Wachsendes Imperium
Schoggi-Geld für die Zahnbehandlung

Die Zahnärzte-Kette im Besitz der Familie Jacobs breitet sich aus. Sie ist inzwischen bei 60 Schweizer Praxen dabei. Weitere grosse Netzwerke tragen zu einer Veränderung der Zahnarztlandschaft bei.
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Hinter Colosseum Dental steht die Beteiligungsgesellschaft von Jacbos.
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Darum gehts

  • Colosseum Dental der Jacobs Holding zählt 60 Schweizer Praxen.
  • Organisiert in kleinen Aktiengesellschaften, Investoren kaum ersichtlich
  • Medbase und Dentacore treiben ebenfalls Zahnärzte-Netzwerke voran.
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Andreas SchmidInlandredaktor

Das Wachstum ist beeindruckend. 60 Zahnarztpraxen der Kette Colosseum Dental sind inzwischen unter dem Dach der internationalen Gruppe, die in 10 anderen europäischen Ländern weitere 600 Praxen betreibt – mit gesamthaft über einer Milliarde Franken Umsatz pro Jahr.

In der Deutschschweiz in lauter kleinen Aktiengesellschaften organisiert, stellt Colosseum in den Verwaltungsräten den Schweiz-CEO Jürg Trepp. Ihn ergänzt jeweils eine lokale Vertretung der Praxis. Hinter der Zahnarztkette Colosseum steht die Jacobs Holding, eine Beteiligungsgesellschaft der Unternehmer Philippe und Nicolas Jacobs. Ihre Holding hält auch einen bedeutenden Anteil an Barry Callebaut, dem Schweizer Weltmarktführer im Schokoladen- und Kakaogeschäft. Nicht nur Schokolade und Zahnärzte gehören zum Jacobs-Geschäftsfeld, eine Investmentgruppe von Philippe Jacobs ist ebenfalls in der Erotikbranche tätig – der Schweizer Marktführer Amorana gehört etwa zum Portfolio. Darin findet sich weiter der Sportartikelhersteller Mammut.

Nachfolge der Abivardi-Schwestern

In die Zahnarzt-Sparte stieg die Jacobs Holding mit Colosseum Dental 2017 ein, als sie die Firmenanteile der Kette Swiss Smile der Abivardi-Schwestern übernahm. Die beiden charismatischen Unternehmerinnen hatten in der Schweiz 2002 damit begonnen, Praxen unter einem Dach zusammenzuschliessen.

Diese Entwicklung hat sich fortgesetzt. Neben Colosseum existieren mit dem Zahnarztzentrum – das Unternehmen gehört zur Migros-Tochter Medbase und ist an über 40 Standorten mit Zahnarztpraxen präsent – sowie der in Baar ZG ansässigen Dentacore AG weitere grosse Akteure auf dem Markt. Dentacore wurde 2021 gegründet, die Gesellschaft nennt «die Weiterentwicklung der zahnmedizinischen Versorgungslandschaft» als Ziel, für langjährige Praxen will Dentacore stabile Nachfolgeregelungen finden.

Unter anderem mit diesem Angebot holt auch die Colosseum-Gruppe lokale Praxen unter ihr Dach. Das Unternehmen bezeichnet sich selbst als «Nummer 1 in der Schweizer Zahnmedizin». Der Vorteil eines Netzwerks liege vor allem darin, dass die Zahnärztinnen und Zahnärzte von administrativen Aufgaben wie Buchhaltung, Personalsuche und Einkauf entlastet würden, sagt Raoul Dias, Personal- und Rechtschef der Colosseum-Dental-Gruppe.

Investoren im Hintergrund

Weil die 60 Colosseum-Zahnarztpraxen in einzelnen, kleinen Aktiengesellschaften organisiert sind, ist für die Klienten nicht offenkundig, dass hinter ihrer Praxis ein milliardenschwerer Investor steht. Dias hält dazu fest: Für die Patientinnen und Patienten stehe die Beziehung zum Zahnarzt und den Praxisangestellten im Vordergrund. «Zudem verfolgt die Colosseum Dental Schweiz keine zentrale Branding-Strategie.» Das Gesetz verlange nicht, die hinter einer Praxis stehende Aktionärin auszuweisen, betont Dias, deklariert werden müsse die Trägerschaft oder die juristische Person.

