Schweizer Rechtsextreme
Anführer der Jungen Tat attackieren Journalisten

Bald stehen die Chefs der Jungen Tat in Zürich vor Gericht. Wegen neuen Vorfällen in Ostdeutschland ermittelt die Polizei jetzt wegen Körperverletzung.
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Manuel Corchia von der Jungen Tat schlägt einem Fotografen gegen die Kameralinse.
Foto: Recherche-nord

Darum gehts

  • Rechtsextreme bedrängten Ende Januar Journalisten bei Treffen in Schnellroda
  • Mit dabei war das Führungsduo der Gruppe Junge Tat
  • Die deutsche Polizei ermittelt wegen Körperverletzung und Diebstahl
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Fabian EberhardStv. Chefredaktor SonntagsBlick

Schnellroda: kein Laden, kein Bahnhof, kaum 300 Einwohner. Und doch ist das Dorf in Ostdeutschland seit Jahren ein Treffpunkt der rechtsextremen Szene. Jeden Winter lädt hier der neurechte Verleger Götz Kubitschek zum grossen Vernetzungstreffen.

Ende Januar war es wieder so weit. Martin Sellner reiste an, Kopf der identitären Bewegung in Österreich. Ebenso Vertreter der AfD-Jugend und die Anführer der Schweizer Gruppe Junge Tat.

Schweizer an vorderster Front

Deutsche Zeitungen berichteten, dass es am Rand des diesjährigen Treffens zu Übergriffen auf Journalisten kam. Knapp 30 teils vermummte Rechtsextreme bedrängten Autoren und Fotografen des preisgekrönten Mediennetzwerks Recherche-Nord.

Bilder und Videos des Vorfalls zeigen: In vorderster Reihe mit dabei waren Mitglieder der Jungen Tat, darunter die mehrfach vorbestraften Anführer Manuel Corchia und Tobias Lingg. Lingg spritzte gezielt Wasser auf die Fotografen, Corchia schlug einem Journalisten gegen die Kameralinse.

Ermittlungen wegen Körperverletzung

In einer Mitteilung erklärte die Polizei, die Medienschaffenden hätten Besucher des Treffens gefilmt und fotografiert. Daraufhin seien sie von Rechtsextremen «bedrängt, beleidigt, mit Wasser bespritzt und teilweise weggestossen» worden. Die Polizei leitete Ermittlungen wegen Körperverletzung, Beleidigung und Diebstahls ein, wie sie gegenüber SonntagsBlick bestätigt. Die Rechtsextremen sollen versucht haben, Presse- und Personalausweise der Journalisten zu stehlen. Verletzt wurde niemand.

Auch die Organisation Reporter ohne Grenzen äusserte sich zum Angriff. Der Vorfall verdeutliche die «zunehmende Normalisierung von Gewalt und Einschüchterung gegenüber der Presse im extrem rechten Milieu».

Anführer stehen vor Gericht

Dass die zwei Schweizer Rechtsextremisten an den Übergriffen in Ostdeutschland beteiligt waren, dürfte auch die hiesige Staatsanwaltschaft interessieren. In wenigen Monaten beginnt ein umfassender Gerichtsprozess gegen die beiden Anführer der Jungen Tat.

Lingg und Corchia sind wegen einer ganzen Reihe an Straftaten angeklagt: Diskriminierung, Aufruf zu Hass, Störung der Glaubens- und Kultusfreiheit, Nötigung, Land- und Hausfriedensbruch, Widerhandlung gegen das Vermummungsverbot und Körperverletzung. Die Staatsanwaltschaft fordert unbedingte Freiheitsstrafen von je sechs Monaten.

Beschimpfungen statt Antworten

Auf eine Anfrage von Blick an die Junge Tat folgten Beschimpfungen. Für die Mitglieder seines Telegram-Kanals hatte Manuel Corchia hingegen eine Erklärung für die Vorfälle in Schnellroda parat. Die angeblich «linksextremen» Journalisten von Recherche-Nord würden «unschuldige Leute» an den Pranger stellen und hätten es deshalb verdient, «weggemoggt» zu werden.

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Haben Sie Hinweise zu brisanten Geschichten? Schreiben Sie uns: recherche@ringier.ch

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