Darum gehts
- Grossbrand in Bellach SO: Geschäftsführer stirbt bei Löschversuch im Firmengebäude
- Gebäude einsturzgefährdet, Sachschaden beträgt mehrere 100'000 Franken laut Polizeiangaben
- Eine Person tot geborgen, Ermittlungen zur Brandursache laufen weiterhin
Die riesige Rauchwolke über Bellach SO war am Dienstag weit herum sichtbar. Mehrere Einsatzkräfte rückten zum Brand auf dem Siragusa-Areal aus. Das Gebäude wurde durch die Flammen zerstört und war wegen Einsturzgefahr zunächst nicht zugänglich. Auch mehrere Fahrzeuge standen in Brand oder erlitten Schäden. Zudem wurde ein angrenzender Discounter beschädigt.
«Das betroffene Gebäude ist einsturzgefährdet, ein Totalschaden», sagte der Sprecher der Kantonspolizei Solothurn Bruno Gribi am Nachmittag. Der Sachschaden könne aktuell nicht beziffert werden, dürfte aber mehrere Hunderttausend Franken betragen. Die Löscharbeiten dauerten am Nachmittag weiter an. Zunächst galt eine Person als vermisst, wie die Kapo mitteilte.
Später mussten die Einsatzkräfte eine leblose Person aus dem Gebäude bergen. Blick-Recherchen zeigen: Beim Todesopfer handelt es sich um einen der beiden Geschäftsführer des Lebensmittelhändlers. Wollte er die Flammen selbst löschen und kam dabei ums Leben?
«Er wollte die Flammen löschen»
«Ich bin in einem luftleeren Raum», sagt die Ehefrau des Verstorbenen gegenüber Blick. Sie bestätigt, dass es sich bei dem Todesopfer des Grossbrands in Bellach um ihren Mann handelt. «Ich bin im Schock und am Boden zerstört», sagt sie.
«Er wollte die Flammen löschen», erzählt seine Frau. Danach verlor sich seine Spur. Ob er im Rauch ohnmächtig geworden ist oder herunterfallende Gegenstände ihn getroffen haben, ist unklar.
Gegenüber Tele M1 erzählt ein Anwohner, er habe einen Mann mit einem Feuerlöscher gesehen, der das brennende Gebäude betrat. Herauskommen habe er ihn nicht gesehen.
«Er ist ein sehr guter Mensch gewesen»
Niklaus B.* arbeitet seit zehn Jahren als Chauffeur bei der Firma. Er war am Dienstag gerade auf dem Heimweg mit einem Ersatzwagen, nachdem er ein Firmenfahrzeug in die Garage gebracht hatte – dann bemerkte er die Rauchwolke. Kurz darauf sei er informiert worden, dass das Geschäft in Vollbrand stehe. Von der Polizei sei er schliesslich zurückgehalten worden und habe aus der Distanz mitansehen müssen, wie das Gebäude brannte.
Besonders belastend sei die Ungewissheit gewesen. Er habe erfahren, dass eine Person vermisst werde. «Wir haben nicht gewusst, ob die Person im Gebäude ist.» Bis er nach Hause gegangen sei, sei die vermisste Person nicht gefunden worden. Später stellte sich heraus: Es war sein Chef.
Über den Toten findet B. nur lobende Worte: «Er ist ein sehr guter Mensch gewesen, sehr hilfsbereit.» Dass der Chef versucht haben soll, das Feuer selbst zu löschen, hat B. lediglich vom Hörensagen erfahren. Sicher sagen könne er es deshalb nicht. «Aber das passt zu ihm», sagt er. Es entspreche seinem Charakter, dass er versucht habe, Schlimmeres zu verhindern.
«Das Menschenleben kann man nicht ersetzen»
Für B. ist klar: Der materielle Schaden lässt sich irgendwann beheben. «Blech, Haus und so weiter – das ist alles ersetzbar. Aber leider kann man ein Menschenleben nicht ersetzen.»
Den Angehörigen möchte er sein Beileid aussprechen. «Ich hoffe, dass sie mit Kraft wieder zur Ruhe kommen.»
Wie es für die Mitarbeitenden und die Firma weitergeht, ist derzeit unklar. B. hat inzwischen begonnen, Kunden über die Situation zu informieren. «Jetzt sind wir am Schauen, wie es weitergeht.»
Die Umstände des Todes sowie die genaue Brandursache sind Gegenstand der laufenden Ermittlungen.
*Name bekannt