Sie feierten Hitlers Geburtstag – Hallenbesitzer war ahnungslos
Geheimes Neonazi-Konzert im Bündnerland

Knapp 150 Rechtsextreme besuchten ein Treffen in Thusis. Organisiert wurde es vom militanten Netzwerk Blood and Honour – die Polizei schritt nicht ein.
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Früherer Aufmarsch von Schweizer Bood-and-Honour-Mitgliedern.
Foto: Keystone

Darum gehts

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  • 150 Neonazis feiern in Eventhalle in Thusis. Anlass war der Geburtstag von Adolf Hitler.
  • Vier Bands traten auf, organisiert vom Netzwerk Blood and Honour.
  • Die Polizei kontrollierte einzelne Teilnehmer, schritt aber nicht ein.
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Fabian EberhardStv. Chefredaktor SonntagsBlick

Hitlergrüsse und Hassmusik: Unbemerkt von der Öffentlichkeit trafen sich am Samstag vor zwei Wochen knapp 150 Neonazis in Thusis GR. Vier Bands traten auf – es war das erste Konzert der rechtsextremen Szene in der Schweiz seit mehr als einem Jahr.

Dass die Neonazi-Feier an jenem Aprilwochenende stattfand, ist kein Zufall: Die Extremisten feierten den Geburtstag von Adolf Hitler, der am 20. April 1889 zur Welt kam.

Wie die Antifa Bern herausfand, mieteten die Neonazis für ihr Treffen eine Eventhalle eines örtlichen Transport- und Recyclingunternehmens. Deren Besitzer wusste laut eigenen Angaben nicht, wen er da bei sich beherbergte. Gegenüber SonntagsBlick sagt er, der Veranstalter habe die Halle für eine private Geburtstagsfeier mit Livemusik gebucht.

Dieser Neonazi buchte die Halle

Mitorganisiert hat das Konzert Peter S.* (33) aus dem Kanton St. Gallen – kein Unbekannter. Er gehört seit mindestens zehn Jahren zum Schweizer Ableger des internationalen Netzwerks Blood and Honour, das in Deutschland verboten ist.

Der St. Galler Rechtsextremist ist mehrfach vorbestraft. 2017 wurde er wegen Rassendiskriminierung verurteilt, nachdem er während eines Polterabends in Zürich-Wiedikon einen Juden angepöbelt und bedroht hatte.

Polizei kontrolliert Teilnehmer

Bei der Attacke mit dabei war damals auch Kevin G.*. Er schubste den Juden und spuckte ihm ins Gesicht. G. ist Frontmann der Neonazi-Band Amok. Gut möglich, dass die Band vor zwei Wochen in Thusis auf der Bühne stand.

Die Kantonspolizei Graubünden bestätigt das Blood-and-Honour-Konzert auf Anfrage. Man habe Personenkontrollen durchgeführt, zu Verhaftungen kam es nicht. Auf eine öffentliche Mitteilung verzichteten die Sicherheitsbehörden.

* Namen bekannt 

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