«Wir hatten schon alles vorbereitet für den Markt am nächsten Tag: Das Gemüse war gewaschen, in Kisten gepackt und auf die Paletten gestapelt. Da gab der Bundesrat bekannt, dass Wochenmärkte nicht mehr stattfinden dürfen.
Für uns war das ein harter Schlag. Plötzlich wusste ich nicht mehr, wie ich den Lohn unserer Angestellten bezahlen soll – wir leben allein vom Verkauf unserer Produkte auf den Märkten.
Hofverkauf als Rettung
Da haben wir kurzerhand beschlossen, einen Hofverkauf aufzubauen. Ich nahm ein Video auf, um unseren Kunden die Situation zu erklären, und postete es auf Facebook. Offenbar kam das gut an. Das Video wurde mehrfach geteilt; ich weiss gar nicht, von wem.
Jedenfalls ist der Hofverkauf sehr gut angelaufen – wir haben jeden letzten Kopfsalat verkauft, das habe ich noch nie erlebt. Überhaupt ist die Nachfrage nach Gemüse so hoch wie nie.
Kunden ganz entspannt
Was ich am Hofverkauf schön finde: Die Kunden sind alle sehr entspannt. Es stört sie auch nicht, wenn sie kurz warten müssen, weil wir wegen der Abstandsregeln nur zwei Verkäufer einsetzen können. Sorgen machten mir anfangs die fehlenden Erntehelfer. Doch inzwischen haben wir mehrere Anfragen von Schweizern bekommen, die ohnehin einmal Erfahrung in der Landwirtschaft sammeln wollten.
Das Schöne ist: Sie machen das nicht alleine des Geldes wegen, sondern weil sie sich für die Pflanzen interessieren. Deshalb stört es mich auch nicht, dass ich sie erst einarbeiten muss.
Im Gegenteil – wenn man motivierten Leuten etwas beibringen kann, macht einem das auch selber Freude.»
Hat der Coiffeur geschlossen, kriegen wir etwas unordentliche Frisuren; bleibt das Restaurant zu, fällt das feine Essen mit Freunden ins Wasser. Für die Unternehmer ist diese Situation schlimm, zumindest kurzfristig aber überleben wir diese Einschränkungen. In anderen Branchen ist Dichtmachen dagegen keine Option: Würden die Ärztinnen, Bauern oder Güselfrauen ihre Arbeit einstellen, hätten wir alle ein ernsthaftes Problem. Hier erzählen einige von ihnen, wie sie die Corona-Krise erleben. Camilla Alabor
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