Kurz vor Saisonstart
Franzosen wollen Schweizer Skigebiet den Stecker ziehen

Im Skigebiet La Dôle steht der Saisonstart auf wackligen Beinen. Der französische Betreiber Sogestar verlangt plötzlich neue Mietkonditionen. Finanziell steht das Unternehmen mit dem Rücken zur Wand. Und droht jetzt gar damit, die Bahnen nicht laufen zu lassen.
Kommentieren
1/6
Das Skigebiet La Dôle im Waadtland wird von Franzosen betrieben.
Foto: PD

Darum gehts

  • Streit im Skigebiet La Dôle: Wintersaison 2026/27 in Gefahr
  • Französischer Betreiber Sogestar verlangt Mietzinssenkung, droht mit Schliessung
  • 500'000 Franken jährliche Miete; Betrieb von schneearmen Wintern finanziell belastet
Patrik_Berger_Redaktor Wirtschaft Desk_Ringier Blick_1-Bearbeitet.jpg
Patrik BergerRedaktor Wirtschaft

Das Skigebiet La Dôle liegt auf der Jurakette, hoch ob Nyon VD. Vom Gipfel auf 1677 Metern über Meer hat man beste Sicht auf den Genfersee. Die Tageskarte für Erwachsene kostet 40 Euro. Vier Sessellifte und zwölf Skilifte bringen die Wintersportler in die Höhe. Auf fast 30 Kilometern Piste rauschen sie wieder in die Tiefe. Das tönt so kurz vor der Saison verlockend – doch die Idylle ist in Gefahr.

Denn im Skigebiet, das je zur Hälfte in Frankreich und in der Schweiz liegt, ist ein wüster Streit ausgebrochen. Betrieben wird das Skigebiet von der französischen Firma Sogestar aus Les Rousses (F). Der Betreiber steckt in finanziellen Schwierigkeiten und stellt den Schweizern ein Ultimatum. Kurz: Auf der Schweizer Seite am La Dôle droht die gesamte Wintersaison 2026/27 auszufallen.

Die Franzosen bezahlen pro Saison 500'000 Franken Miete an Télé-Dôle mit Sitz in Nyon. Doch das ist ihnen zu viel. Sie wollen den Vertrag von 2016 neu aushandeln. Und weniger Miete bezahlen. Und sie drohen offen: «La Dôle wird diesen Winter nur öffnen, wenn wir eine Einigung mit den Schweizern finden», sagt Sogestar-Präsident Christophe Mathez gegenüber der französischen Zeitung «Le Progrès».

Betreibern geht das Geld aus

Das Problem: Nach zwei schneearmen Wintern droht den französischen Betreibern das Geld auszugehen. Sie haben in Frankreich ein gerichtliches Sanierungsverfahren eingeleitet. Laut Mathez können sie die Miete derzeit nicht mehr stemmen. Das Geld, das sie durch einen Zahlungsaufschub sparen würden, brauchen sie nach eigenen Angaben, um überhaupt in die Wintersaison starten zu können.

Grösster Knackpunkt der heutigen Regelung: Die Zahlungen sind fix – unabhängig davon, wie viele Gäste kommen oder wie gut die Schneeverhältnisse sind. Das wollen die Franzosen jetzt kurz vor dem Saisonstart ändern. Denn die Zeit drängt. Skipässe werden bereits verkauft.

Erstaunlich: Auf Schweizer Seite bleibt man gelassen. «Ich glaube nicht, dass die Öffnung der Pisten gefährdet ist», sagt Télé-Dôle-Vizepräsident Olivier Riesen gegenüber der Waadtländer Zeitung «La Côte». In diesen Tagen laufen letzte Verhandlungen.

Zoff mit Landbesitzern im Toggenburg

Schweizweit haben viele Skigebiete mit finanziellen Problemen zu kämpfen. Seit der Jahrtausendwende ist jedes sechste Skigebiet verschwunden. Auch in der Neuzeit kommt es immer wieder zu heftigen Streitigkeiten rund um den Schweizer Nationalsport – nicht immer gehts aber nur ums Geld.

Etwa in Ebnat-Kappel SG beim Skilift Tanzboden. Dort lagen sich Skilift-Betreiber und Landeigentümer in den Haaren. Grund war eine Vereinbarung aus dem Jahr 2011, nach der Pistenfahrzeuge erst bei einer Schneehöhe von mindestens 40 Zentimetern fahren durften. Diese Saison fährt der Lift nicht mehr.

Auch in Braunwald GL wird seit Wochen wegen des Skigebiets gestritten. Die Sportbahnen stellen den Skibetrieb auf diesen Winter hin ein. Das passt vielen Einheimischen nicht, sie machen sich Sorgen um den Tourismus, das Gewerbe und die Skischulen. Und wollen den Sportbahnen die Anlagen abkaufen. Nach langem Hin und Her laufen nun die ersten Gespräche. Beim Preis liegen die Parteien aber noch weit auseinander. Für einen Skibetrieb in dieser Saison reicht es aber nicht mehr.

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen