Darum gehts
Während manche Teenies noch für die Schule büffeln und abends feiern gehen, schieben ihre Freunde bereits einen Kinderwagen vor sich her. Gleichzeitig gibt es vermehrt Paare, die bereits ein halbes Leben hinter sich haben, bevor sie Eltern werden. Shalyna (20) und Fabio (20) Fortino wurden mit 17 zum ersten Mal Eltern. Zwei Jahre später folgte das zweite Kind. Die junge Mama hat bis heute keine Lehre gemacht. Sie sagt zu Blick: «Ich bin gerne bei den Kindern.» Das Paar findet: «Wir haben alles richtig gemacht!»
Dass sich Shalyna bewusst für die Mami-Rolle entschieden hat, feiert Sefika Garibovic (66). Sie ist Expertin für Nacherziehung von schwierigen Jugendlichen, hat eine eigene Praxis in Zug und ist Buchautorin. Die Expertin sagt zu Blick: «Vieles im Leben kann man verschieben – das Muttersein aber nur begrenzt.» Sowohl Jüngere als auch Ältere hätten ihre eigenen Vorteile und Herausforderungen.
Trend zu älteren Eltern
In einem Land wie der Schweiz – wo man sich beruflich bis spät ins Alter noch weiterentwickeln könne – sei es nie zu spät für die Karriere, so die Expertin. Sie selbst ist mit 20 Jahren Mutter geworden und hat ihre Tochter allein grossgezogen. Sie kann sich gut in Shalyna und Fabio Fortino hineinversetzen. «Hut ab vor ihrer Haltung! Und sowieso: Es gibt nie das perfekte Alter für ein Kind.»
In der Schweiz bringen jährlich nur noch rund 200 Teenager (Frauen unter 20 Jahren) ein Kind zur Welt. Der Trend geht in die Gegenrichtung, viele schieben das Elternsein hinaus: So steigt der Anteil der Mütter, die erst ab 35 oder auch 40 zum ersten Mal Mami werden. So waren im Jahr 2024 die Mütter in der Schweiz bei der Geburt ihres ersten Kindes im Schnitt 31,3 Jahre alt.
Nacherziehungsexpertin Garibovic sieht für ganz junge und ganz alte Eltern Vor- und Nachteile. Sie hält aber zugleich fest: «Man kann nicht pauschalisieren, welche Eltern bessere Bedingungen für ein Kind schaffen.»
Die Vorteile der jungen Eltern
Beispielsweise erlebe sie es in der Praxis, dass junge Eltern viel entspannter mit einem Kind umgehen. «Sie wirken viel lebendiger und enthusiastischer in der Beziehung zum Kind und sind – auch aus biologischer Sicht – körperlich belastbarer und aktiver.»
Auch seien die jungen Eltern und ihre Kinder «kulturell» näher beieinander, was das gegenseitige Verständnis fördere. Garibovic warnt aber: «Man sollte trotzdem nicht der Kumpel des eigenen Kindes sein!» Manchmal passiere es, dass die Eltern-Kind-Beziehung schwammig werde. Nur: «Kinder brauchen Führung. Jemanden, der etwa Normen und Werte vermittelt. Jemanden, der auch Grenzen setzt, Verantwortung übernimmt und Sicherheit schenkt.»
Bei jungen Eltern sei es auch so, dass oftmals auch die Grosseltern des Kindes noch anwesend und fit sind, so Garibovic. «Sie können die jungen Eltern dann nicht nur unterstützen, sondern dem Kind auch Vorbildfunktionen bieten. Das Kind hat also per se mehr Personen, von denen es Dinge lernen oder auch ablehnen kann.»
Die Stärken der älteren Mamis und Papis
Auch bei älteren Eltern sieht die Expertin Vorteile: «Sie suchen nicht mehr nach ihrer Identität, sind im Leben angekommen, haben Karriere gemacht und verdienen gut. Sie punkten mit finanzieller Sicherheit, ihrer Lebenserfahrung und ihrer emotionalen Reife.»
In der Praxis erlebe sie es aber oft, dass ältere Eltern und ihre Kinder eine sogenannt «symbiotische Beziehung» aufbauen. «Das kann sehr toxisch sein!», so die Expertin. «Diese Eltern lassen dem Kind kaum Autonomie, kontrollieren es und betrachten es mehr als Projekt, das ihnen nicht entgleiten darf.» Meist führe das spätestens in der Pubertät zu Eskalationen: «Die Kinder wenden sich schneller von den Eltern ab – auch weil die beiden Generationen so unterschiedlich sind.»
Ein weiterer möglicher Minuspunkt bei älteren Eltern: die Belastbarkeit. «Viele sind weniger aktiv, vielleicht auch gesundheitlich angeschlagen.»
Generell ermutigt Garibovic aber Jung und Alt zur Elternschaft: «Nicht das Alter ist entscheidend, sondern die Qualität der Eltern-Kind-Beziehung.»