Darum gehts
- Giorgio T. aus St. Moritz fährt Route 66 mit eigenem BMW.
- Sein BMW M3 Touring ist einmalig in Nordamerika und sorgt für Aufmerksamkeit.
- Transportkosten: 2800 Franken, 17 Länder mit dem Auto in zwei Jahren bereist.
Giorgio T.* (29) aus St. Moritz lebt seinen Bubentraum: Einmal über die legendäre Route 66 durch acht US-Bundesstaaten brettern! «Zuerst dachte ich, dass ich mir dafür ein Auto miete. Das hätte ganz sicher ein amerikanischer V8 sein müssen – etwas Altes, was dort Kultur hat», sagt T. zu Blick
Doch beim Planen stellte er bald fest: Das geht ganz schön ins Geld. Und auch der Kauf eines gebrauchten Autos schien zu kompliziert. Dann kam T. auf eine Idee: Warum nicht mit dem eigenen Auto durch die USA fahren? «So habe ich mich in die Recherche gestürzt. Vom ersten Gedanken bis zum finalen Plan ist das etwa zwei, drei Jahre gegangen», schildert der Bündner. Und aus dem alternativen Plan entstand bald eine wahre Faszination, mit dem eigenen Fahrzeug die amerikanischen Strassen zu erobern.
Per Schiff ging es für den BMW von Hamburg nach Halifax
Ein Auto temporär in die USA zu importieren, ist Papierkrieg pur. Doch der Bündner fand eine Spezialfirma. Sie verschifft Fahrzeuge im Container von Hamburg direkt ins kanadische Halifax. Wer beim Transport Geld sparen will, lässt sich auf eine Liste setzen, um Gleichgesinnte zu finden, die Fahrzeuge im gleichen Zeitraum transportieren.
Nach ein paar Monaten Wartezeit fand er einen Transport-Partner, um sich die Kosten zu teilen. Das Verschiffen kostete den Bündner 2300 Euro (rund 2100 Franken), die Entgegennahme des Fahrzeugs in Kanada 700 Franken. Um abgesichert zu sein, entschied er sich für eine Vollkasko für beide Länder.
Jahrelang stellte er die Route zusammen
Seinen alten Job hatte der 29-Jährige Ende April gekündigt, seinen neuen Jobbeginn bewusst auf Anfang August gelegt. Damit blieben drei Monate Zeit für sein Abenteuer. Während der BMW gen Kanada schipperte, flog T. mit dem Flugzeug hinterher. Im Hafen von Halifax konnte er das Auto schliesslich abholen. «Das ist einer von den coolsten Momenten gewesen, als das Auto aus dem Container gefahren ist und das erste Mal nordamerikanische Luft schnuppern konnte», schwärmt der Autoliebhaber.
Während seiner jahrelangen Planung markierte sich T. auf Google Maps immer wieder Orte, die er gern in den USA sehen wollte. «Kurz vor der Reise habe ich die Punkte verbunden und so hat sich meine Route ergeben. Grob gesagt fahre ich im Uhrzeigersinn um das Land mit immer wieder einigen Abstechern ins Inland.»
Aktuell ist er gerade in Oklahoma unterwegs. Danach geht es herunter bis nach Kalifornien, im Anschluss nach Oregon und Washington, über North und South Dakota in Richtung Ostküste und von dort aus wieder zurück in Richtung Halifax. Nur er, der BMW und die Strasse!
«Dank meines Autos komme ich immer wieder ins Gespräch»
Vor seiner Reise wusste der Bündner noch nicht, wie viel Aufsehen sein BMW in den USA erregen würde. «Ich habe erst später herausgefunden, dass ich mit einem Auto durch die USA fahre, das es hier eigentlich gar nicht gibt. Der M3 Touring, also der Kombi, wird in den USA nicht verkauft. Laut meinen Recherchen in BMW-Foren dürfte ich daher den einzigen BMW M3 Touring in ganz Nordamerika fahren», erzählt T. Aufgrund von Zulassungs- und Marktanforderungen ist der BMW-Typ nicht für den US-Markt zugelassen.
Gerade dieser besondere Umstand hat bereits für viele kuriose Situationen gesorgt. «Die Menschen hier flippen richtig aus, wenn sie mich sehen. Ich hatte schon Leute, die auf der Autobahn das Fenster heruntergelassen haben und mich angeschrien haben, wie ich das bloss gemacht habe, das Auto zu importieren.»
Quasi tagtäglich werde er angesprochen oder gefilmt. Und auch auf Social Media sorgt sein Account «konkavius» für Aufsehen. «Das alles hat mir ganz viele unerwartete Türen geöffnet. Und dank meines Autos komme ich immer wieder ins Gespräch mit den Menschen hier», erzählt T.
Schon 17 Länder mit dem BMW bereist
Von der Polizei wurde er trotz Bündner Kennzeichen bisher nicht angehalten. «Mittlerweile hoffe ich fast, dass mich jemand herausnimmt, da ich extra eine dicke Mappe mit allen Dokumenten erstellt habe», lacht der 29-Jährige.
Mit seinem BMW hat er einschliesslich der USA und Kanada in zwei Jahren bereits 17 Länder bereist – vor allem in Europa. Und wohin zieht es ihn in der Zukunft für einen Roadtrip? «Asien würde mich sehr reizen. Natürlich nicht mit dem BMW, da müsste man dann ein Offroad-Fahrzeug fahren. Doch da will ich die derzeitige Lage noch abwarten.»
* Name bekannt