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Von Zecke gebissen?Bei diesen Symptomen musst du zum Arzt

60 Patienten positiv getestet, 9 mussten ins Spital: Forscher finden unbekanntes Bakterium – die Spur führt in die Schweiz
Jetzt taucht die nächste Zecken-Krankheit auf

Die Zecke wird zum Herbst-Schreck: Eine Studie aus Slowenien weist auf einen bislang unbekannten Krankheitserreger hin. Dieser soll Fieber nach einem Zeckenstich auslösen. Ein Zürcher Arzt kam dem Erreger schon 2015 auf die Spur.
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Das Universitätsspital Zürich deckte 2015 das Bakterium Spiroplasma ixodetis auf. Wie weit es in Europa verbreitet ist, ist unklar.
Foto: Sven Thomann

Darum gehts

  • Slowenische Forschende fanden Spiroplasma ixodetis bei 60 von 337 Patienten mit unklarem Fieber
  • Viele Betroffene hatten Kopfschmerzen, veränderte Blut- und Leberwerte, neun mussten ins Spital
  • Ein Zürcher Arzt wies Spiroplasmen 2015 nach, Hinweise auf einen Ausbruch in der Schweiz fehlen
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Anja Schelbert

Borreliose, Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) – und jetzt auch noch das? In Slowenien sind Forscher einer weiteren möglichen Zeckenkrankheit auf die Spur gekommen. Ihr Name: humane Spiroplasmose. Dahinter steckt das bislang kaum bekannte Bakterium Spiroplasma ixodetis. 60 von 337 Patienten, die zwischen 2015 und 2025 wegen rätselhafter Fiebererkrankungen untersucht worden waren, trugen den neuen Erreger im Blut.

Besonders brisant: Bei vielen Patienten führt die Spur direkt zur Zecke: Gleich 42 der 60 positiv getesteten Patienten berichteten von einem Stich. 34 erinnerten sich sogar daran, nur ein bis drei Wochen vor Krankheitsbeginn gestochen worden zu sein. Für die Forscher ein verdächtiges Muster.

Damit nicht genug: Die Forscher entdeckten genetisch eng verwandte Bakterien auch im Gemeinen Holzbock. Ausgerechnet jener Zeckenart, die auch in der Schweiz weit verbreitet ist.

Für die Erkrankten blieb es nicht bei ein bisschen Fieber. 57 der 60 positiv getesteten Patienten klagten über Kopfschmerzen. Bei vielen gerieten auch die Blutwerte durcheinander: Die Zahl der weissen Blutkörperchen sank, die Leberwerte stiegen. Neun Patienten mussten sogar ins Spital.

Schweizer Arzt hatte den Erreger schon vor elf Jahren im Visier

Was die slowenischen Forscher jetzt aufgedeckt haben, weckt bei einem Schweizer Arzt Erinnerungen. Denn bereits vor elf Jahren gerieten Spiroplasma-Bakterien am Universitätsspital Zürich (USZ) in den Blick der Ärzte.

Damals erkrankte eine 70-jährige Frau nach einer Lungentransplantation an einer Leberentzündung. Die Ärzte standen zunächst vor einem Rätsel. Die Patientin musste Medikamente einnehmen, die ihr Immunsystem unterdrückten. Eine Infektion konnte deshalb besonders gefährlich werden.

Der Zürcher Infektiologe Nicolas Müller fand schliesslich den Übeltäter: Spiroplasma-Bakterien. Weltweit war es der erste dokumentierte Fall einer durch diese Bakterien ausgelösten Hepatitis. Dank Antibiotika konnte die Frau erfolgreich behandelt werden.

Schon damals fiel der Verdacht auf Zecken. Denn Forscher der Universität Zürich hatten Spiroplasmen bereits in heimischen Zecken nachgewiesen. Für Müller war ein Zeckenstich die plausibelste Erklärung. Nur: Der entscheidende Beweis fehlte.

Jetzt, elf Jahre später, bekommt der alte Verdacht neuen Auftrieb. Als Blick Müller mit den Studienergebnissen aus Slowenien konfrontiert, ist der Infektiologe überrascht. «Das unterstützt deutlich, was wir damals nicht beweisen konnten», sagt er.

Droht uns jetzt die nächste Zeckenkrankheit?

Die Frage drängt sich auf: Müssen wir uns jetzt vor dem neuen Erreger fürchten? Und das ausgerechnet jetzt, wo die Zecken in der Schweiz auf dem Vormarsch sind: Knapp 18'000 Zeckenstiche registrierten die Unfallversicherer allein 2025 – so viele wie seit fünf Jahren nicht mehr (siehe Grafik).

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Müller gibt vorerst Entwarnung. Hinweise auf einen grösseren Ausbruch gibt es nicht. Und die bisherigen Krankheitsverläufe machen Hoffnung. «Es scheint eine selbstlimitierende Erkrankung zu sein», sagt der Infektiologe. Heisst: Die Krankheit verschwindet offenbar häufig von selbst wieder.

Doch einen Haken gibt es. Für Menschen mit geschwächtem Immunsystem könnte der Erreger zum Problem werden. Besonders aufmerksam sollten beispielsweise Patienten sein, die eine Chemotherapie erhalten.

Und noch eine Frage steht im Raum: Ist das Bakterium in der Schweiz längst unterwegs, ohne dass es jemand merkt? Schliesslich gehört Spiroplasmose nicht zu den Krankheiten, auf die Ärzte bei Fieber nach einem Zeckenstich routinemässig testen. Um den Erreger aufzuspüren, können aufwendige genetische Untersuchungen nötig sein. Wie verbreitet das Bakterium tatsächlich ist und wie gefährlich es für gesunde Menschen werden kann, bleibt damit offen.

«Die Studie unterstützt deutlich, was wir damals nicht beweisen konnten», sagt Nicolas Müller, leitender Arzt an der Klinik für Infektiologie und Spitalhygiene am Universitätsspital Zürich.
Foto: nico.wick@usz.ch

«Wir müssen das im Auge behalten»

Auf jeden Fall gilt: Wer nach einem Zeckenbiss Auffälligkeiten oder an der Einstichstelle Rötungen feststellt, soll sich unbedingt untersuchen lassen. Müllers Forderung: «Wir kennen diese Krankheit noch nicht gut genug. Ich glaube, wir müssen das im Auge behalten.»

Denn: Die kleinen Blutsauger sind noch längst nicht in der Winterpause. Laut Bundesamt für Gesundheit sind Zecken in der Schweiz vor allem von März bis November aktiv – bei milden Temperaturen sogar noch länger. Sie lauern im Unterholz und in hohem Gras.

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