Darum gehts
- Streit um Wegrechte in der Schweiz eskaliert in mehreren Fällen.
- In Teufen AR verengte ein Nachbar eine Zufahrt, Konflikte folgten.
- 2023: In Maienfeld blockierte ein Anwohner eine Strasse mit Holzgattern.
Es ist ein übler Streit, der in Walkringen BE tobt. Thomas Zimmermann (40) und sein Nachbar Andreas Künzler (68) reden nicht mehr miteinander. Grund ist ein Kiesweg, der auf Zimmermanns Grundstück liegt. Künzler hat diesen auf einer Länge von rund 500 Metern ausgebaut – ohne das Einverständnis des Landbesitzers.
Streitereien um das Wegrecht eskalieren immer wieder in der Schweiz. Es ist rechtlich als Dienstbarkeit im Schweizerischen Zivilgesetzbuch geregelt, doch in der Praxis bleiben Fragen offen — etwa zur genauen Nutzung, zum Unterhalt des Weges oder zu Änderungen der Verhältnisse. Oft prallen Interessen direkt aufeinander. Während die eine Seite auf einen freien Zugang angewiesen ist, fühlen sich andere oft ihres Grundstücks beraubt.
Streit am Villenhügel von Teufen AR
Am Villenhügel in Teufen AR eskalierte 2024 ein jahrelanger Nachbarschaftsstreit um eine Zufahrtstrasse zwischen dem damals 96-jährigen Villenbesitzer Markus Heller und seinem Nachbarn Simon M.* Nach einem Streit um ein Bauprojekt von M., das Heller nicht passte, liess M. die Zufahrtsstrasse verengen, die direkt auf Hellers Grundstück führt. Er liess den Weg so umbauen, dass grössere Fahrzeuge nicht mehr durchpassten.
Heller wirft M. vor: «Er schikaniert mich aus Wut und Intoleranz». Der Nachbar beruft sich hingegen strikt auf die im Dienstbarkeitsvertrag festgelegte maximale Breite von zwei Metern. Diese Vorgabe wollte M. mit der Verengung durchsetzen. Es kam zu gegenseitigen Anzeigen. Heller sagte: «Ich habe nicht das Gefühl, dass es hier noch eine Versöhnung geben wird.»
Strassen-Zoff in Maienfeld
2023 sorgte ein Streit in Maienfeld für Schlagzeilen. Der damals 61-jährige Anwohner David A. stritt seit Jahren mit der Stadt über den Durchgangsverkehr vor seinem Haus. Er forderte ein Fahrverbot und blockierte die Strasse seit Weihnachten 2022 mit Fahrzeug und Holzgattern.
Der Stadtrat lehnte dies ab und wollte laut dem Stadtpräsidenten den früheren Zustand mit freier Durchfahrt für alle wiederherstellen. Das Problem: Die Strasse gehört dem Eigentümer und nicht der Stadt. Aber über die Parzelle sei ein offizieller Fuss- und Wanderweg eingetragen. Daher gelte für Passanten, Wanderer und Velofahrer das Wegrecht.
Eskalation bei Pferdehof
Im Bezirk Winterthur eskalierte 2023 ein Streit zwischen dem Tierarzt und Reitlehrer Jörg B.** (damals 69) und dem Pferdehof-Pächter Linus T.*. B. wirft seinem Nachbarn und dessen Umfeld körperliche Angriffe, Schikanen und Sabotage vor.
Hintergrund des Konflikts sind unter anderem Differenzen über Durchgangs- und Mitbenutzungsrechte. Pferdenarr B. betreibt Boxen und Auslaufflächen für seine Tiere.
Im Verlauf des Streits kam es laut Darstellung von B. zu mehreren Vorfällen, darunter eine tätliche Auseinandersetzung, Probleme mit überlaufender Gülle sowie weitere Zwischenfälle, zu denen auch die Polizei ausrückte.
Gefährlicher Schulweg
In Tübach SG sorgte im Frühling 2023 ein gefährlicher Schulweg für grosse Sorgen bei der Familie Dietrich. Ihre Kinder müssen eine unübersichtliche, stark befahrene Strasse ohne Fussgängerstreifen überqueren, nachdem Nachbarn den zuvor genutzten sicheren Durchgang über ihr Grundstück aus Haftungsgründen untersagt haben.
Die Gemeinde kann keinen Fussgängerstreifen einrichten, da es sich um eine Kantonsstrasse handelt und strenge Vorgaben gelten.
* Name geändert
** Name bekannt