«Sie waren gerade volljährig»
Nazi-Grüsse in Lausanne – Passanten beunruhigt

Am vergangenen Samstag sorgte eine Gruppe von etwa zehn jungen Männern im Zentrum von Lausanne für Aufregung. Passanten nahmen die Gruppe, die den Hitlergruss zeigte, als aggressiv war. Die Stadtpolizei Lausanne bestätigte einen Vorfall mit drei vermummten Personen.
Mehrere Personen haben am Samstagnachmittag mitten in der Innenstadt von Lausanne den Hitlergruss gezeigt.
Foto: DR

Darum gehts

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  • Eine Gruppe junger Männer zeigten am 5. September 2026 Hitlergrüsse in Lausanne
  • Eine Person mit Antifa-T-Shirt soll dabei angegriffen worden sein, Täter flohen per U-Bahn
  • Polizei nahm drei Schweizer (15, 16, 19) fest, Strafanzeige wegen Diebstahls
Ellen De Meester - Journaliste Blick
Ellen De Meester

Hitlergrüsse an einem Samstagnachmittag im Herzen von Lausanne. Genau das konnten Dutzende Passanten am vergangenen Samstag beobachten, als eine Gruppe junger Männer durch die Innenstadt zog und dabei die mit dem Hitler-Faschismus assoziierte Handgeste machte.

Blick-Informationen zufolge trugen die Personen ein Symbol auf ihrer Kleidung, das ein weisses Schweizerkreuz in Kombination mit einem Totenkopf zeigte. Zudem trugen mehrere der Männer Cargohosen im Militärstil. «Was mich am meisten schockiert hat, war ihr Alter», sagt Valentin Augsburger im Gespräch mit Blick. Der Projektleiter, der im öffentlichen Dienst tätig ist, hat die Szene vor Ort miterlebt. «Sie waren gerade so volljährig!»

In einem Video auf Instagram berichtet er, dass er der provokanten Gruppe auf dem Weg zu einer Vernissage begegnet sei. «Ich habe erfahren, dass sie eine Person angegriffen haben, weil diese ein antifaschistisches T-Shirt trug», erzählt er in dem kurzen Clip. Mehrere Passanten hätten versucht, die Situation unter Kontrolle zu bringen. Die jungen Männer seien daraufhin in eine U-Bahn geflohen.

Drei Personen wurden festgenommen

Wie die Stadtpolizei Lausanne bestätigte, ging gegen 16.45 Uhr eine Meldung bei der Waadtländer Polizei ein. Darin hiess es, dass vermummte Personen auf die Terrasse des Grandes-Roches an der Bessières-Brücke gestürmt seien. «Sie rissen ein Transparent mit der Aufschrift ‹End complicity genocide› herunter und verliessen damit den Ort», so der Sprecher der Stadtpolizei.

Wie die Polizei weiter mitteilte, wurde umgehend eine Fahndung nach den Personen eingeleitet. Auf Grundlage mehrerer Hinweise konnte die Stadtpolizei daraufhin drei Schweizer im Alter von 15, 16 und 19 Jahren auf der Place de l’Europe festnehmen. Die drei Personen, die in den Kantonen Waadt und Wallis wohnhaft sind, wurden anschliessend zur Polizeidirektion gebracht. «Die volljährige Person hat zugegeben, das Transparent entfernt zu haben», so der Sprecher.

Strafanzeige wegen Diebstahls

Die Ermittlungen der Kriminalpolizei, der Staatsanwaltschaft und des Jugendgerichts ergaben zudem, dass diese drei Personen in der Innenstadt eine «Auseinandersetzung» mit zwei anderen Personen hatten. Auch wurde bestätigt, dass sie mehrfach den Hitlergruss zeigten.

Die drei festgenommenen Schweizer wurden anschliessend freigelassen, wobei die beiden Minderjährigen ihren Eltern übergeben wurden. Es wurde zudem Strafanzeige wegen Diebstahls erstattet.

«Die Banalisierung des Faschismus macht Angst»

Auffällig ist, wie schnell die Bilder der Gruppe in den sozialen Medien verbreitet wurden. In den Kommentaren brachten dabei zahlreiche User ihre Verwunderung über die Szene zum Ausdruck.

Valentin Augsburger, der selbst Mitglied des linken Wahlbündnisses Ensemble à Gauche ist, sieht die Männergruppe als Symptom eines umfassenderen Phänomens. «Sie haben an einem Samstagnachmittag vor aller Augen und ohne die geringste Scheu Nazi-Grüsse gezeigt», sagte er bestürzt in seinem Instagram-Video.

Augsburger weiter: «Dass Faschismus in Lausanne banalisiert wird, macht Angst. Man muss an die Person denken, die wegen eines Antifa-T-Shirts angegriffen wurde. Man sollte in der Lausanner Innenstadt nicht wegen seiner politischen Meinung, seiner Hautfarbe oder seiner Religion angegriffen werden können.»

Die Stadtpolizei Lausanne weist indes darauf hin, dass bisher keine Zunahme solcher Fälle festgestellt wurde.

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