Darum gehts
- Diebstähle von GPS-Systemen bei Traktoren häufen sich 2026 in der Schweiz
- Allein im Waadtland wurden seit Januar 20 Diebstähle registriert
- Schaden durch gestohlene Technik im Thurgau: mehrere 100’000 Franken
Sie schlagen im Schutz der Dunkelheit zu. Wenn Bauern morgens zu ihren Traktoren kommen, zeigt sich das Chaos: aufgebrochene Kabinen, herausgerissene Displays und fehlende GPS-Empfänger. Dreiste Diebe klauen teure Technik direkt vom Hof.
Im Berner Seeland verzeichnete die Kantonspolizei Bern in den letzten zwei Monaten eine Häufung solcher Fälle, wie das «Bieler Tagblatt» kürzlich berichtete. Doch das Phänomen hat längst die gesamte Schweiz erfasst.
Besonders dramatisch verläuft die Entwicklung in der Westschweiz. Während im Kanton Waadt zwischen 2021 und 2025 jährlich lediglich zwei bis sechs Fälle gemeldet wurden, schnellte die Zahl im Jahr 2026 hoch. Bereits 20 Diebstähle zählten die Ermittler laut der Kantonspolizei seit Januar – 17 davon allein seit diesem Sommer, was den rasanten Anstieg gegenüber den Vorjahren zusätzlich unterstreicht.
Mehrere Hunderttausend Franken Schaden
Auch in der Deutschschweiz hinterlassen die Diebe ratlose Landwirte. Im Thurgau, wo von 2021 bis 2025 kein einziger Fall dieser Art registriert wurde, kam es 2026 bereits zu fünf solchen Diebstählen – der Gesamtwert des Deliktsguts beläuft sich hier laut der Kantonspolizei auf mehrere Hunderttausend Franken. Im Kanton Solothurn schlugen Unbekannte im Juni bei vier Traktoren der Marke John Deere zu. Dabei entstand für die Bauern ein Schaden von mehreren Zehntausend Franken.
Die Kriminellen haben es vor allem auf Maschinen der Marke John Deere abgesehen. Das ist kein Zufall: Die Technik ist vielseitig einsetzbar und lässt sich auf dem Schwarzmarkt rasch zu Geld machen. Entsprechend wertvoll ist die Ware: Die gestohlene Technik kostet je nach Ausführung zwischen 10’000 und 30’000 Franken.
Die Täter wissen genau, wonach sie suchen. Die Kantonspolizei Aargau betont denn auch, dass es sich hier sicherlich nicht um Gelegenheitsdiebe handle. Vielmehr hätten sich wohl Tätergruppen auf solche Diebstähle spezialisiert.
Die Bundespolizei ist alarmiert
Eine Einschätzung, die auch das Bundesamt für Polizei (Fedpol) teilt. Sprecher Vincent Bürgy bestätigt, dass GPS-Diebstähle bei Landwirtschaftsmaschinen seit 2023 europaweit gehäuft vorkämen. Zwar liegt die konkrete Ermittlungsarbeit bei den einzelnen Kantonen. Doch das Fedpol beteilige sich aktiv am internationalen Informationsaustausch und arbeite eng mit der europäischen Polizeibehörde Europol zusammen.
Denn nicht nur in der Schweiz traten die Diebstähle ab Landwirtschaftsmaschinen in den letzten Jahren gehäuft auf. Betroffen sind auch Länder wie Deutschland und Grossbritannien, vor allem aber Frankreich. Auch hier haben die Kriminellen praktisch ausschliesslich modernste John-Deere-Technik im Auge. Die teuren Geräte sind – das gilt ebenso für die Schweiz – oft ein einfaches Ziel: Landmaschinen werden abgelegen, direkt auf dem Feld oder in Maschinenschuppen parkiert. Die Geräte sind enorm wertvoll und in ungesichertem Zustand rasch demontiert.
Frankreich ermittelt erfolgreich
Wie organisiert die Täterschaft operiert, zeigen umfassende Ermittlungserfolge in Frankreich. Dort beobachtet die Gendarmerie seit längerem kriminelle Netzwerke, die in kürzester Zeit zahlreiche Diebstähle begehen und anschliessend wieder aus dem Staatsgebiet verschwinden. Im März 2025 zerschlugen Ermittler im Südwesten Frankreichs einen rumänischen Ring, beschlagnahmten 34 GPS-Geräte im Wert von 720’000 Euro und rechneten der Bande einen Gesamtschaden von mehr als 1,5 Millionen Euro zu.
Im August 2025 wurden zwei litauische Staatsangehörige auf einer Autobahn festgenommen. Im Beuteversteck ihres Komplizen lagen 18 Antennen, 58 Navigationskonsolen, Lenkmotoren und Lenkräder. Ein noch grösserer Schlag gelang den französischen Behörden Ende 2025 in Zusammenarbeit mit Eurojust und Europol. Eine litauische Organisation, die über 150 Diebstähle mit 2,5 Millionen Euro Schaden begangen hat, wurde zerschlagen.
Die Beute war systematisch nach Litauen sowie in die USA exportiert worden. In einer beispiellosen Aktion reisten Ermittler im Dezember 2025 quer durch Frankreich, um 100 beschlagnahmte Antennen persönlich an 30 geschädigte Landwirte zurückzugeben.
GPS-Systeme tauchen in Osteuropa wieder auf
In der Schweiz sind Ermittlungserfolge noch bescheiden. Dank Signalen der gestohlenen GPS-Technik ist immerhin klar: Auch die Schweizer Beute taucht regelmässig in Osteuropa wieder auf.
Für die betroffenen Bauern ist das ein schwacher Trost. Solange die Banden nachts zuschlagen, bedeutet das für sie noch mehr Arbeit nach langen Erntetagen. Feierabend gibt es für viele erst, wenn die Fahrerkabine komplett ausgeräumt ist und die teure Technik im Haus unter Verschluss liegt.