Blick analysiert die Betrugs-Masche von Ueli T.
So simpel wurde die SBB um 9 Millionen erleichtert

Wer den Fall von aussen betrachtet, kann nur den Kopf schütteln: 9 Millionen knöpfte Ueli T. den SBB ab. Buchhaltung, Controlling – niemandem fiel etwas auf. Blick hat T.s Betrugsmasche analysiert.
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Ueli T.* (54) hat die SBB um 9 Millionen erleichtert. Vor dem Bundesstrafgericht erschien er – zumindest draussen – ganz vermummt.
Foto: Qendresa Llugiqi

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Qendresa LlugiqiReporterin News

Da sitzt er, ist geständig, gibt sich reuig: Ex-SBB-Kadermann Ueli T.* (54) muss sich seit Dienstag vor dem Bundesstrafgericht in Bellinzona TI verantworten. Er hat seinen ehemaligen Arbeitgeber – die Schweizerischen Bundesbahnen – über 17 Jahre hinweg neun Millionen abgeknöpft.

Vor Gericht zeigt sich: Ueli T. hatte es dabei leicht – offenbar kontrollierte kaum jemand, was er trieb. Blick hat seine plumpe, aber effektive Masche analysiert.

Eigener Kontrolleur

Zusammengefasst lässt sich sagen: Die SBB wurden abgezockt, weil Ueli T. sein eigener Kontrolleur war. Um an Geld zu kommen, generierte T. im internen System falsche Aufträge bei Firmen von Kollegen.

Hier kommen seine Mitangeklagten Georg Z.* und Beat M.* ins Spiel. Gemäss Bundesanwaltschaft stellten sie Ueli T. ihre Gesellschaften zur Verfügung oder gründeten speziell dafür ein Unternehmen.

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Ueli T. (54) posierte als Trump verkleidet – und mit Waffe.
Foto: zVg

Für diese gefälschten Aufträge stellten die Firmen von T.s Kollegen echte Rechnungen. Und die SBB zahlten brav.

Das SBB-System prüfte lediglich, ob Lieferant, Bestellnummer – diese hatte Ueli T. selbst generiert –, und Rechnungsbetrag übereinstimmten. Passten die Angaben, wurde die Zahlung durch die Zahlstelle der SBB ausgelöst.

Ueli T. koordinierte alles

Ein Grossteil der verrechneten Waren soll so nie geliefert worden sein. Teilweise sei im System stattdessen vermerkt worden, dass das Material bereits beim Lieferanten vernichtet worden sei. In einzelnen Fällen sei zwar Ware geliefert worden, die SBB haben diese aber nicht benötigt oder dafür überhöhte Preise bezahlt.

Damit seine mutmasslichen Komplizen wussten, wann Geld zu erwarten war, schickte Ueli T. ihnen Kopien der falschen Rechnungen. Sobald das Geld auf ihren Konten landete, gab Ueli T. ihnen vor, wie viel sie für sich behalten durften und wie viel sie ihm auf ein bestimmtes Konto transferieren sollten.

Der dritte Angeklagte – François O.* – soll Ueli T. dabei geholfen haben, Geldflüsse für die Buchhaltung zu fingieren.

Ueli T. ging eigene Wege

Irgendwann wollte Ueli T. wohl nicht mehr teilen. Er bat seine Schwester, in ihrem Namen Unternehmen zu gründen. Ueli T. beendete die Zusammenarbeit mit den Mitangeklagten. Er stellte jetzt einfach selbst Rechnungen aus, die er den SBB einreichte.

Hier zeigt sich die grösste Schwäche im SBB-System: Ueli T. hatte zu viel Macht. Er war berechtigt, auf verschiedene Prozesse zuzugreifen. So konnte er etwa sowohl Material anfordern als auch selbst Bestellungen erstellen.

«Nicht besonders raffiniert»

Das SBB-System und die Abläufe sorgten vor Gericht für Kopfschütteln. Die Verteidiger der fünf Angeklagten verrissen die SBB. So meinte der Verteidiger von Ueli T., Boris Kreit: «Ich konnte es kaum glauben. Das System war zu simpel, um eine solche Summe zu erzielen. Erst recht nicht über so einen langen Zeitraum.»

Kreit in seinem Plädoyer weiter: «Ueli T.s Vorgehensweise war nicht besonders raffiniert. Oder mit anderen Worten: Das falsche Spiel hätte jederzeit bei einer Kontrolle auffliegen können und auch müssen.» Deshalb müssen sich die SBB eine gewisse Eigenverantwortung anrechnen lassen.

Für Kreit waren die Kontrollmechanismen der SBB unzureichend, weil kaum Kontrollen durchgeführt und die Bestellungen nicht doppelt verifiziert wurden. Es gab keine personelle Trennung zwischen der Auslösung der Bestellung und der anschliessenden Buchung der Wareneingänge. Auch konnten «Personen im System Bestellungen und Rechnungen auslösen, die diese Berechtigung gar nicht hätten haben dürfen».

Die Bundesanwaltschaft erklärte ebenfalls am Dienstag: «Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Abläufe und Systeme der SBB hinsichtlich Kontrollfunktion Mängel aufwiesen.»

Was mit dem Geld geschah, lässt sich wohl mit Ueli T.s Worten am besten beschreiben: Er habe gelebt. Er gönnte sich Villen, Waffen und luxuriöse Autos. Damit ist jetzt Schluss. Die Bundesanwaltschaft forderte 77 Monate Freiheitsstrafe unbedingt. Das Urteil wird am Donnerstag um 15 Uhr erwartet.

*Name geändert

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