Darum gehts
- Vier Schweizer Botschaftsmitarbeitende verlassen den Iran am 3. März 2026
- Schweizer Eliteeinheit «AAD 10» für Notfälle im Einsatz bereit
- Einheit evakuierte 280 Personen aus Afghanistan nach Taliban-Übernahme 2021
Aktuell befinden sich noch sechs Schweizer Mitarbeitende in der Botschaft in der iranischen Hauptstadt Teheran, wie das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten EDA am Dienstag auf Blick-Nachfrage kommuniziert. Dazu kommen 18 lokale Mitarbeitende. «Angesichts der Umstände geht es den Mitarbeitenden der Botschaft gut», schreibt das EDA. Vier Schweizer Mitarbeitende der Botschaft konnten den Iran am Dienstag auf dem Landweg nach Aserbaidschan verlassen – sie werden bald in die Schweiz zurückkehren. Konkretere Angaben macht das EDA und VBS aus Gründen der Operationssicherheit und des Persönlichkeitsschutzes nicht.
Die Botschaft sei weiterhin operationell, also in Betrieb. Ob und wann die restlichen Mitarbeitenden den Iran verlassen können, ist unklar. «Zu konkreten Massnahmen und Vorkehrungen äussert sich das EDA aus Sicherheitsgründen nicht», schreibt das Departement. Offen ist, ob eine Schweizer Spezialeinheit eine Rolle gespielt hat.
Elite für den Ernstfall
Sie gehören zu den Besten, die die Schweizer Armee aufbieten kann: Die Spezialeinheit «Armee-Aufklärungsdetachement 10», abgekürzt «AAD 10». Die Einheit wurde 2004 als Teil des «Kommando Spezialkräfte» (KSK) gegründet und ist rund 90 Soldaten stark. Sie sind auf heikle Missionen im Ausland spezialisiert und kommen nur mit Bewilligung vom Bundesrat zum Einsatz.
Die Hauptaufgaben der Spezialeinheit sind die Rettung, Befreiung und Sicherung von Schweizer Bürgern im Ausland. Aber auch die Beschaffung von Informationen und Schutzaufgaben gehören dazu. Die Einsätze verlaufen diskret und meist im Verborgenen.
Gnadenloses Auswahlverfahren
Ähnlich wie etwa bei der amerikanischen Elite-Einheit «Navy Seals» ist auch beim «AAD 10» das Auswahlverfahren äusserst anspruchsvoll. Bereits die Sportprüfung für den Vorwahlkurs gilt als extrem hart.
- Liegestütz ohne Unterbruch: 50
- Rumpfbeugen ohne Unterbruch: 60
- Klimmzüge (Ristgriff) ohne Unterbruch: 10
- 5km-Geländelauf in Sportbekleidung in max. 24 Minuten
- 8km-Eilmarsch im Tarnanzug mit Feldschuhen und 15kg-Gepäck in max. 58 Minuten
- 25km-Eilmarsch im Tarnanzug mit Feldschuhen und 25kg-Gepäck (Richtzeit: 3,5 h)
- 300 m Schwimmen in max. 10 Minuten
- Liegestütz ohne Unterbruch: 50
- Rumpfbeugen ohne Unterbruch: 60
- Klimmzüge (Ristgriff) ohne Unterbruch: 10
- 5km-Geländelauf in Sportbekleidung in max. 24 Minuten
- 8km-Eilmarsch im Tarnanzug mit Feldschuhen und 15kg-Gepäck in max. 58 Minuten
- 25km-Eilmarsch im Tarnanzug mit Feldschuhen und 25kg-Gepäck (Richtzeit: 3,5 h)
- 300 m Schwimmen in max. 10 Minuten
Wer es mit überdurchschnittlichen Ergebnissen durch den Sporttest schafft, hat die erste Hürde geschafft – aber viele weitere folgen. So werden die Kandidaten körperlich und mental geprüft. Auch ihre Motivation und ihr Charakter spielen eine wichtige Rolle. «Wer auf Rambo machen will, hat bei uns nichts zu suchen», sagte ein Ausbildner des «AAD 10» zu Swissinfo.
Werden auch diese Tests bestanden, kann die 18 Monate dauerende Ausbildung zum Elitesoldaten beginnen.
Frühere Rettungseinsätze
Seit der Gründung des «AAD 10» hat die Spezialeinheit bereits in mehreren Ländern Rettungen erfolgreich durchgeführt. Bereits 2006 wurden 30 Mann zum Botschaftsschutz aufgrund der angespannten Sicherheitslage nach Teheran eingesetzt.
Nachdem 2021 die Taliban in Afghanistan die Macht übernehmen, evakuierte die Einheit 280 Personen aus dem Land.
Im Februar 2022 werden der Schweizer Botschafter Claude Wild sowie Mitarbeitende der Botschaft aufgrund der drohenden russischen Invasion aus der ukrainischen Hauptstadt Kiew eskortiert. Soldaten des «AAD 10» seien schon einige Tage vor dem Einmarsch Russlands eingetroffen, wie das SRF in einer Dokumentation zeigt. Dort haben sie die Schweizer Botschaft bewacht und bei der Rückführung geholfen.
«Für den Einsatz gemacht»
«Diese Leute sind für den Einsatz gemacht. Sie sind keine normalen Befehlsempfänger. Sie werden darin ausgebildet, Lösungen zu finden», erklärte Wild. «Wenn ich ein Problem ansprach, hatte ich innerhalb einer halben Stunde zwei oder drei Lösungsmöglichkeiten.» In einem kleinen Konvoi verliess Wild über Landstrassen die Ukraine und vermied den Kontakt mit Soldaten.
Ebenfalls 2022 begleitete die Einheit Bundesrat Ignazio Cassis bei einem Besuch in der ukrainischen Hauptstadt.
Im April 2023 kam es in der sudanesischen Hauptstadt Khartum zu Kämpfen zwischen der Armee und der paramilitärischen Gruppe «Rapid Support Forces». Auch hier evakuierte das «AAD 10» Menschen.