Mutmasslicher Menschenhändler schwelgt wieder im Luxus
Schweiz liefert Balkan-Pate aus – Bosnien lässt ihn frei

Nermin C. soll Mädchen zur Prostitution gezwungen haben, Ermittlungen laufen. Doch der United-Tribuns-Gründer protzt mit Villen und Luxusboliden.
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Nermin C. soll Mädchen zur Prostitution gezwungen haben.
Foto: Webshot

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Milieu-Boss Nermin C. nach Auslieferung aus der Schweiz in Bosnien freigelassen
  • In seinem Heimatland schwelgt er nun wieder im Luxus
  • C. ist Mitgründer der Rockergang United Tribuns
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Fabian EberhardStv. Chefredaktor SonntagsBlick

Als wäre nie etwas gewesen. Auf einem neu eingerichteten Instagram-Profil lässt sich Balkan-Rocker Nermin C.* am Pool einer Luxusvilla ablichten. Mit geschwellter Brust steigt er in einen roten Ferrari und brettert los. «Welcome home, brate», kommentiert ein User – «Willkommen daheim, Bruder».

C. galt als einer der gefährlichsten Köpfe des organisierten Verbrechens in Europa. Fast vier Jahre sass er in der Schweiz in Haft, jetzt ist er frei. Für die Opfer des mutmasslichen Menschenhändlers ist das ein Schlag ins Gesicht.

Drogenhandel, Zuhälterei, Gewalt

2004 gründete der Bosnier zusammen mit seinem Bruder in Deutschland die United Tribuns. Die Gruppe wurde schnell zur mächtigen Rockergang, ihre Mitglieder begingen schwere Straftaten: Drogenhandel, Zuhälterei, Gewalt. Zwei Tribuns-Mitglieder starben bei Auseinandersetzungen mit verfeindeten Gruppen.

Als sich in Deutschland die Schlinge um die Balkan-Brüder zuzog, flüchteten die beiden in ihr Heimatland Bosnien-Herzegowina. 2022 wurden die United Tribuns in Deutschland verboten.

Bald darauf klickten die Handschellen. Ermittler verhafteten Nermin C. an einem kroatischen Grenzübergang. Er wurde mit internationalem Haftbefehl gesucht, ausgestellt von der Aargauer Staatsanwaltschaft. Die Justiz wirft ihm vor, Teil eines internationalen Prostitutions- und Menschenhandelsnetzwerks zu sein. Unter anderem soll er ein minderjähriges Mädchen aus der Schweiz in die Falle gelockt haben, um sie zur Prostitution zu zwingen.

Bosnier ersuchten um Auslieferung

Drei Jahre und acht Monate sass der Gang-Anführer daraufhin in hiesigen Gefängnissen. Bis die Schweiz überraschend entschied, ihn nach Bosnien auszuliefern. «Wir können bestätigen, dass Nermin C. am 31. März 2026 von der Schweiz ausgeliefert wurde», sagt ein Sprecher des Bundesamts für Justiz auf Anfrage von Blick. Die Auslieferung stützte sich auf ein Ersuchen des bosnischen Justizministeriums.

Auch in Bosnien wird gegen C. ermittelt. Dass ein anderer Staat die Strafverfahren bei sich bündelt, ist nicht ungewöhnlich. Und doch erstaunt, dass die Schweiz den Rocker-Boss jetzt ausgeliefert hat. Insider befürchteten, dass die bosnischen Behörden C. mit Samthandschuhen anfassen. Dies auch, weil sein Bruder mit Spitznamen «Boki», der sogenannte «Weltpräsident» der United Tribuns, nach nur einem Jahr Haft in Sarajevo unter Auflagen freikam.

Mehr noch: Die Ermittlungsbehörden im Balkan ermöglichten über Jahre hinweg, dass die Rocker-Brüder ihr kriminelles Netzwerk ausbauen konnten – trotz internationaler Haftbefehle.

Zurück im Luxus

Jetzt haben sich die Befürchtungen der Insider bewahrheitet. Wie der Gerichtshof in Sarajevo gegenüber dem «Schwarzwälder Boten» mitteilt, wurde C. vor zehn Tagen unter Auflagen freigelassen. Nur wenige Wochen, nachdem die Schweiz ihn ausgeliefert hatte.

Der Rocker-Boss darf seinen Wohnort nicht verlassen und sich nicht mit «bestimmten Personen» treffen. In den sozialen Medien protzt er aber bereits wieder mit seinem alten Luxusleben. Unter einem Foto auf Instagram schreibt ein User: «Forever Tribuns» – Tribuns für immer.

So wie früher, als sich die Brüder sicher fühlten vor den Ermittlern.

* Name bekannt

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