Darum gehts
- Senior (87) verwechselt Pedale, tötet Lehrerin bei Unfall in Sedrun
- Keine Bremsspuren, Fahrer steht unter Schock, Ermittlungen laufen
- Lehrerin (†47), drei Verletzte, Unfallort: Via Alpsu, Freitag 10 Uhr
Am Freitagvormittag kam es in Sedrun GR zu einem tragischen Unfall. Ein hochbetagter Autofahrer (87) verwechselt Gas- und Bremspedal. Der Senior fährt direkt vor dem Gemeindehaus von Tujetsch, wozu das Dorf Sedrun gehört, in eine Skilager-Gruppe. Drei Schüler werden verletzt. Ihre Begleiterin, die Basler Lehrerin Sonja T.* (†47), stirbt an den Folgen der Kollision.
Die Behörden ermitteln, wie es zum Unfall kommen konnte. Blick erklärt, was bisher bekannt ist.
Es war der letzte Tag des Skilagers
Es ist kurz vor 10 Uhr am Freitagmorgen. Eine Skilagergruppe mit Schülern aus Allschwil BL ist fast schon auf dem Heimweg ins Baselbiet. Die letzten Tage verbrachten sie im Ski-Hotspot Sedrun bei bestem Wetter und frischem Schnee.
Eine kleine Gruppe aus dem Skilager läuft der Hauptstrasse von Sedrun, der Via Alpsu, entlang. Die Schüler und eine Lehrerin befinden sich fast auf Höhe der Gemeindeverwaltung, als es zur Katastrophe kommt.
Gas und Bremse verwechselt
Denn: Gleichzeitig hat der Rentner vor, aus einem Seitensträsschen, der Via Gionda, mit seinem Auto auf die Hauptstrasse einzubiegen.
Der alte Mann verwechselt in einem unachtsamen Moment gemäss ersten Erkenntnissen der Polizei Gas- und Bremspedal. Er beschleunigt. Das Unheil nimmt seinen Lauf.
Wohl ungebremst donnert der Senior in die Gruppe. Und kommt erst an einer kniehohen Mauer vor der Gemeindeverwaltung zu stehen. Die Rettungskräfte sind schnell vor Ort und helfen den verletzten Kindern. Zwei mittelschwer bis schwer verletzte 13-jährige Mädchen werden mit der Rega ins Kantonsspital Graubünden sowie ins Luzerner Kantonsspital geflogen. Ein Junge wurde leicht verletzt und ambulant behandelt. Für die Lehrerin Sonja T. allerdings kommt jede Hilfe zu spät. Sie verstirbt vor Ort an den Folgen ihrer Verletzungen.
Keine Bremsspuren
Vor Ort sind keine Bremsspuren zu finden. Es scheint, als hätte der Fahrer keine Zeit gehabt, zu reagieren. Auch Berichte von Ersthelfern und Anwohnern vor Ort vermitteln diesen Eindruck. Sie schildern, dass der Fahrer unter Schock stand: «Man hat ihm angesehen, dass er das nicht wollte.»
Blick war am Montag nochmals vor Ort in Sedrun. Bei der Wohnadresse des mutmasslichen Unfallfahrers sagt dessen Sohn, dass er keine Auskunft erteilen möchte.
Kein Update der Polizei
Die Kreuzung selbst ist übersichtlich. Auf beide Seiten hat man als Autofahrer eine gute Sicht auf die Hauptstrasse. Die allgemeine Situation vor Ort ist so, wie man sie aus vielen Wintersportorten kennt: enge Strässchen, gesäumt von noch engeren Trottoirs. Besonders im Winter ist der Verkehr zu Stosszeiten gross, viele Skisportler sind zu Fuss unterwegs, tragen ihre Ski mit sich mit.
Am Montag wollte die Polizei keine weiteren Fragen zum Unfall beantworten.
*Name geändert