Am 10. August entgleiste im 57 Kilometer langen Gotthard-Basistunnel ein Güterzug. Grund dafür war ein Radbruch bei einem Waggon. Infolgedessen kamen 16 Waggons von den Schienen ab. Die Schäden waren massiv – sowohl am Güterzug als auch am Tunnel.
Am Donnerstag zog die SBB in einer grossen Medienkonferenz Bilanz – sie fällt ernüchternd aus. Der Schaden sei deutlich grösser als angenommen, sagte SBB-CEO Vincent Ducrot (61). Deswegen sei der Bahntunnel voraussichtlich erst ab September 2024 wieder vollständig befahrbar.
Die SBB hätten sich aufgrund des enormen Schadens entschieden, die betroffene Trasse über sieben Kilometer komplett zu erneuern. Rund 80 Personen arbeiten im Dreischichtsystem im Tunnel, doch die Arbeiten gestalten sich schwierig. Pro Woche könnten rund 300 Meter Gleis erneuert werden, sagte Infrastruktur-Chef Peter Kummer. Aufgrund der aktuellen Erkenntnisse geht die SBB von einer Schadenssumme, inklusive Ertragsausfällen, von rund 100 bis 130 Millionen Franken aus. Die SBB verfügt über eine Versicherung für solche Ereignisse.
Die SBB will nun versuchen, ab Dezember wieder mehr Personenzüge durch den Tunnel fahren zu lassen – vorerst aber ausschliesslich an den Wochenenden. «Der Tunnel ist ein Herzstück», sagte Ducrot. Die SBB wird die genauen Verbindungen Ende November 2023 kommunizieren, ab dann werden diese im Online-Fahrplan ersichtlich sein. Für die Pendler, vor allem aus dem Tessin, werden derzeit Lösungen gesucht.
Als Folge der gravierenden Entgleisung wird der betroffene Rad-Typ nun häufiger kontrolliert. Er sei auf eine Risikoliste gesetzt worden, so Ducrot. Untersuchungen werden zeigen, warum das Rad genau gebrochen ist. Denn: Bislang fiel der betroffene Rad-Typ noch nicht negativ auf, erklärte die SBB-Führungsriege.
Deshalb würden auch weitere Sicherheitsmassnahmen geprüft. So etwa Technologien, die einen Zug im Unglücksfall schneller stoppen könnten. Aber, so Ducrot: «Leider bleibt ein Restrisiko. Nicht alles ist vorhersehbar.»