Darum gehts
- Stadler Rail investiert 40 Mio. Franken in neuen Standort in Weinfelden TG
- Das neue Inbetriebssetzungszentrum schafft 80 neue Stellen
- Die Stadt Halle (D) will wegen des Lärms keine neuen Tina-Trams in Betrieb nehmen
Erfreuliche Nachrichten für den Ostschweizer Werkplatz: Stadler Rail baut in Weinfelden TG ein neues Werk. Dadurch entstehen rund 80 neue Arbeitsplätze, wie der Zugbauer aus Bussnang TG mitteilt. Am Dienstag fand der Spatenstich für die neue Inbetriebsetzungshalle statt. Bereits im ersten Halbjahr 2028 sollen neue Züge durch die Hallen rollen, so der Plan des Unternehmens.
Hintergrund ist der Platzmangel am bisherigen Standort. Der Thurgauer Zugbauer von Patron Peter Spuhler (67) betreibt bereits ein Testzentrum im unweit gelegenen Erlen TG. Doch dieses stösst längst an seine Kapazitätsgrenzen. Ein Ausbau vor Ort ist laut Angaben von Stadler nur begrenzt möglich. Deswegen setzt das Unternehmen jetzt auf den Neubau in Weinfelden.
80 Stellen für Fachkräfte
Die geplante Halle misst 210 Meter in der Länge, 35 Meter in der Breite und ragt 16 Meter in die Höhe. Im Inneren entstehen vier Gleise, draussen kommt ein weiteres hinzu. Nördlich der Halle baut Stadler zudem 750 Meter lange Gleise. Darauf absolvieren die Züge ihre ersten Testfahrten, bevor sie auf das öffentliche Schienennetz dürfen.
Über den Zuwachs freut sich Lucas Gerig, Divisionsleiter Schweiz: «Dass wir ein zusätzliches Zentrum brauchen, zeigt eindrücklich, wie positiv sich unsere Schweizer Standorte entwickeln.» Dass rund 80 neue Arbeitsplätze entstehen, freue ihn ganz besonders. Stadler sucht vor allem nach Fachkräften wie Automatikerinnen und spezialisierte Elektriker.
Der Bau eines neuen Werks ist ein Beleg dafür, dass es bei Stadler läuft. Im ersten Halbjahr kletterte der Umsatz um 40 Prozent auf 2 Milliarden Franken. Grund dafür: Stadler lieferte zügig neue Fahrzeuge aus und steigerte die Produktion. Das sorgt auch unter den Anlegern für Jubel. Seit Jahresbeginn hat die Aktie um mehr als 47 Prozent zugelegt.
Rumpel-Frust beim «Erdbeben-Trämmli»
Ganz ohne Nebengeräusche läuft es für Stadler aber nicht. Ausgerechnet das Vorzeige-Tram Tina sorgt für Ärger. Die deutsche Stadt Halle steht jetzt auf die Bremse. Die Trams rumpeln derart heftig über die Schienen, dass die Stadt vorerst keine weiteren Trams abnehmen will, wie «CH Media» zuerst berichtet hat. Auch in Darmstadt (D) klagen Anwohner lautstark über Lärm und Risse an Gebäuden.
Dort will Stadler Rail nun gegensteuern: Am Montag gab Stadlers Deutschland-Tochter bekannt, dass ein Darmstädter Fahrzeug mit Schwingungstilgern aufgerüstet wird. Sie sollen die Erschütterungen dämpfen. Der Test im Liniennetz startet noch im November.
Auch in der Schweiz kennt man das Problem längst: In Basel kassierten die Tina-Trams den unrühmlichen Spitznamen «Erdbeben-Trämmli». Dort probieren es die Basler Verkehrs-Betriebe mit einem anderen Kniff: Ein Tram wurde mit gummigefederten Rädern ausgerüstet, um das Scheppern zu stoppen.