Darum gehts
- Pfarrerin in der Romandie wegen Missbrauchsvorwürfen suspendiert
- Betroffene Ex-Freundin erstattete 2025 Anzeige, strafrechtliche Ermittlungen laufen
- Drei weitere Frauen melden ähnliche Erfahrungen, eine davon vor 15 Jahren
Die reformierte Kirche in der Romandie sieht sich mit schweren Missbrauchsvorwürfen konfrontiert. Zwei Landeskirchen haben im April 2026 eine Pfarrerin suspendiert und ihr jede pastorale Tätigkeit untersagt, berichtet der «Tages-Anzeiger».
Der Grund: Eine Ex-Partnerin der Pfarrerin beschuldigt die Geistliche des Missbrauchs. Zudem läuft eine strafrechtliche Untersuchung wegen Verdachts auf Nötigung, finanzieller Vorteilnahme und Ehrverletzung. Die Pfarrerin weist alle Vorwürfe zurück und bezeichnet sich als Opfer einer rachsüchtigen Ex-Geliebten.
Opfer fühlte sich manipuliert
Die frühere Partnerin erklärt gegenüber dem «Tages-Anzeiger», dass sie die Geistliche 2022 über eine Internetrecherche gefunden hatte. Damals kämpfte sie mit einer Lebenskrise. Die Pfarrerin soll neben ihrer Tätigkeit in der Kirche auch Paartherapien und Sexualberatung angeboten haben. Dies mündete irgendwann in einer emotionalen Abhängigkeit und einer On-off-Beziehung, schildert die Betroffene. Zuvor hatte sie hohe Beträge für die regelmässigen Sitzungen verlangt.
Die Ex-Freundin erhebt zudem den Vorwurf, die Pfarrerin habe 2024 eine Verleumdungskampagne gegen sie gestartet. Schliesslich erstattete sie im Oktober 2025 mit Unterstützung der Organisation Groupe Sapec Anzeige. Die Ermittlungen laufen. Es hätten sich weitere Betroffene gemeldet, schreibt der «Tages-Anzeiger». Drei Frauen berichteten von ähnlichen Erfahrungen mit der Pfarrerin – eine davon machte diese demnach bereits vor 15 Jahren.
Die reformierte Kirche prüft die Vorwürfe in einer eigenen Untersuchung. Es gilt die Unschuldsvermutung.