Darum gehts
- Christliche Privatschule in Kaltbrunn SG unter Missbrauchs- und Gewaltvorwürfen seit 1995
- Ehemalige Schülerin berichtet über Vergewaltigung, Täter jedoch offiziell erst 1998 angestellt
- Ermittlungen 2026 wegen Verjährung eingestellt, widersprüchliche Erkenntnisse entlasten Verdächtigen
Gewalt und Missbrauch im Namen der Gottesfürchtigkeit. Die Vorwürfe gegen die christliche Privatschule Domino Servite auf dem Hof Oberkirch in Kaltbrunn SG wiegen schwer. Gegründet hatte sie der ehemalige Chocolatier Jürg Läderach mit einem Prediger einer südafrikanischen Sekte.
Einige der schwersten Vorwürfe gegen die Privatschule drehen sich um Kelly G.* (42). Sie kam 1995 im Alter von elf Jahren auf den Hof Oberkirch und besuchte ihn drei Jahre lang. In dieser Zeit sollte sie mit Gewalt auf den Weg Gottes geführt werden. Doch Schreie und Schläge waren nicht das Einzige, was das Mädchen in dieser Zeit ertragen musste.
In der SRF-Sendung «10 vor 10» erhob Kelly G. 2023 schwere Vorwürfe gegen einen ehemaligen Lehrer der Schule. Dieser soll sie in den Duschkabinen hinter dem Speisesaal vergewaltigt haben. Als sie der Frau des Schulleiters davon berichtete, sei sie angeschrien und geschlagen worden. Danach musste sie die Schule verlassen.
Verfahren wegen Verjährung eingestellt
Die Staatsanwaltschaft nahm infolgedessen die Ermittlungen auf. Das Verfahren wurde jedoch im Februar 2026 wegen Verjährung eingestellt. Die Abschlussverfügungen, die CH Media vorliegen, erwähnen zudem «widersprüchliche Erkenntnisse», die den «Verdacht entkräfteten».
Der von Kelly G. identifizierte Lehrer trat seine Stelle offiziell erst im August 1998 an. Die von ihr geschilderten Ereignisse sollen sich aber schon früher ereignet haben. «Ich habe die traumatischen Erlebnisse verdrängt», erklärt sie in einem Interview mit den CH-Media-Zeitungen. Erinnerungen hätten sich vermischt, deshalb sei es zu Widersprüchen in ihrem Bericht gekommen. Sie sagt, dass der Lehrer schon vor dem offiziellen Stellenantritt an der Schule unterrichtet habe.
Den Verjährungsentscheid der Staatsanwaltschaft akzeptiere sie. Trotzdem halte Kelly G. an ihrem Erfahrungsbericht fest.