Darum gehts
- Neue Studie aus Davos klärt, warum Schneeschichten in Lawinen brechen
- Zusätzlicher Druck macht Schnee instabiler, sagen Forscher des WSL-Instituts
- 63 Schwachschicht-Proben im Labor untersucht, Hochgeschwindigkeitskamera dokumentiert Brüche
Das Versagen von Schneeschichten ist in der Lawinenforschung schon lange ein wichtiges Thema. Besonders sogenannte Schwachschichten werden oft mit einem Kartenhaus verglichen: Wenn zu viel Belastung herrscht, bricht alles zusammen und es kann zu Schneebrettlawinen kommen.
Eine neue Studie des WSL-Instituts für Schnee- und Lawinenforschung in Davos GR liefert dazu neue Erkenntnisse. Bisher war nicht genau klar, welche Kräfte dafür sorgen, dass diese Schwachschichten tatsächlich brechen.
Es gibt zwei massgebliche Kräfte
Im Labor haben die Forscher Schneeproben untersucht und angeschaut, wie die Schwerkraft auf Schnee am Hang wirkt. Dabei unterscheiden sie zwei Kräfte: Die eine drückt den Schnee senkrecht nach unten (Normalkraft), die andere zieht ihn entlang des Hangs nach unten (Scherkraft). Je steiler der Hang ist, desto stärker wirkt diese «Hang-abwärts-Kraft». Mit einer Hochgeschwindigkeitskamera konnte genau beobachtet werden, wann die Schichten brechen.
Seit den 1970er-Jahren gibt es in der Lawinenforschung zwei verschiedene Ansichten darüber, wie Schnee unter Belastung bricht. Insgesamt wurden dazu bisher rund 20 Studien veröffentlicht.
Mehr Druck macht Schneedecke anfälliger
Die erste Theorie besagt, dass mit zunehmendem Druck senkrecht auf den Schnee auch die Kraft, die den Schnee parallel zum Hang verschiebt, grösser sein muss, damit ein Bruch entsteht. Die zweite Theorie geht davon aus, dass ein stärkerer Druck von oben den Schnee sogar instabiler macht und es deshalb schon bei geringerer Scherkraft zu einem Bruch in der Schwachschicht kommen kann.
Neue Ergebnisse des WSL-Instituts stützen die zweite Theorie. Zusätzlicher Druck macht die Schneedecke nicht stabiler, sondern das Zusammenspiel von Druck und Scherkraft gemeinsam führt zum Versagen der Schwachschicht. Heisst: Mehr Druck macht eine Schneedecke also gar anfälliger für Lawinen.
Die Resultate helfen dabei, besser zu verstehen, wie sich Schwachschichten im Schnee unter Belastung verhalten. Mit den neuen Erkenntnissen können diese Berechnungen genauer gemacht werden. Dadurch lassen sich auch Lawinenmodelle verbessern, was zu zuverlässigeren Lawinenprognosen führen kann.