Die Promi-Scammer – der Trailer zum Film
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Izzy auf Spurensuche:Die Promi-Scammer – der Trailer zum Film

Vor allem Schweizer Opfer betroffen – Kriminologe erklärt Betrugssystem
Afrikanische Abzocker-Schulen bilden Promi-Scammer aus

Der neue «Izzy»-Film zeigt, wie zwei Schweizer afrikanischen Promi-Scammern zum Opfer fielen. Ein Kriminologe forschte in Elfenbeinküste und erklärt, wie die Betrüger arbeiten.
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Im Film zeigt das «Izzy Projects»-Team, wie die beiden Schweizer den Betrügern zum Opfer fielen.
Foto: izzy Projects

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Betrüger aus Nigeria inszenieren ein falsches Abba-Konzert in Davos
  • Westafrikaner nutzen KI-Tools für die gezielte Täuschung
  • Promi-Scam betrifft weltweit reiche Länder, die Schweiz ist dafür besonders attraktiv
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Pascal ScheiberReporter Gesellschaft

Ein Abba-Konzert in Davos GR? Über 40 Jahre nach dem letzten Auftritt lässt diese Vorstellung Fans der schwedischen Band schwärmen – und zahlen. Doch es handelt sich um falsche Vorstellungen und Hoffnungen. Suggeriert werden sie nicht von Abbas Agnetha, Björn, Benny oder Anni-Frid, sondern von kriminellen Betrügern in Nigeria.

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Diese Abzockmasche – genannt «Promi Scam» – gleicht im Grundsatz Betrugsformen wie etwa dem «Romance Scam». Und: Es gebe viel mehr Fälle, als man denkt, sagt Kriminologe Olivier Beaudet-Labrecque zu Blick. Der Neuenburger forscht zu Cyberkriminalität und Betrugsmaschen. Er besuchte die Promi-Scammer gar in Westafrika – genauer gesagt in Elfenbeinküste – und schaute ihnen über die Schulter. 

«Diese Betrügereien sind weltweit verbreitet – reiche Länder wie die Schweiz sind besonders attraktiv», erklärt der Kriminologe. Das Ziel der Abzocker: kein «Mamma Mia»-Konzert im Bündner Landwassertal, sondern Geld.

Die beiden Schweizer Opfer René und Raimund realisierten den Betrug zunächst nicht. Bis «Izzy»-Journalist Cedric Schild und sein Team die beiden Herren mit ihren Recherchen konfrontierten und über die Masche aufklärten. In seinem neusten Film «Die Promi-Scammer» deckt das «Izzy»-Team das Vorgehen der afrikanischen Betrüger auf und zeigt die Konsequenzen in der Schweiz auf.

Scam mit «iTunes»-Gutscheinen

Im Fall der beiden Bündner lief die Masche so ab: Über Jahre hinweg gaben sich westafrikanische Betrüger mit gefälschten Profilen als Abba-Sängerin Agnetha Fältskog (75) und ihre Manager aus. Die Betrüger stellten im Namen der schwedischen Kultband ein von Fans lang ersehntes Livekonzert in Aussicht und damit florierende Ticketkassen. Die beiden Bündner sollten mittels iTunes-Gutscheinen vorab Geld schicken. Damit sollten sie die angeblichen Kosten für die Vorbereitungen und Treffen mit den Bandmitgliedern finanzieren. 

In der Hoffnung auf einen Konzertcoup zahlten René und sein Companion Raimund nichtsahnend Geld nach Westafrika. Sie holten den Stadionvermieter, Eventmanager und Konzerttechniker ins Boot, starteten mit der Planung. Dass sie auf eine bekannte Betrugsmasche hereingefallen waren, realisierten sie damals noch nicht. Doch: Bereits vor Jahren warnte Abba vor solchen Betrügern

Das Vorgehen der Scammer? «Sehr individuell», erklärt Beaudet-Labrecque. «Sie picken sich anfällige Menschen im Netz heraus und passen sich den Opfern an.» Sprachlich und emotional. Wenn jemand offensichtlich Fan einer bekannten Person sei, biete das den Betrügern einen «wunden Punkt», und sie könnten mit den Emotionen ihrer Opfer spielen. 

Abzocker mit Hochschulabschluss

Über Jahre waren die westafrikanischen Länder Ghana, Nigeria, Benin oder Elfenbeinküste (Côte d’Ivoire) ein Hotspot dieser Betrügereien. Ein Grund: Die Sprache in den Ländern vereinfachte die Kommunikation – beispielsweise auf Französisch oder Englisch – mit den Opfern, so der Westschweizer Forscher. Auch das «Izzy»-Team stand mit Betrügern aus Nigeria in Kontakt.

«Jungen Männern mit Uni-Abschluss bietet diese kriminelle Schiene in ihren wirtschaftlich instabilen Ländern mehr Perspektive und Einkommen», sagt Beaudet-Labrecque.

Vor Ort konnte der Experte selbst sehen, wie die Abzocker arbeiten: «Internetcafés dienen als Büro und Labor für die selbstständig arbeitenden Männer.» Wenn Frauen aktiv seien, dann meist in einer «helfenden» Rolle – so etwa, wenn eine weibliche Stimme benötigt werde, so der Forscher.

Schule bringt ihnen alles bei

In informellen Schulen für Cyberkriminelle, sogenannten «Hustle Kingdoms» (auf Deutsch: Königreich der Abzocke), lernen sie die Betrugsmaschen von Grund auf. Das heisst: Welche Geschichten sie potenziellen Opfern vorgaukeln sollen, welche Werkzeuge sie zur Fälschung von Inhalten nutzen und mit welchen Instrumenten sie daraus Profit schlagen können. Alles mit dem Ziel, dass früher oder später Geld fliesst. 

Die «Izzy»-Recherche zeigt: Die Betrüger fälschten mit Tools basierend auf künstlicher Intelligenz (KI) Fotos, Videos und Sprachnachrichten – auch Deepfakes genannt. Dabei fütterten sie die KI mit öffentlich verfügbaren Inhalten, trainierten sie auf die Stimme von Abba-Sängerin Agnetha Fältskog und generierten Manipulationsfutter. Das erweckte bei den Bündner Herren René und Raimund das Gefühl, dass Agnetha direkt mit ihnen sprach.

Die Betrügerfabriken

Den Kriminologen Beaudet-Labrecque überrascht das nicht: «Nicht nur die Abba-Mitglieder werden kriminell ausgenutzt, sondern viele prominente Menschen auf der ganzen Welt.» Durch die Nutzung von KI sei das technisch immer einfacher, qualitativ stetig besser und seien mögliche Sprachbarrieren immer kleiner – was auch dazu führe, dass sich der Einsatz von KI in kriminellen Kreisen rasant verbreite. «Wir sehen das nicht nur in Westafrika, sondern noch professioneller in Südostasien», sagt der Experte. In Myanmar, Laos oder Kambodscha betreiben Kriminelle gar Betrügerfabriken mit Tausenden Zwangsarbeitern.

Die Komplexität, die weltweiten Verstrickungen und die Anzahl der Fälle machten es für Schweizer Ermittler immer schwieriger, den Betrügern auf die Schliche zu kommen, so Beaudet-Labrecque. Der Kriminologe sagt: «Wenn etwas hilft, dann die Skepsis und das Misstrauen gegenüber fremden Kontakten.»

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