Darum gehts
- Eine Mainzer Studie zeigt nach zwei Tabaksticks erhöhten Blutdruck und steifere Blutgefässe
- Nach dem Konsum sank die venöse Sauerstoffsättigung, zudem stellten Forschende DNA-Schäden fest
- In der Schweiz nutzen 3,3 Prozent ab 15 Jahren monatlich erhitzten Tabak, 2,3 Prozent täglich
Krebs in Lunge, Kehlkopf und Mundhöhle, ernsthafte Herz-Kreislauf-Erkrankungen bis hin zum Herzinfarkt oder Schlaganfall – das alles können Folgen sein, wenn man raucht. Das ist grundsätzlich bekannt und offenbar trotzdem nicht abschreckend genug.
Tabakerhitzer als weniger schädliche Alternative anzusehen, greift zu kurz, wie eine neue Studie der Universitätsmedizin Mainz in Deutschland zeigt.
Was sind Tabakerhitzer überhaupt?
Anders als bei herkömmlichen Zigaretten wird der Tabak bei Tabakerhitzern nicht verbrannt, sondern erhitzt. Dadurch entstehen weniger Verbrennungsprodukte. Nikotin und andere potenziell gesundheitsschädliche Stoffe werden jedoch weiterhin aufgenommen.
Was haben die Forschenden untersucht?
An der Studie der Universitätsmedizin Mainz nahmen 30 ansonsten gesunde erwachsene Raucherinnen und Raucher teil. Ihnen wurde jeweils vor und nach dem Konsum von zwei Tabaksticks Blut abgenommen, der Blutdruck gemessen und die Blutgefässe mittels Ultraschall untersucht. So konnten die Forschenden die unmittelbaren Auswirkungen des Konsums vergleichen.
Bereits nach den zwei Tabaksticks stieg der Blutdruck der Teilnehmenden, die Blutgefässe waren weniger elastisch. Ausserdem sank die venöse Sauerstoffsättigung von 71 auf 46 Prozent. Die Forschenden stellten ausserdem DNA-Schäden an Blutzellen fest.
Sind Tabakerhitzer also genauso schädlich wie Zigaretten?
Das lässt sich anhand der Studie nicht abschliessend beantworten. Die Ergebnisse zeigen, dass bereits ein kurzer Konsum von erhitztem Tabak gesundheitlich bedenkliche Veränderungen hervorrufen kann. Ob diese langfristig bestehen bleiben und wie sich die Risiken im direkten Vergleich zu herkömmlichen Zigaretten entwickeln, muss weiter untersucht werden.
Warum sind Tabakerhitzer trotz geringerer Verbrennungsschadstoffe problematisch?
Ein wesentlicher Faktor ist das Nikotin. Dieses kann die Gefässinnenwände beeinträchtigen und den Blutdruck erhöhen. «Kein nikotinhaltiges Produkt, egal ob geraucht, erhitzt, verdampft oder resorbiert, kann als sicher für das Herz und die Blutgefässe angesehen werden», erklärt Studienmitautor Thomas Münzel.
Welche Konsequenzen fordern die Forschenden?
Die Studienautoren sprechen sich für strengere und einheitliche Regeln für sämtliche Nikotinprodukte aus. Ausserdem seien grössere Langzeitstudien notwendig, um die gesundheitlichen Folgen von Tabakerhitzern besser beurteilen zu können.
Wie viele Menschen in der Schweiz nutzen mittlerweile Tabakerhitzer?
Noch rauchen in der Schweiz deutlich mehr Menschen herkömmliche Zigaretten, als dass sie Tabakerhitzer nutzen. Gemäss der jüngsten Erhebung des Bundesamts für Gesundheit konsumierten 2025 rund 3,3 Prozent der Bevölkerung ab 15 Jahren mindestens einmal monatlich erhitzten Tabak. Das entspricht etwa jeder 30. Person. Nur gerade 2,3 Prozent rauchen die Produkte täglich.
Rund jeder zehnte herkömmliche Zigarettenraucher verwendet zusätzlich Tabakerhitzer. Die Geräte ersetzen klassische Zigaretten also nicht, sondern werden teils parallel konsumiert.
Seit wann gibt es überhaupt Tabakerhitzer?
Die Technologie ist deutlich älter, als man vermuten könnte. Bereits in den 1980er- und 1990er-Jahren experimentierte die Tabakindustrie mit solchen Produkten. 1988 kam ein Vorläufer der heutigen Geräte auf den Markt. Das Produkt aber floppte und wurde 1989 wieder eingestellt.
Philip Morris stellte 1997 ein System vor, bei dem spezielle Tabaksticks in einem separaten Gerät erhitzt wurden. Dauerhaft durchsetzen konnte sich das Produkt nicht. Erst mit der Einführung von Iqos gelang dem Unternehmen im Jahr 2014 ein grösserer kommerzieller Durchbruch.