In weniger als einem Monat, vom 15. bis 17. Juni, findet der G7-Gipfel in Évian (F) statt, und die Spitäler in der Westschweiz haben alle Hände voll zu tun. Wie die politischen Behörden oder die Polizei müssen auch die grossen Pflegeeinrichtungen alle Eventualitäten in Betracht ziehen. Und zwischen einer möglicherweise massiven Demonstration und den Schwierigkeiten, Personal zu mobilisieren, kündigt sich eine schwierige Aufgabe an.
Grosse Namen wie Donald Trump, Xi Jinping, Emmanuel Macron und andere treffen sich am Ufer des Genfersees, unweit vom Genfer Sitz der Vereinten Nationen. Angesichts der angespannten geopolitischen Lage müssen selbst Katastrophenszenarien in Betracht gezogen werden – etwa mögliche Terrorangriffe und chemische Angriffe sowie andere Risiken.
HUG nennt «spezifische Massnahmen»
Das Genfer Universitätsspital (HUG) teilte Blick auf Anfrage mit, dass «spezifische Massnahmen ergriffen» worden seien und dass man sich darauf vorbereite, «schnell und effizient auf einen möglichen Zustrom von Patientinnen und Patienten zu reagieren». Was ist der Grund dafür? Gerade wurde für Sonntag, den 14. Juni, eine Anti-G7-Demonstration in Genf genehmigt – und an dieser könnte es zu Ausschreitungen kommen.
Im Jahr 2003 hatte sich das HUG bereits Monate vor dem G8-Gipfel auf die zu erwartenden Ausschreitungen vorbereitet. Nach den aufsehenerregenden Krawallen gab es nur wenige Verletzte und keinen Todesfall zu beklagen. Damals wie heute geht es darum, den normalen Betrieb des Spitals zu gewährleisten und zusätzliche Verletzungen von Demonstranten, Rettungskräften oder Polizeikräften zu bewältigen.
Dasselbe gilt für das Universitätsspital Lausanne (CHUV), das sich zum Ziel gesetzt hat, «sich schnell anpassen zu können, ohne seine Aufgaben zu vernachlässigen». Das CHUV erklärt gegenüber Blick, dass es sich «in Koordination mit den kantonalen Behörden sowie den schweizerischen und französischen Spitalpartnern vorbereitet».
Das HUG teilte mit, dass es vier Massnahmen ergriffen habe, um eine Überlastung zu vermeiden:
- Die Reduzierung der «elektiven chirurgischen Operationen», also der nicht dringenden Operationen, um 20 Prozent zwischen dem 11. und 18. Juni.
- Die Bereitstellung von «etwa 40» zusätzlichen Spitalbetten «in den Abteilungen für Medizin, Chirurgie und Geriatrie».
- Die Verstärkung der Notfallteams (Erwachsene, Pädiatrie, Geriatrie und Augenheilkunde).
- Ausserdem würden «zwei Zelte auf der Rotunde des HUG gegenüber dem Eingang der Notaufnahme für Erwachsene aufgestellt», um «die Aufnahme einer ausreichenden Anzahl von Patienten zu gewährleisten».
Personal muss sich anpassen
Die Herausforderung für das in Frankreich lebende Pflegepersonal und damit für das HUG besteht wiederum darin, «die Folgen möglicher Verkehrsprobleme zwischen dem 12. und 18. Juni abzumildern». Die Genfer Behörden haben ein Buttonsystem angekündigt, das es denjenigen, die in Frankreich wohnen und täglich die Grenze überqueren müssen, erleichtern soll, dies zu tun.
Die Kommunikationsabteilung erklärt, dass diese Situation etwa 5100 von insgesamt 13'350 Beschäftigten betrifft, darunter mehr als die Hälfte der Krankenschwestern und Krankenpfleger (etwa 3200 von 5700) und 280 der insgesamt 2330 Ärzte. Die HUG fügt hinzu, dass «einige Dutzend Hotelzimmer für das Personal zur Verfügung gestellt werden».
Und weiter: «Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, deren Tätigkeiten dies erlauben, werden aufgefordert, Telearbeit zu bevorzugen.» Dasselbe gilt für das CHUV, wo «Telearbeit angeboten werden kann, und zwar für einen begrenzten Zeitraum – und wenn es die Anforderungen der jeweiligen Abteilung zulassen».
Lösungen für Grenzgänger
Das Waadtländer Spital erklärt seinerseits, es habe «einen Planungs- und Führungsstab mit einer Risikoanalyse und einer Koordination mit den Behörden eingerichtet». Für Sicherheitsfragen verweist das CHUV auf die Kantonspolizei Waadt und die G7-Seite auf der Website des Kantons Waadt.
Im Gegensatz zum HUG plant die Lausanner Institution «keine Anpassung der Arbeitszeiten, des Urlaubs oder der Ferien während dieser Zeit». Das CHUV lässt immerhin wissen, dass es «Schwierigkeiten bei der Anreise seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (sei es mit öffentlichen Verkehrsmitteln, mit dem Schiff oder an Grenzübergängen) antizipiert».
Für diejenigen, bei denen Telearbeit nicht möglich ist, prüft das CHUV andere Lösungen, «insbesondere die Organisation von temporären Unterkünften in der Region Lausanne». Die Probleme der Grenzgänger werden sich auf die Planung des medizinisch-pflegerischen Personals auswirken: «Das CHUV plant, während dieser Zeit eher das in der Schweiz lebende Personal einzuplanen», teilte die Einrichtung mit.