Andrea L. (54) streitet trotz Xhaka-Geständnis alles ab – Anwalt ordnet ein
Welchen Sinn macht die bizarre Verteidigung der Impf-Ärztin?

Granit Xhaka gesteht, sein Impfzertifikat sei gekauft. Seine Ärztin Andrea L. widerspricht: Sie habe ihn korrekt geimpft. Strafrechtsexperte André Kuhn erklärt, was hinter dem Verwirrspiel stecken könnte. Und was der Ärztin im schlimmsten Fall droht.
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Granit Xhaka soll sein Impfzertifikat gekauft haben.
Foto: IMAGO/Alfie Cosgrove/News Images

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Granit Xhaka gesteht gefälschtes Covid-Zertifikat, Ärztin widerspricht jedoch
  • Strafrechtsexperte nennt widersprüchliche Aussagen in solchen Fällen ungewöhnlich
  • Ärztin drohen Geldstrafe, Haft oder Zulassungsverlust bei Verurteilung

Es ist eine komplett irre Situation: Nati-Captain Granit Xhaka (33) gesteht kürzlich, dass sein Covid-Zertifikat eine Fälschung ist. Er sei nicht gegen das Virus geimpft worden, habe das Impfzertifikat gekauft. Der Skandal ist riesig. 

Kurz danach aber die Wende. Xhakas Ärztin Andrea L.* (54) erklärt gegenüber Blick: «Ich habe meinen Patienten korrekt geimpft.» Das Zertifikat sei demnach echt. Nun fragt sich alle Welt: Wer sagt die Wahrheit?

Welchen Grund hätte der Fussballer, etwas zu gestehen, das gar nicht stimmt? Oder lügt die Ärztin, um sich und Xhaka zu schützen?

Ungewöhnliche Situation

Für Strafrechtsexperte André Kuhn ist die Sache nebulös. «Die Situation ist ungewöhnlich, kommt in dieser Konstellation selten vor», sagt er zu Blick. 

Dass ein Mitbeschuldigter, hier ist es Xhaka, die Tat einräumt oder ein Geständnis ablegt, während die andere beteiligte Person, also die Ärztin, die strafbaren Handlungen komplett abstreite, sei ungewöhnlich.

Für die widersprüchliche Aussage der Ärztin könne es mehrere Gründe geben, so Kuhn. «Es ist denkbar, dass sie tatsächlich der Meinung ist, sich nicht strafbar gemacht zu haben. Es könnte aber auch eine gezielte Verteidigungsstrategie sein.»

Vielleicht stütze sich Andrea L. auf ihre Unterlagen oder spekuliere darauf, dass die bisherigen Dokumente für sich alleine noch keine schlüssigen Beweise darstellen würden. «Ob das Ganze durchdacht ist, lässt sich aber nur schwer beurteilen, da ich die genaue Aktenlage nicht kenne», so Kuhn. Auf alle Fälle werden die Ermittlungen aber nicht nur auf Aussagen von Xhaka und seiner Ärztin aufbauen.

Lügen lohnt sich (nicht)

Sollten die Ermittlungen ergeben, dass die Ärztin doch gelogen hat, so wäre das für sie überraschenderweise kein allzu grosser Nachteil. Kuhn sagt: «Als Beschuldigte darf man grundsätzlich lügen – solange man nicht bewusst eine andere Person falsch beschuldigt. Wenn sie zu ihren eigenen Gunsten lügt, ist das straflos.»

Nichts zu sagen oder seine Aussage während eines Verfahrens zu ändern, sei strafrechtlich neutral. «Ein frühes Geständnis hingegen kann sich strafmildernd auswirken und einen Strafrabatt bringen – muss es aber nicht», so der Strafrechtsexperte.

Was nach einem Freipass klingt, ist es in grossen Teilen auch. «Das ist auch der Grund, weshalb viele Beschuldigte am Anfang alles abstreiten und zuerst schauen, was die Behörden überhaupt herausfinden», sagt Kuhn.

Doch ganz so einfach ist es dann doch nicht. «Ich würde niemandem zum Lügen raten. Lügen wird zwar nicht direkt bestraft, beschädigt aber massiv die eigene Glaubwürdigkeit – was sich auch negativ auf allfällige weitere Strafdossiers auswirken kann. Besser ist in so einer Situation, einfach zu schweigen», so Kuhn. Zudem verspiele man sich damit die Chance auf eine Strafmilderung, die ein frühes Geständnis gebracht hätte.

Was droht der Ärztin?

Vorerst dürfte die Affäre für die Ärztin keine grossen Auswirkungen haben. Eine Schliessung der Praxis ist unwahrscheinlich. «Die Gesundheitsbehörden können eine Praxis schon während eines laufenden Verfahrens schliessen lassen. Die Hürden dafür sind aber extrem hoch», erklärt der Experte. Eine Schliessung vor einer Verurteilung komme nur infrage, wenn die Patientensicherheit konkret gefährdet sei. Und das komme nur in absoluten Ausnahmefällen vor.

Die Affäre Xhaka könnte für Andrea L. aber dennoch zum Karrierekiller werden. «Strafrechtlich stehen Urkundenfälschung und Betrug im Raum. Beispielsweise, wenn die Ärztin Geld für Impfungen kassiert hat, die es nie gab. Das kann von einer bedingten Geldstrafe bis zu mehreren Jahren Freiheitsstrafe führen», sagt Kuhn.

Daneben drohen ihr im Falle einer Verurteilung berufsrechtliche Konsequenzen durch die Gesundheitsbehörden. «Im Extremfall kann sie ihre Zulassung als Ärztin verlieren», so der Strafrechtsexperte.

Granit Xhaka soll derweil im Oktober zu der Affäre verhört werden. 

* Name bekannt

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