VA Toni Fritsche erstes Windrad Appenzell
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Bauer Toni Fritsche trotzt fehlender Bewilligung:«Ich höre nur Gutes über das Windrad»

Bauer Toni Fritsche betreibt illegales Windrad
«Es ist ein Armutszeugnis»

Toni Fritsche (65) aus Schlatt im Kanton Appenzell Innerrhoden ist ein extrem sparsamer Mensch. Jetzt hat er das erste Windrad im Kanton in Betrieb genommen – ohne Bewilligung! Blick hat ihn besucht.
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Toni Fritsche vor seinem Windrad.
Foto: Sandro Zulian

Darum gehts

  • Toni Fritsches knapp 30 Meter hohes Windrad in Schlatt AI ist das erste im Kanton
  • Fritsche lebt extrem sparsam, autark und heizt zu Hause praktisch nie
  • Er hat eine Projektänderung eingereicht; ohne Bewilligung droht der Rückbau des Windrads
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Sandro ZulianReporter News

Für einige dürfte Anton «Toni» Fritsche aus Schlatt AI ein Spinner sein. Für andere wiederum ist er ein Vorbild. Der 65-jährige Innerrhoder Bauer lebt praktisch vollständig autark – er ist vom Netz und vom System fast gänzlich unabhängig. Er hat eine Solaranlage auf dem Dach und eine Biogasanlage im Keller.

«Ich produziere doppelt so viel Strom, wie ich selbst brauche. Aber halt nicht dann, wenn ich ihn brauche», sagt der Bartträger mit dem wettergegerbten Gesicht und lacht.

«Zum Heuen reichts»

Nicht nur in Sachen Strom ist Fritsche sparsam. Seine Faserpelzjacke ist zerfranst, den kaputten Reissverschluss hat er behelfsmässig mit einer Büroklammer wieder festgemacht. «Für den Stall reichts», sagt er in breitestem Appenzellerdeutsch.

Gemäss eigenen Aussagen besitzt er «nur ein Pärchen Gummistiefel, das noch ganz ist» – und das hat ihm jemand geschenkt. Nie würde er selber ein Paar kaufen. «Ich habe noch zwei, die sind zwar oben kaputt, aber die Sohle ist noch ganz.» Also benutzt er die zerfetzten Schuhe im Sommer. «Zum Heuen reichts.» Frugalität ist der Trendbegriff, Fritsche lebt die Sparsamkeit in Reinform. «Aus allem etwas machen», ist sein Leitsatz.

Toni Fritsche aus Schlatt AI – im Hintergrund sein Windrad.
Foto: Sandro Zulian

Seinen «Rapid», eine Landwirtschaftsmaschine, hat er auf Elektro umgerüstet, und auch bei sich selbst macht der pensionierte Landwirt derartige Abstriche, bei denen den meisten schwindlig werden könnte. «Ich heize praktisch nie. Wenn ich kalt habe, gehe ich ins Bett.» Schafwolle hält ihn warm.

Verschiedene Elektroautos stehen auf seinem Hof. Als nächstes Projekt will er seinen Traktor auf Elektro umrüsten.

Innerrhoder Pionier wider Willen

Seit einiger Zeit steht bei Fritsche auf dem Hof auch ein knapp 30 Meter hohes Windrad. Seine Beweggründe: «Ich will keinen Atomstrom und auch keinen Strom, an dem jemand anderes einen Haufen dran verdient.» Sonne und Wind seien fast immer da. «Wir Bauern müssen nur ernten!» Seit SRF erstmals über ihn berichtete, kann sich Fritsche vor Reportern kaum mehr retten. Dass er das allererste Windrad im Kanton betreibt, macht ihn aber nicht stolz, sondern traurig: «Das ist ein Armutszeugnis.»

Und es gibt noch ein Problem: Fritsche hat für die Windkraftanlage keine Bewilligung. Er präzisiert: «Ich habe nicht keine Bewilligung, sondern eine Bewilligung für ein anderes Rad.» Ursprünglich wäre eine andere Anlage auf seinem Hof geplant gewesen, aber diese kam aus verschiedenen Gründen nicht zustande.

Das Windrad ist knapp 30 Meter hoch.
Foto: Sandro Zulian

Auf Anfrage erklärt Markus Manser von der Bauverwaltung Inneres Land in Appenzell Innerrhoden nüchtern: «Das damals bewilligte Bauvorhaben ist nicht innert der gesetzlich vorgeschriebenen Frist umgesetzt worden, und die Baubewilligung ist zwischenzeitlich abgelaufen.» Schlimmstenfalls muss Fritsche sein Windrad wieder abbrechen, denn dann «ordnet die zuständige Behörde die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands an».

Zur Not sammelt er Unterschriften

Dass er für das jetzt aufgestellte Windrad eine Genehmigung erhält, hofft Fritsche schwer: «Ich habe am Freitag eine Projektänderung eingegeben und habe mit dem Amt ein gutes Einvernehmen. Ich hoffe, das klappt.»

Bei sechseinhalb Metern Windgeschwindigkeit macht die Anlage etwa sechseinhalb Kilowatt. Das entspreche etwa einer Stunde kochen auf drei Herdplatten. «Da machst du also ein rechtes Menu», sagt Fritsche. Ein Vielfaches davon, was Fritsche für sich selbst braucht. Überschüssigen Strom speist er ins Netz.

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Die Reaktionen auf sein Windrad von Nachbarn und Spaziergängern seien durchwegs positiv gewesen. «Nur einer meinte, er wolle es nicht sehen.» Sollte Fritsche die Bewilligung dieses Mal verwehrt bleiben, hat er bereits ein Ass im Ärmel. «Ich glaube, für mich wäre eine Unterschriftensammlung hier nicht so eine grosse Sache.»

Er isst hartes Brot – wortwörtlich

Während des Interviews wird klar, wie weit die Sparsamkeit des 65-Jährigen tatsächlich reicht. «Ich muss kurz die Nase schnäuzen», sagt er, dreht sich ab und schnäuzt mit zwei Fingern an der Nase auf die Weide. «Ein Schnupftuch habe ich keins. Denn das müsste ich waschen. Und ich wasche nicht.» Warmwasser hat er ohnehin nicht.

Fritsche baut Gemüse selbst an, das wenige Fleisch, das er braucht, bekommt er von seinen Kühen. Und: Er bezieht aus der Region altes Brot, das er dann verspeist. «Es gibt kein hartes Brot», sagt er mit Nachdruck. Ob er denn monatlich überhaupt einen Fünfliber ausgebe, will Blick wissen. «Wenn's frei tuet, bruuchi ke Göld», sagt Fritsche und lacht. Heisst: «Wenn alles gut läuft, brauche ich kein Geld.»

Ein Wermutstropfen bleibt. Fritsches extreme Sparsamkeit und die kompromisslose Autarkie haben seine Ehefrau von ihm weggetrieben. Sein Lächeln weicht: «Ja, sie ist fort. Das reut mich. Aber mein Lebensstil ist auch wirklich nichts für eine Frau.»

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