Darum gehts
- Nico Scherrer (19) erlebt Horror mit Miettransporter von Otto's in Netstal
- Datenbankfehler führte zu falschem Diebstahlverdacht und verweigerter Pannenhilfe
- 450 statt 50 Franken Mietkosten aufgrund von Missverständnissen
Nico Scherrer (19) kann noch immer nicht glauben, was er am letzten Wochenende im März mit einem Mietauto von Otto's erlebt hat. «Ich wollte nur zügeln, aber es wurde zum blanken Horror», sagt der junge Mann aus dem Kanton St. Gallen zu Blick.
Wegen eines Datenbankfehlers wird er bezichtigt, den Transporter gestohlen zu haben. Sogar die Polizei wird eingeschaltet! Dabei war das Fahrzeug defekt und Scherrer liess es in eine Werkstatt abschleppen.
Crash in Küblis GR
Am Freitagabend holte Scherrer den Miettransporter bei Otto's in Netstal GL. Er wollte seine Möbel in die neue Wohnung im Prättigau fahren. Abgemacht war, dass er das Auto am Samstagvormittag bis um 9 Uhr zurück auf den Parkplatz in Netstal stellt. Kostenpunkt: 50 Franken für die Miete, plus die zurückgelegten Kilometer.
Doch das ging mächtig schief. Während des Umzugs touchierte Scherrer in Küblis GR mit dem vollgeladenen Transporter zwei parkierte Autos. Der Schaden am Miettransporter war schlimm, er konnte nicht mehr weiterfahren.
Für den jungen Mann brach eine Welt zusammen. «Ich habe die Nummer angerufen, die im Mietauto für Unfälle notiert ist. Es war die Nummer von Totalmobil», sagt Scherrer.
Doch er wird böse überrascht: «Sie sagten, dass es für das Fahrzeug keine Versicherungsdeckung gäbe. Und dass sie deshalb keinen Abschleppdienst organisieren.»
Unverhoffte Hilfe vor Ort
Darauf rief Scherrer die Versicherung an, bei der das Auto gemäss Fahrzeugausweis eingelöst ist: die Allianz. «Die waren extrem freundlich», sagt Scherrer. «Sie haben mir aus Kulanz den Transport zu einer Werkstatt in Klosters organisiert. Sie stellen eigentlich nur die Haftpflicht, für das Abschleppen wäre Totalmobil zuständig.»
Mittlerweile war auch der Besitzer der beiden beschädigten Fahrzeuge vor Ort eingetroffen. Es sind Firmenwagen des Unternehmers Sergio Laim (28). Er sieht den verzweifelten Scherrer und beschliesst, ihm zu helfen. «Ich rief ein paar Leute aus unserem Team an, sie kamen mit ihren Autos. Wir luden die Möbel ein und brachten sie in unser Lager in Untervaz GR», sagt Laim zu Blick.
Plötzlich im Verdacht
Am Samstag meldete sich plötzlich Otto's bei Scherrer. Der Grund: Das Auto stehe nicht wie abgemacht auf dem Parkplatz in Netstal. «Sie riefen mich an und wollten wissen, wo das Auto ist», sagt Scherrer. «Ich ging davon aus, dass jemand von der Versicherung oder dem Abschleppdienst Otto's informiert hätte.»
Scherrer erklärte die Situation. Nur: «Sie glaubten mir nicht. Sie sagten, das Auto muss nach Netstal, sonst melden sie es als gestohlen.» Scherrer rief auf die Drohung hin präventiv bei der Polizei an. Fast gleichzeitig tat es auch Otto's.
Statt das defekte Auto gleich in der Werkstatt in Klosters reparieren zu lassen, wollte Otto's das Auto zurück. Sofort! Scherrer organisierte wieder, Sergio Laim half erneut aus.
Schliesslich stand der Van am Montagmorgen bei Otto's auf dem Parkplatz. Doch jetzt soll Scherrer blechen: Statt der 50 Franken für einen Tag soll er jetzt für drei Tage 450 Franken Miete berappen.
TCS entschuldigt sich
Speziell: Eigentlich wäre Scherrer die Odyssee erspart geblieben, wäre es nicht zu einem Fehler beim TCS gekommen. Dieser übernimmt für Totalmobil das Notfalltelefon in der Nacht und an Feiertagen – so auch während des Unfalls von Scherrer.
TCS-Sprecherin Vanessa Flack erklärt auf Blick-Anfrage: «Der Fehler entstand beim ersten Telefonkontakt mit Totalmobil. Dabei wurde fälschlicherweise das Kennzeichen abgefragt, nicht jedoch die Fahrzeug-Identifikationsnummer. Da diese beiden Angaben nicht miteinander verknüpft sind, wurde das Fahrzeug leider als nicht gedeckt eingestuft.»
So habe Scherrer die Auskunft erhalten, dass Pannenhilfe nur gegen Bezahlung in Anspruch genommen werden könne. Flack sagt: «Der Fall wurde geklärt, die vom Betroffenen selbst organisierte Pannenhilfe wird entschädigt.» Der TCS hat sich bei Scherrer entschuldigt.
Vorwürfe gegen Otto's
Otto's sieht sich schuldfrei. Sprecher Roger Bisang schreibt auf Blick-Anfrage, dass der Mieter vorerst telefonisch nicht erreichbar gewesen sei. Und weiter: «Als er dann zurückgerufen hat, verlangten wir einen Nachweis – ein Foto des Schadens, Visitenkarte des Polizisten, Unfallprotokoll oder Ähnliches.»
Scherrer habe jedoch keine Informationen übermittelt. «Die Filiale kontaktierte die Polizei, um bestätigen zu lassen, ob der Mietwagen tatsächlich in einen Unfall verwickelt war», sagt Bisang. «Die Patrouille, die anschliessend in der Filiale Netstal vorbeikam, konnte dies anhand eines Unfallprotokolls sowie Fotos des Fahrzeugs bestätigen.»
Nico Scherrer und Sergio Laim widersprechen dieser Darstellung. Scherrer sagt: «Ich wurde sehr unfreundlich behandelt. Ich forderte eine E-Mail-Adresse, um Fotos oder Protokoll zu schicken. Ich bekam keine – bis heute.»
Sergio Laim, der den ganzen Prozess begleitet hat, bestätigt gegenüber Blick: «Das war ein massives Fehlverhalten gegenüber dem Kunden.»
Scherrer weigert sich deshalb bislang, die 450 Franken an Ottos's zu zahlen.