Darum gehts
- Deutschland warnt vor mehr sexueller Gewalt im Netz
- KI verschärft Sextortion bei Minderjährigen
- Auch in der Schweiz steigen Fälle, Kapo St. Gallen warnt
Die Gefahr für Kinder im Netz war noch nie so hoch. Die deutsche Bundesmissbrauchsbeauftragte Kerstin Claus (57) warnt vor zunehmender sexueller Gewalt im Internet, wie die «Tagesschau» berichtet. In Deutschland berichtet jeder vierte Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren, Gewalt im Netz erfahren zu haben. Vor allem Cybergrooming nimmt zu: Erwachsene manipulieren Minderjährige online gezielt zu sexuellen Handlungen.
Auch die Schweiz verzeichnet beunruhigend hohe Fallzahlen. Blick hat mit der Kantonspolizei St. Gallen und Kinderschutz Schweiz über diese schockierende Entwicklung gesprochen.
Datenerhebung stellt Kapo vor Herausforderung
«Auch wir verzeichnen Fälle von Cybergrooming, sexualisierten Darstellungen mithilfe von KI und Sextortion», berichtet die Kapo St. Gallen. Kinder und Jugendliche seien im Netz massiv gefährdet. Die St. Galler Ermittler jagen die Täter verdeckt und werten digitale Spuren aus.
Täter online aufzuspüren, ist extrem schwer. Das Problem: Schweizer Ermittler sind oft auf das Wohlwollen ausländischer Tech-Giganten angewiesen. «Die Datenerhebung bei in- und ausländischen Providern ist häufig von deren Bereitschaft zur Mitwirkung abhängig, weshalb nie sicher ist, ob Daten durch Strafverfolgungsbehörden erlangt werden können oder nicht», betont die Kapo St. Gallen.
Auch im Inland gibt es ein Hindernis: «Der nationale, elektronische Datenaustausch in der Schweiz stellt nach wie vor eine der grössten Herausforderungen dar, weil entsprechende Rechtsgrundlagen bisher fehlen und bis zu deren Umsetzung noch wertvolle Zeit in Anspruch nehmen.»
Opfer werden immer jünger
Auch die Schweiz verzeichnet Rekordzahlen bei der Online-Gewalt. «Bereits jetzt Mitte Oktober 2026 sind wir über dem Stand des ganzen letzten Jahres», warnt Regula Bernhard-Hug (51), Direktorin von Kinderschutz Schweiz. Die meisten Meldungen auf der Meldeplattform Clickandstop beträfen pädokriminelle Inhalte, so Bernhard-Hug.
Schockierend: «Beim pädokriminellen Material werden die Opfer immer jünger.» Sie führt den Anstieg der Fallzahlen auf gesellschaftliche und technische Entwicklungen zurück: «Digitale Zugänge sind immer niederschwelliger und allgegenwärtig und technische Entwicklungen ermöglichen einen schnellen Kontakt zu einem Kind und zu Informationen über das Kind.»
Dabei ist laut Kinderschutz nicht der Zugang zum Netz per se problematisch, sondern die unkontrollierte Nutzung. Daher appelliert Bernhard-Hug: «Man sollte die technischen Schutzmassnahmen nutzen und sich an geregelte Off- und Onlinezeiten halten.» Der beste Zeitpunkt, altersgerecht über Gefahren im Netz aufzuklären, kommt mit dem ersten Handy. Dabei seien neben Eltern auch Schulen gefragt, richtige Regulierungen umzusetzen.
Handlungsbedarf gibt es auch beim Gesetzgeber. KI und Co. machen es Tätern zu leicht. Bernhard-Hug fordert Entwickler auf: «Wenn ihr etwas Neues entwickelt, dann denkt Schutz, Sicherheit und Privatsphäre von minderjährigen Nutzenden von Anfang an mit und installiert es bei Default.» Aktuell sei Safety by Design leider sekundär.