Taucher versuchen sich noch unter Wasser zu retten
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Deutscher verliert Bein:Taucher versuchen sich noch unter Wasser zu retten

St. Gallerin erlebt Horror im Tauchparadies
«Erst schwammen wir mit Delfinen – dann traf uns die Bootsschraube»

Drama in Französisch-Polynesien: Die Schweizer Taucherin Gianna F. (24) entkam nur knapp dem Tod, als ein Boot ausser Kontrolle geriet. Ihr Begleiter Brian Pethke verlor ein Bein. Ärzte unter den Tauchern retteten ihm das Leben – zweimal!
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Gianna F. ist eine Globetrotterin aus Leidenschaft. Französisch-Polynesien war die letzte Station ihrer Weltreise.
Foto: Sebastian Babic

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Tauchausflug in Französisch-Polynesien endet tragisch: Boot gerät am Ostersonntag ausser Kontrolle
  • Gianna F. überlebt knapp, Begleiter verliert Bein, Tauchlehrer erleidet Beinbrüche
  • Begleiter Tim T. erhielt lebensrettende Hilfe, Spendenkampagne gestartet wegen finanzieller Sorgen
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Sebastian BabicReporter Blick

Während eines Tauchgangs am Ostersonntag passiert das Unfassbare: Der Schiffsführer wird von einer Welle erfasst und vom Boot geschleudert. Das führerlose Boot kreist daraufhin in Höchstgeschwindigkeit unkontrolliert um eine Gruppe von Tauchern. Das Unglück passiert in Französisch-Polynesien.

Unter Wasser versuchen sie, sich vor der Schiffsschraube in Sicherheit zu bringen. Gianna F.* (24) aus dem St. Galler Rheintal befindet sich mitten in dieser Horrorszene. Immer wieder taucht sie ab, versucht, unten zu bleiben, vergeblich. Mehrfach wird sie durch den Sog des Boots an die Oberfläche gerissen und entkommt dem ausser Kontrolle geratenen Boot nur knapp.

Für zwei andere endet der Vorfall lebensgefährlich: Ein Bekannter verliert ein Bein, der Tauchinstruktor erleidet zwei offene Beinbrüche.

Heute sagt Gianna F.: «Ich kann es kaum fassen, dass ich noch lebe. Ich hatte mit meinem Leben abgeschlossen.»

Ein Horrorerlebnis im Paradies. Dabei begann alles idyllisch.

Horror im Paradies

Gianna F. ist ein «Reisefüdli». Seit sie allein reisen darf, spart sie im Alltag jeden Rappen, um neue Orte zu entdecken. Ihre grosse Leidenschaft ist das Tauchen.

Im November 2025 bricht sie zu ihrem jüngsten Abenteuer auf, einer Weltreise, die in Französisch-Polynesien endet. «Ich liebe es, allein zu reisen. Ich finde auf solchen Trips immer neue Freunde», erzählt sie. So auch dieses Mal: In einem Tauchcenter lernt sie den Deutschen Brian Pethke (24) und seinen Reisebegleiter kennen.

Sie beschliessen, auf der Insel Rangiroa gemeinsam tauchen zu gehen. Sie buchen zwei Tauchgänge am selben Tag. «Der erste Tauchgang war unspektakulär», erzählt sie, «die See war aber rau und die Strömungen stark.»

Zwei Stunden später sind sie wieder auf dem Boot: «Der Anfang war mega! Wir haben direkt einen Tigerhai gesehen. Dazu gesellten sich Delfine mit ihrem Baby – ein unglaubliches Erlebnis.»

Nach 45 Minuten kehren die drei, zusammen mit dem Tauchinstruktor, an die Oberfläche zurück. Sie pusten ihre Westen auf, nehmen Atemgerät und Brille ab.

Das Drama nimmt seinen Lauf

Als das Boot sie abholen will, passiert das Unfassbare: Es wird von einer Welle erfasst, der Bootsführer geht über Bord, das Notstopp-System versagt.

Das Boot dreht sich wild im Kreis und rast alle acht Sekunden wieder auf die Gruppe zu. «Ich versuchte unterzutauchen, wurde aber vom Sog des Boots und der Weste immer wieder nach oben gezogen.» Plötzlich sieht sie unter Wasser nur noch rot. Es ist Brians Blut. Einen Moment werde sie nie mehr vergessen: «Brian sah mich entsetzt an und sagte: ‹Ich habe mein Bein verloren!›»

Der Überlebenskampf geht weiter. In Panik schluckt Gianna Wasser. «Irgendwann gab ich auf. Ich weiss nicht wie, aber plötzlich schwebte ich unter Wasser und sah nach oben.» Sie habe nur noch die Sonne ins Wasser schimmern sehen und jegliches Zeitgefühl verloren: «Ich dachte mir nur: Das wars jetzt! Jetzt bist du tot.»

Rettung in letzter Sekunde

An die folgenden Sekunden erinnert sie sich nicht mehr. Nur noch an eine Hand, die sie auf ein Boot zieht: «Es fühlte sich an, als wäre sie ein riesiger Engel gewesen.»

In der Zwischenzeit hatte sich ein weiteres Boot zu den Tauchern begeben, um diese zu bergen: «Sie brachten sich in Lebensgefahr, um uns zu retten. Unser Boot war noch immer ausser Kontrolle und hätte sie rammen können», erklärt F.

An Bord versucht man notdürftig, Brian und den ebenfalls schwer verletzten Tauchinstruktor zu retten. Zu deren Glück befindet sich ein französisches Ärztepaar sowie ein weiterer Arzt auf dem Boot. «Das war ein kleines Wunder.»

Gemeinsam binden sie Pethkes Bein ab und rasen zum kleinen Spital auf der Insel.

Keine Ärzte im Spital

Vor Ort dann der Schock: «Im Spital waren keine Ärzte, nur Krankenschwestern. Vielleicht weil es Ostersonntag war.» Das Ärztepaar zögert keine Sekunde und bedient sich aus den Medizinschränken und Blutkonserven, setzt eine Transfusion und rettet Brian ein zweites Mal das Leben.

Seit diesem Wochenende ist Brian zurück in Berlin, seinem Wohnort. Blick erreicht ihn im Spital: «Ich werde gerade aus der Quarantäne entlassen. Morgen steht die nächste Operation an.»

In den sozialen Medien erzählt er seine Geschichte und erlebt eine riesige Solidaritätswelle. Für Brian ist klar: Er will so schnell wie möglich wieder ins Wasser. Grosse Sorgen bereitet ihm aber seine finanzielle Situation. «Die Krankenkasse übernimmt nur einen Teil der Kosten. Allein eine Sportprothese kostet über 10'000 Euro. Dann werde ich umziehen müssen, weil meine Wohnung nicht barrierefrei ist.»

Auch deswegen geht Gianna mit dieser Geschichte an die Öffentlichkeit und hat gemeinsam mit Freunden eine Spendenaktion gestartet: «Zwei Sachen sind mir wichtig. Zum einen, die Leute auf die Schönheit und die Gefahren des Tauchens aufmerksam zu machen, zum anderen, Brian zu unterstützen, wieder ein normales Leben führen zu können.»

* Name bekannt 

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