Polizei verhaftet Iraner wegen Mullah-Flagge
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Vor Botschaft in Bern:Polizei verhaftet Iraner wegen Mullah-Flagge

O.S. riss Mullah-Flagge in Bern herunter – Festnahme!
«Die Welt muss erfahren, was in meinem Land passiert»

O.S. aus Zürich drang auf das Gelände der iranischen Botschaft in Bern vor und holte die Fahne des Regimes vom Mast. Jetzt ermittelt die Polizei – doch das kümmert ihn nicht.
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Die Polizei verhaftet O.S. vor der iranischen Botschaft in Bern.
Foto: Zvg

Darum gehts

  • Ein iranischer Aktivist holte die Mullah-Flagge der Botschaft in Bern herunter
  • Die Polizei nahm ihn auf den Posten mit, ihm droht eine Busse
  • Mindestens 3000 Menschen im Iran durch das Regime getötet
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Fabian EberhardStv. Chefredaktor SonntagsBlick

«Lang lebe der König!», ruft eine Frau auf einem verwackelten Handy-Video. Die Aufnahmen stammen vom Anfang der Woche. Sie zeigen, wie Polizisten vor der iranischen Botschaft in Bern einen Mann festnehmen. Kurz zuvor hat dieser die Mullah-Flagge im Vorgarten der Botschaft vom Mast geholt – aus Protest gegen das Regime.

Der Mann auf dem Video ist O.S.* (39), ein iranischer Jude aus Zürich. «Die ganze Welt muss erfahren, was die Islamisten mit meinem Land und meinem Volk machen», sagt er zu Blick.

Tausende getötet

In seiner Heimat Iran ist ein Aufstand im Gange. Hunderttausende demonstrieren gegen das islamistische Regime. Die Mullahs reagieren mit brutaler Repression: Mindestens 3000 Menschen sollen bereits getötet worden sein, viele weitere wurden verhaftet. Die Bevölkerung ist weitgehend vom Rest der Welt abgeschnitten. Nur vereinzelt dringen Bilder nach aussen, das Regime hat das Internet gekappt.

«Die internationale Gemeinschaft muss sich jetzt entscheiden, auf welcher Seite der Geschichte sie stehen will», sagt S. «Entweder auf Seite der Islamisten oder auf derjenigen der iranischen Bevölkerung.»

Aufruf des Schah-Sohns

S. folgte mit seiner Aktion einem Aufruf von Reza Pahlavi, dem Sohn des 1979 gestürzten Schahs. Er forderte Exil-Iranerinnen und Exil-Iraner auf, die Fahnen der Mullahs auf der ganzen Welt herunterzuholen. Ähnliche Aktionen wie in Bern gab es auch in London, Helsinki oder Canberra.

Aus seinem Exil in den USA ruft Pahlavi seit Wochen zum Sturz des Regimes auf. Er schlug unter anderem einen Generalstreik vor und erklärte Einrichtungen der Mullahs zu «legitimen Zielen».

Viele Protestierende im Iran haben sich in den vergangenen Tagen hinter den Exil-Kronprinzen gestellt. Während der Demonstrationen war immer wieder die Parole «Lang lebe der König» zu hören. Es gibt jedoch auch Teile der Bevölkerung, die Pahlavi skeptisch gegenüberstehen.

Polizei nimmt O.S. fest

O.S. wurde nach seiner Aktion bei der Botschaft in Bern in Handschellen abgeführt. Die Polizei liess ihn jedoch noch am selben Abend wieder frei.

Die Kantonspolizei Bern bestätigt den Vorfall. Sprecherin Cindy Schneider sagt: «Die Einsatzkräfte konnten den Mann vor Ort anhalten und kontrollieren. Anschliessend wurde er zur weiteren Abklärung auf eine Polizeiwache gebracht.»

Ermittlungen wegen Hausfriedensbruchs

S. droht nun eine Strafe wegen Sachbeschädigung und Hausfriedensbruchs. Bereits 2023 hatte die Bundesanwaltschaft zwei Exil-Iraner verurteilt, die in Bern die Mullah-Flagge vom Mast der Botschaft geholt hatten.

Die beiden Aktivisten wurden damals zu einer bedingten Geldstrafe verdonnert, schuldig gesprochen wegen Landfriedensbruchs und tätlichen Angriffs auf fremde Hoheitszeichen. Laut Artikel 298 des Strafgesetzbuchs wird bestraft, wer «Hoheitszeichen eines fremden Staates, die von einer anerkannten Vertretung dieses Staates öffentlich angebracht sind, (...) böswillig wegnimmt, beschädigt oder beleidigende Handlungen daran verübt».

S. sagt dazu: «Sich an das Gesetz zu halten, ist nicht immer auch moralisch das Richtige.» Er stehe zu seiner Tat.

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