Dias gibt an, die Gruppe sei an einem weiteren Wachstum interessiert. Grösse bringt den Zahnarztketten gegenüber Kleinpraxen Vorteile bei den Beschaffungen von Implantaten und Verbrauchsmaterial sowie beim Bezug von Laborleistungen. Wie sich das niederschlägt, will Colosseum-Kadermann Dias nicht bekannt geben: «Über die Einkaufsbedingungen können wir keine Auskunft erteilen.»

Weichenstellung für die Zukunft

Neu auf eine Partnerschaft mit Colosseum setzt beispielsweise Vanessa Bluhm (51). Sie hat in Rüschlikon ZH vor Jahren eine Familienzahnarztpraxis gegründet. Mit der Form als Aktiengesellschaft ändere sich für ihre Patientinnen und Patienten nichts, betont Bluhm. Der Zusammenschluss bringe im Hintergrund jedoch grosse logistische Vorteile. «Auch ein späterer Verkauf der Praxis lässt sich so flexibler realisieren.»

Mit der Eingliederung von Praxen in das Colosseum-Netzwerk werden auch Kundendaten und Krankengeschichten weitergegeben – was bei einigen Patienten Unbehagen auslöst. Bluhm entgegnet auf diese Bedenken: «Patientendaten und -dossiers werden strikt vertraulich behandelt und nur weitergegeben, wenn das Einverständnis der Betroffenen vorliegt.»

Für die Einhaltung des Datenschutzes sind die Praxen verantwortlich, ohne Zustimmung der Patientinnen und Patienten dürfen sie Dossiers nicht abgeben. Dies ist in der Betriebsbewilligung geregelt.

Aufsicht durch kantonale Ämter

Erhalten Zahnarztpraxen eine neue Trägerschaft, müssen sie dies dem kantonalen Gesundheitsamt melden und dafür eine Betriebsbewilligung beantragen. Gesetzlich ist zudem festgehalten, dass Zahnärztinnen und Zahnärzte eine Bewilligung für die Ausübung ihres Berufs benötigen, wenn sie «in eigener fachlicher Verantwortung tätig sind».

Vor allem kleine Einzelpraxen beobachten die wachsenden Netzwerke von Colosseum, Zahnarztzentrum und Dentacore teilweise beunruhigt. Die kantonalen Gesundheitsämter kommentieren diese Sorgen dahingehend, dass Fragen zu Eigentumsstrukturen und zur Marktentwicklung nicht Gegenstand ihrer Aufsichtspflicht seien. Im Fokus stünden da Versorgungs- und Patientensicherheit sowie die Qualität der Leistungen, heisst es etwa vom Amt für Gesundheit des Kantons Zürich.

Der Luzerner Kantonszahnarzt Peter Suter sagt, die gesetzlichen Bestimmungen legten die Voraussetzungen für das Erteilen von Betriebs- und Berufsausübungsbewilligungen fest. «Sind diese erfüllt, besteht kein Ermessensspielraum.»

Vernetzte Angebote

Die Netzwerke in der Zahnärzte-Landschaft folgen einer Entwicklung, die im Gesundheitswesen schon seit Jahren im Gang ist. So bietet die Migros mit der Tochter Medbase eine umfassende Palette von medizinischen Leistungen, von Physiotherapie über Arzt- und Zahnarztpraxen bis zu Pharmazie und Sportdiagnostik. Zudem ist Movemi von Migros mit Activ Fitness die Nummer 1 im Schweizer Markt.

Der Gesundheitssektor ist eines der zentralen Standbeine der Migros und offensichtlich ein attraktiver Zukunftsmarkt. Dass die Jacobs Holding mit der Colosseum-Dental-Gruppe ebenfalls da investiert – in die Zahnmedizin – lässt künftig weitere Umwälzungen bei den gesamthaft 4300 Schweizer Zahnarztpraxen prognostizieren.

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