Darum gehts
- Schloss Meggenhorn verbietet seit 2025 Fotoshootings und Social-Media-Drehs auf dem gesamten Areal
- Einheimische dürfen nach Voranmeldung Fotos machen, auch gebuchte Privatanlässe bleiben erlaubt
- Zugspitze, Hallstatt und Iseltwald reagierten mit Attrappe, Holzwand und Drehkreuz gegen Selfies
Weisse Türme, eine dezent gezierte Fassade und ein traumhafter Schlossgarten. Der perfekte Hintergrund, um sich selbst in Szene zu setzen. Das Schloss Meggenhorn in der Gemeinde Meggen LU diente lange Zeit als Kulisse für Fotoshootings von Influencern und Touristen. Doch der Gemeinde wurde das zu viel – nun weisen Parkaufsichten Selfie-Jäger konsequent vom Gelände.
Wie der «Bote der Urschweiz» berichtet, bewilligte die Gemeinde früher kommerzielle Fotoshootings. Ab November 2022 bezahlte man dafür unter der Woche 200 Franken, am Wochenende kostete der Spass 300 Franken. Allerdings hielten sich nicht alle Gäste daran und viele Shootings fanden ohne Bewilligung statt. Das war nicht nur unfair gegenüber denen, die bezahlten, sondern brachte auch die Kapazitäten und die empfindliche Struktur des Geländes an seine Grenzen.
Einheimische dürfen sich weiterhin vor dem Schloss abbilden lassen
Schon seit 2025 weht ein anderer Wind auf Schloss Meggenhorn. Abgesehen von einem kurzen Schnappschuss sind Fotoshootings, Social-Media-Produktionen sowie Film- und Dreharbeiten auf dem gesamten Areal streng untersagt. An diese Einschränkungen erinnerte kürzlich die «Gmeindposcht». Zwei Ausnahmen gibt es jedoch: Einheimische dürfen bei einer Voranmeldung weiterhin Shootings durchführen. Auch bei gebuchten Privatanlässen, wie etwa Hochzeiten, sind Fotoshootings weiterhin erlaubt.
Die Gemeinde bittet zudem ausdrücklich darum, Fotos nicht systematisch auf Plattformen wie Instagram oder Tiktok zu verbreiten, um die «Ruhe und Exklusivität des Ortes zu bewahren». Diese Ruhe geht bekanntlich schnell verloren, wenn Geheimtipps viral gehen.
Selfie-Hotspots haben dabei nicht nur mit Overtourism zu kämpfen. Um das perfekte Ferienfoto zu erhalten, begeben sich manche Selfie-Jäger sogar in ziemliche Gefahr. Ein Wasserfall auf der thailändischen Insel Koh Samui gilt dabei seit Jahren als einer der gefährlichsten Foto-Hotspots weltweit. Eine internationale Studie erfasste zwischen 2008 und 2021 379 Todesfälle beim Fotografieren von Selfies. Besonders häufig sterben Menschen, weil sie von Klippen, Gebäuden oder Wasserfällen stürzten. Auch Verkehrsunfälle und Ertrinken beim Fotografieren zählen zu den häufigsten Ursachen.
Blick zeigt, wie andere Orte in der Vergangenheit bereits gegen Selfie-Touristen vorgegangen sind – um sowohl die Umgebung als auch die Fotoenthusiasten zu schützen.
Die Selfie-Attrappe
In Deutschland machte man sich im Jahr 2025 ernsthafte Sorgen um Selfie-Jäger. Diese stiegen mit Flipflops und Turnschuhen auf die bayrische Zugspitze (2962 m ü. M.), um ein Bild mit dem goldenen Gipfelkreuz zu machen. Um dabei nicht länger zusehen zu müssen, installierte man an der Gipfelstation der Zugspitzbahn eine Kreuz-Attrappe mit passendem Hintergrundsujet.
Anti-Selfie-Wand
Bei unseren Nachbarn in Österreich sorgte ein Disney-Film für einen Ansturm an Selfie-Touristen. Die Gemeinde Hallstatt gilt als Vorlage für das Königreich von «Frozen» (2013). Im Jahr 2023 errichtete die Gemeinde eine Holzwand vor dem beliebtesten Aussichtspunkt. Der Grund: Der Selfie-Spot liegt neben einer befahrenen Strasse. Drängelnde Touristen stellen eine Gefahr für den Verkehr dar.
Drehkreuz vor Netflix-Steg
Die Gemeinde Iseltwald BE wurde von koreanischen Touristen überrannt, nachdem ein Steg am Brienzersee als Drehort für eine Netflix-Serie gedient hatte. Jeder wollte ein Selfie an dem Platz, an dem der Hauptdarsteller von «Crash Landing on You» (2019) einst Klavier spielte. Die Gemeinde stellte dem im Jahr 2023 ein Drehkreuz entgegen – wer ein Foto möchte, muss mit einem Fünfliber bezahlen.