde beim Aufprall ebenfalls schwer verletzt. Auf Nachfrage von Blick bei der Luzerner Polizei heisst es, der Lenker sei 20 Jahre alt und Schweizer. Weitere Fragen werden derzeit nicht beantwortet – die Untersuchung läuft.
«Unser Kollege kommt nicht mehr zurück»
Sicher ist: «Unser Kollege kommt nicht mehr zurück», sagt Klubpräsident Felder. Klar würden Wut und Fragen aufkommen. Etwa: «Wieso hat der Unfallfahrer das gemacht?» Es sei hart, das Ganze zu akzeptieren.
Mit der Ehefrau des Verstorbenen sei man in engem Kontakt, sagt Felder. «Wir kennen uns privat gut und schauen alle so gut es geht zu ihr und ihren Kindern.» Ihren Angehörigen wünsche er viel Kraft. «Es ist ein sehr aussergewöhnlicher Fall, der das ganze Entlebuch bewegt. Vor allem auch die Menschen und Feuerwehrleute, die vor Ort waren.» Es sei sehr wichtig, dass man in so einem Moment niemand allein lasse und einander helfe.
Auch Gemeindepräsident «tief» betroffen
Auch Hanspeter Staub (44), Gemeindepräsident von Schüpfheim, kannte den verstorbenen Bürger: «Immer, wenn ich mit ihm zu tun hatte, war er fröhlich und gut gelaunt.» Es herrsche tiefe Betroffenheit, dass das Schicksal so zugeschlagen habe. «Ich wünsche den Angehörigen viel Kraft in dieser schwierigen Situation, viel Geduld und ein grosses Beileid.»
Der Hornschlittenclub Klusen wird dieses Jahr 30 Jahre alt. «Vor wenigen Wochen hatten wir noch beschlossen, dass wir das Jubiläum feiern werden», sagt Präsident Michael Felder. Ob man dies nun tun werde, wisse man noch nicht. «Wir müssen das Ganze zuerst versuchen zu akzeptieren.»
* Name geändert