Patrick Inauen
Der Unternehmer aus Schwanden GL baut Seilbahnen für die ganze Welt

In Schwanden tüfteln Patrick Inauen und sein Team an Seilbahnen, die weltweit im Einsatz sind – von Peru bis Madeira. Die Glarner Firma Inauen-Schätti AG erschliesst Berge und baut Speziallösungen für Zoos, Stadien und sogar den Papst.
Kommentieren
Patrick Inauen lehnt auf dem Brunnenberg an eine Kabine einer seiner Seilbahnen. Was ihn antreibt? «Seile, Stahl und steile Ideen.»
Foto: Nik Hunger

Darum gehts

Die Zusammenfassung von Blick+-Artikeln ist unseren Nutzern mit Abo vorbehalten. Melde dich bitte an, falls du ein Abo hast.

Max Fischer
SI_Logo_2022_RGB_RZ (1).jpg

«Jede Woche bringt frische Herausforderungen», sagt Patrick Inauen (41) auf der Bergstation der Brunnenbergbahn in Luchsingen GL. Die touristische Seilbahn stammt aus seinem Werk im nahen Schwanden. Dort tüfteln, schweissen, fräsen und hirnen 30 der 70 Mitarbeitenden der Inauen-Schätti AG an Transportmitteln, bei denen das Seil im Mittelpunkt steht. «Kein Projekt gleicht dem andern», sagt der CEO.

Die Glarner erschliessen steile Bergregionen, Aussichtspunkte und abgelegene Privatgrundstücke – oder überwinden Klippen und Flüsse. Ihr Spektrum reicht weiter von Pendelbahnen wie Grimselnollen–Hausenegg über Werkseilbahnen wie die Löntsch-Bahn und Kraftwerkbahn wie Winkelmatten–Zmutt oberhalb von Zermatt, aber auch Lawinenauslösesysteme und Schrägaufzüge. Hinzu kommen Anlagen auf der portugiesischen Insel Madeira oder jüngst eine Bahn in der peruanischen Hauptstadt Lima. Wo andere an Beton, Bagger und Zufahrten denken, suchen die Glarner nach einer Lösung mit dem Seil.

Artikel aus der «Schweizer Illustrierten»

Dieser Artikel wurde erstmals in der «Schweizer Illustrierten» publiziert. Näher dran – an Stars, Royals und Menschen mit Geschichten. Hier gehts zum Abo!

Dieser Artikel wurde erstmals in der «Schweizer Illustrierten» publiziert. Näher dran – an Stars, Royals und Menschen mit Geschichten. Hier gehts zum Abo!

Tiger, Giraffen und der Papst

Gefragt sind die Daniel Düsentriebs aus dem Glarnerland auch abseits der Berge: Für Knies Kinderzoo bauten sie eine Futterseilbahn für Giraffen, im Zoo Zürich eine Anlage für die Tigerfütterung. Das Unternehmen fertigte die Seilkonstruktion für die Überdachung des Wembley-Stadions in London. Auf dem SBB-Werkareal in Olten bewegt eine Inauen-Schätti-Verschiebeplattform Züge. Für den Papst entwickelte die Firma ein Spezialmobil, das eine neue Orgel hydraulisch anhob und durch die Sala Regia in die Sixtinische Kapelle manövrierte. «3,5 Tonnen mussten durch historische Gemäuer gezirkelt werden. Da durfte nichts kaputtgehen!», erinnert sich Inauen.

Frisch lackiert: Anlage- und Apparatebauer Lukas Seiler hievt eine fünf Tonnen schwere Lasttraverse in die Höhe – Chef Inauen wirft ein Auge darauf.
Foto: Nik Hunger

Der ETH-Maschineningenieur führt das Familienunternehmen in dritter Generation. Sein Grossvater hatte die Firma einst mit zwei Onkeln übernommen und ausgebaut. Inauen-Schätti und ihre Vorgängerfirmen gibt es seit über 60 Jahren.

Wind, Schnee und Hitze

«Seilbahnen sind eines der sichersten Transportmittel», sagt Inauen. Nach der Montage folgen Prüfungen durch interne und externe Fachstellen sowie in der Schweiz durch das Bundesamt für Verkehr oder das Interkantonale Konkordat für Seilbahnen. Konstruktion, Materialwahl, Steuerung und Rettungskonzept müssen bei Wind, Schnee, Hitze und im Alltag zusammenspielen.

Seilscheiben werden in Schwanden für den Einsatz in der Schweiz, auf Madeira und in den USA vorbereitet.
Foto: Nik Hunger

Wie kann eine Firma aus dem Glarner Hinterland international mitspielen? «Unsere überschaubare Grösse erlaubt schnelle, pragmatische Lösungen für individuelle Kundenwünsche.» Entscheidend seien die Mitarbeitenden: «Wir können auf tolle Leute zählen. Sie sind top ausgebildet, agil und flexibel.» Inauen kennt alle beim Namen. «Es geht familiär zu und her.» Wer über Jahre gute Arbeit geleistet habe, erhalte eine Chance – selbst ohne formales Diplom.

Nach dem ETH-Studium wollte er nicht sofort als Chef einsteigen. «Ich füllte meinen Rucksack zuerst extern.» Beim Spezialisten Intamin arbeitete er an Freizeitpark-Grossprojekten in China, Brasilien und Europa. «Unter anderem realisierten wir für die Universal Studios in den USA eine Harry-Potter-Anlage. Das war gigantisch!» Eine harte, aber einmalige Schule für den jungen Ingenieur. 2016 stieg er bei Inauen-Schätti ein – mit internationalem Projektwissen und Respekt vor der Handwerkskunst in Schwanden.

Hier gehts heiss zu: Schweissarbeiten für das Chassis einer Schiebebühne für die SBB.
Foto: Nik Hunger

«Mit Seilbahnen bin ich von Kind auf gross geworden», sagt er. Mit seinem Grossvater reiste er im Winter oft von Skigebiet zu Skigebiet. Nun denkt er die Seiltechnik weiter: «Ich würde gerne unser Kompaktsolar-System realisieren.» Dabei tragen Seilkonstruktionen Solarmodule statt massiver Tische – leichter, flexibler und mit weniger Eingriffen in die Landschaft. «Mir schwebt das in Regionen mit bestehender Ski-Infrastruktur vor, nicht in der freien Bergwelt. Zu dieser müssen wir Sorge tragen.» Doch zuerst startet Patrick Inauen mit seiner Frau Sabrina und den drei Kindern ein persönliches Abenteuer: Es geht mit dem Camper einen Monat durch Kanada. «Das wird sicher toll!»

Was sagst du dazu?
Liebe Leserin, Lieber Leser
Der Kommentarbereich von Blick+-Artikeln ist unseren Nutzern mit Abo vorbehalten. Melde dich bitte an, falls du ein Abo hast. Noch kein Blick+-Abo? Finde unsere Angebote hier:
Hast du bereits ein Abo?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen